Zustandserfassung
Gerolfinger Eichenwald

 
 
Kapitel 2
Bestandsaufnahme
 
 

Flora und Vegetation
Es wurden 600 höhere Pflanzarten erfaßt. Für Bayern geht man von einer Gesamtartenzahl von rund 2.200 Arten aus, somit sind im Eichenwald rund 27% aller Arten beheimatet. Dies ist angesichts geringer Höhen- und Expositionsunterschiede sowie relativ einheitlicher geologischer und klimatischer Verhältnisse ein vergleichsweise hoher Wert. Nicht nur die Artenzahl weist bereits auf die hohe naturschutzfachliche Bedeutung hin, noch deutlicher wird dies anhand einer Auswertung in Bezug auf die Arten, die in der Roten Liste von Bayern enthalten sind. Über 10% der nachgewiesenen Arten (68 Arten) sind in der Roten Liste Bayern enthalten, darunter mit Brenndolde (Cnidium dubium) und Moor-Veilchen (Viola persicifolia) auch 2 vom Aussterben bedrohte Arten sowie 8 stark gefährdete Arten.

Fauna
Für den Untersuchungsraum wurden mehrere faunistische Spezialgutachten erstellt, die in ihren wesentlichsten Aussagen in das vorliegende Gutachten integriert wurden. Für folgende Artengruppen liegen gesonderte faunistische Erhebungen vor:

 
 
 

Biber

Fledermäuse

Vögel (schwerpunktmäßig Spechte und Greifvögel)

Fische

Heuschrecken

Libellen

Stechimmen

Holzbesiedelnde Käfer

Tag- und Nachtfalter.

 
 
 

Biber
An den Altarmen und dem E-Graben zwischen dem Schafirrsee und dem Hopfenwehrlsee wurden drei Reviere festgestellt. Die Donau ist bislang nicht besiedelt.

Fledermäuse
Mit Abendsegler, Rauhhautfledermaus, Zwergfledermaus und Wasserfledermaus wurden vier Arten sicher nachgewiesen. Das Vorkommen von mindestens zwei weiteren Arten, Kleiner Abendsegler und Braunes Langohr, ist wahrscheinlich. Die am häufigsten nachgewiesene Art ist der Abendsegler, für den der Gerolfinger Eichenwald als Durchzugsgebiet, insbesondere im Frühjahr eine große Rolle spielt. Alle Fledermausarten sind in der Roten Liste von Bayern enthalten.

Vögel
Insgesamt wurden 117 Vogelarten nachgewiesen, darunter 87 Brutvogelarten (sichere bzw. wahrscheinliche Brutvögel). In Gesamtbayern geht man von etwa 211 brütenden Vogelarten aus, somit zeigt sich hier wiederum eine hohe Bedeutung allein anhand der Repräsentanz. Über die Hälfte aller in Bayern brütenden Vogelarten ist somit im Eichenwald als Brutvogel nachgewiesen worden. Auch im Hinblick auf die Arten-Areal-Kurve zeigt sich die besondere Stellung des Eichenwalds. Bei einer Fläche von rund 1.200 ha sind rund 60 Brutvogelarten zu erwarten, fast um die Hälfte mehr (87 Arten) wurden erfaßt. Hinsichtlich des Bewertungskriteriums „Vollständigkeit des Artenspektrums“ ist dem Gebiet ebenfalls ein sehr hoher Wert beizumessen. Das Spektrum der laubwaldbewohnenden Arten ist nahezu vollständig vertreten. Die Anzahl von 9 sicher bzw. wahrscheinlich im Gebiet brütenden Greifvogelarten ist sehr hoch und dürfte in kaum einem anderen bayerischen Gebiet vergleichbarer Größe erreicht werden.

Von den 117 Arten sind 40 nach der Roten Liste von Bayern gefährdet, darunter sind 28 Brutvogelarten. Bemerkenswert ist, daß alle zu erwartenden Spechtarten (neben den häufigeren Arten Buntspecht und Schwarzspecht auch die weniger verbreiteten Arten Grünspecht, Grauspecht und Kleinspecht sowie der seltene Mittelspecht) als Brutvögel im Eichenwald leben. Naturschutzfachlich besonders wertvoll sind die Nachweise von Mittelspecht und Halsbandschnäpper, die beide nach der Roten Liste von Bayern als stark gefährdet gelten müssen. Der Mittelspecht besetzt im Eichenwald ca. 30 - 35 Reviere und hat in Verbindung mit den südlichen Donauauen, in denen er ebenfalls in zumindest mittlerer Dichte vorkommt, hier vermutlich seinen größten Bestand in Südbayern. Der Bestand dürfte entscheidende Bedeutung für das Überleben der Art im mittleren Donauraum Bayerns haben. Noch höher ist die Dichte des Halsbandschnäppers, der vorzugsweise horizontal reich strukturierte Laubwälder mit lückigem Kronendach besiedelt. Es ist von rund 200 besetzten Halsbandschnäpper-Revieren im Eichenwald auszugehen; somit hat der Eichenwald auch für diese Art eine herausragende Bedeutung.

Reptilien
Obwohl die Reptilienfauna nur kursorisch erfaßt worden ist, konnten zahlreiche Reptilien-Nachweise aufgenommen werden. Bedeutsam sind v. a. die relativ großen Zauneidechsenbestände, die Häufigkeit der Ringelnatter und das Vorkommen der selteneren Schlingnatter, die zusammen eine Einstufung des Eichenwalds als zumindest regional bedeutsam rechtfertigen.

