Zustandserfassung
Gerolfinger Eichenwald

 
 
Kapitel 4
Schutzwürdigkeit
 
 

Eine wichtige Voraussetzung für die Ausweisung zum NSG ist deshalb die Schutzwürdigkeit. Für den Eichenwald wird die Schutzwürdigkeit hinsichtlich der Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz, die für das Landschaftsbild und die kulturhistorische Bedeutung ermittelt. Die Bewertung der Schutzwürdigkeit erfolgte zum einen für die Feindifferenzierung innerhalb des Untersuchungsgebiets; darüberhinaus wird die Bedeutung des Untersuchungsgebiets im größerräumigen Vergleich ermittelt, wobei schwerpunktmäßig die bayerische Donau-Aue, ferner auch die gesamten bayerischen Flußauen in Bezug zum Eichenwald gesetzt werden.

Bewertung der Schutzwürdigkeit innerhalb des Untersuchungsgebiets

Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz
Die Bewertung für den Arten- und Biotopschutz erfolgt in fünf Stufen. Die Auswahl der Bewertungskriterien orientiert sich an den entwickelten Zielvorstellungen, wobei überwiegend strukturelle Daten, teilweise auch Angaben zu Flächengrößen der Bewertung zugrundegelegt sind. Als räumliche Bezugseinheiten dienen die Leitbestandstypen, die kartenmäßig abgegrenzt worden sind. Die quantitative Auswertung der Bewertungsergebnisse zeigt, daß das Untersuchungsgebiet insgesamt von hoher Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz ist. Die einzelnen Bewertungsstufen verteilen sich wie folgt:

 
 
 
Herausragende Bedeutung
Hohe Bedeutung

Mittlere Bedeutung

Mäßige Bedeutung

Untergeordnete Bedeutung

203 ha
626 ha
85 ha
136 ha
150 ha
16,9%
52,5%
7,1%
11,3%
12,5%
 
 

In der jüngeren Auenstufe konzentrieren sich die Bereiche mit herausragender Bedeutung auf das Gebiet zwischen der Felberschütt und dem südlichen Fischerholz, den Umgriff des Schafirrsees, den nahezu ungenutzten Weichholzauwald im Deichvorlandstreifen, die Brenne und das Altwasser Hopfenwehrl und den sehr naturnahen, reich strukturierten Auwald zwischen dem E-Graben und dem Deich östlich der Schleiferschütt. In der älteren Auenstufe ragen folgende Gebietsteile hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz heraus: reich strukturierte, naturnahe Wälder östlich des Steigsees, im zentralen Bereich, beidseits des Wegs von Gerolfing nach Irgertsheim und im Gewann Heulacher, nordwestlich von Gerolfing. Im Gewann „Heulacher“ ist der einzige großflächige parkartige Bereich mit einigen Magerwiesen erhalten, weshalb diesem parkartigen Bereich ebenfalls herausragende Bedeutung zukommt. In der kleinen landschaftsökologischen Raumeinheit des Hohenlohe, ist der Südhang mit seinen Magerrasen und Magerwiesen von sehr großer Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz.

Wie die Flächenstatistik zeigt, ist über die Hälfte des Untersuchungsgebiets von hoher Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz. Dazu zählen der Großteil der Wälder (70% der Waldflächen erzielen nach der Bewertung die Stufe „hoch“), parkartige Bereiche, in denen Magerrasen und Magerwiesen nur noch als Fragmente oder gar nicht mehr vorkommen sowie überwiegend nicht mehr gepflegte/genutzte oder sehr kleine Brennen.

Zu den Bereichen mit mittlerer Bedeutung zählen zum einen parkartige Bereiche, in denen der parkartige Charakter bereits stark aufgelöst ist, wie sie südlich des Hohenlohe oder südwestlich des Gewanns „Heulacher“ vorkommen. Ferner sind als solche Waldbereiche bewertet, in denen Fichten-Reinbestände kleinflächig mit naturnahen Auwäldern wechseln oder in denen Fichten-Reinbestände in naturnahe Auwälder umgebaut werden bzw. größere Hybrid-Pappel-Pflanzungen. Zu dieser Gruppe zählen auch einige Baggerseen (Schafirrsee, Hammer-Weiher, Mühlhausener Weiher) und naturnahe Abschnitte des E-Grabens.

Die Flächen von mäßiger Bedeutung werden einmal von überwiegend ackerbaulich genutzten Bereichen, die hinsichtlich kleinerer Parzellengröße und dem Vorhandensein von Saumstrukturen für Arten der Feldflur zumindest als Ergänzungslebensräume geeignet sind. Ferner sind in dieser Kategorie größere Fichten- oder Kiefern-Reinbestände berücksichtigt. Bei den Bereichen mit untergeordneter Bedeutung handelt es sich um stark ausgeräumte Ackerlagen.

Landschaftsästhetische Bedeutung
Auch im Hinblick auf die landschaftsästhetische Bedeutung ist der Eichenwald sehr wertvoll. Über 2/3 der Fläche sind von hoher bzw. herausragender Bedeutung. Für die einzelnen Bewertungsstufen ergab die quantitative Auswertung:

 
 
 
Herausragende Bedeutung
Hohe Bedeutung

Mittlere Bedeutung

Mäßige Bedeutung

Untergeordnete Bedeutung

173 ha
709 ha
23 ha
159 ha
137 ha
14,4%
59,0%
1,9%
13,3%
11,4%
 
 

Kulturhistorische Bedeutung
Das Donautal ist seit jeher eine der Hauptlinien der Besiedelung Bayerns gewesen. Dies gilt nicht nur für die Pflanzen- und Tierwelt, die entlang dieser Achse über die untere Donau aus dem ungarischen Raum oder entlang der aus den Alpen kommenden Flüssen einwanderten. Auch der Mensch hat sich