Amphibien
Im Eichenwald und den unmittelbar angrenzenden Kiesgruben bei Irgertsheim wurden neun Arten nachgewiesen. Besonders erwähnenswert sind die Vorkommen von Wechselkröte (Rote Liste Bayern 1) sowie Kamm-Molch und Knoblauchkröte (beide Rote Liste Bayern 2), ferner des Laubfrosches und der Gelbbauchunke (jeweils Rote Liste Bayern 3). Damit ist der Eichenwald für die Amphibienfauna überregional bedeutsam.

Fische
Bei Probebefischungen wurden im E-Graben 11 Fischarten nachgewiesen, die Fischfauna ist somit als artenreich einzustufen, typische Fließgewässerarten fehlen weitgehend, da der E-Graben zumeist sehr langsam fließt. Besonders bemerkenswert ist der Nachweis des stark gefährdeten Bitterlings. Ebenfalls bei Probebefischungen im stark verlandeten Altwasser am Dürrensee wurden 6 Fischarten festgestellt; diese geringe Artenzahl ist v. a. auf die isolierte Lage zurückzuführen. Nur bei stärksten Hochwässern, wie sie nur im Abstand vieler Jahre auftreten, findet noch Austausch mit anderen Gewässern statt. Nach Auskunft der Fischereiberechtigten gibt es am Schafirrsee 13 Fischarten, darunter mit dem Moderlieschen eine nach der Roten Liste potentiell gefährdete Art. Der Schafirrsee hat eine gewisse Ersatzfunktion für die durch die Donauregulierung und den Staustufenbau stark eingeschränkte Habitatfunktion der Altarmreste.

Tagfalter
Im Eichenwald konnten 63 Tagfalterarten nachgewiesen werden. Dies
ist wiederum ein angesichts der Größe und relativen Homogenität der abiotischen Daten hoher Wert. 27 Arten sind in der Roten Liste Bayern aufgeführt, dies entspricht 42% aller Artnachweise. Unter den gefährdeten Arten befinden sich zwei vom Aussterben bedrohte Arten: der Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Maculinea rebeli) und das Wald-Wiesenvögelchen (Coenonympha hero) und 6 stark gefährdete Arten. Der Eichenwald hat somit herausragende Bedeutung für die Tagfalterfauna und ist als überregional bedeutsam einzustufen.

Nachtfalter
Im Rahmen verschiedener Untersuchungen wurden 326 Arten nachgewiesen, darunter 44 Arten der Roten Liste Bayern, darunter einige sehr seltene (7 Arten Rote Liste, Status 2). Im Vergleich mit den wenigen übrigen Gebieten, in denen Untersuchungen zur Nachtfalterfauna durchgeführt worden sind, zeichnet sich ab, daß der Bestand überdurchschnittlich artenreich ist. Als überdurchschnittlich ist auch der Anteil an Rote-Liste-Arten zu werden. Er liegt hier trotz der bruchstückhaften Durchforschung bei rund 14%, aus anderen Gebieten sind Werte zwischen 5 bis 10% bekannt.

Heuschrecken
Trotz einer sehr geringen Stichprobenzahl konnten 16 Arten nachgewiesen werden. Besonders erwähnenswert ist das Vorkommen der Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens; RLBay 2), die Rohbodenstandorte besiedelt.

Libellen
Auch bei den Libellen umfaßt die Bestandsaufnahme nur wenige Stichproben und kann deshalb nicht vollständig sein; doch selbst im Rahmen der wenigen untersuchten Gewässer ergab sich, daß das Gebiet trotz der im Vergleich mit den südlichen Donauauen wesentlich geringeren Ausstattung mit Gewässern immer noch eine zumindest regionale Bedeutung hat. Bemerkenswert sind insbesondere die Gefleckte Smaragdlibelle (Somatochlora flavomaculata, RLBay 2) und die in Südbayern allgemein seltene Gefleckte Heidelibelle (Sympetrum flaveolum).

Stechimmen
Zu den Stechimmen zählen u. a. Bienen und Wespen. Auf nur acht Probeflächen wurden 118 Arten nachgewiesen, darunter 35% nach der Roten Liste Bayern. Es dominieren weit verbreitete und häufige Arten, doch gelangen auch Nachweise einiger seltener Arten, insbesondere am Hohenlo
he und auf der Felberschütt. Besonders hervorzuheben ist der Nachweis des bislang in Bayern als verschollen geltenden Auwaldbewohners Ectemnius nigritarsus auf der kleinen Brenne am Weg von Mühlhausen zur Donau.

Holzbewohnende Käfer
Etwa ein Viertel der Käferfauna der BRD zählt zu den holzbewohnenden Arten (xylobionte Formen). Im Eichenwald wurden 247 Arten erfaßt, darunter 51 Arten (20%) der Roten Liste der BRD (eine vollständige Rote Liste Bayern gibt es für die Holzkäferarten bislang noch nicht). Neben zahlreichen gefährdeten Arten, gelangen auch Nachweise von besonders seltenen Arten (2 Arten Rote Liste BRD Gefährdungsgrad 1, 3 Arten Rote Liste BRD Gefährdungsgrad 2). Im Vergleich mit den wenigen vorhandenen Untersuchungen aus anderen Gebieten Bayerns zeichnet sich der Eichenwald durch die höchste Artenzahl aus, er ist von landesweiter Bedeutung. Aufgrund der nachlassenden Biotopqualität, vor allem bei der Eiche, sind die gefährdeten Arten aber nicht mehr mit einem so hohen Anteil vertreten, wie aus älteren Untersuchungen bekannt sind.

 

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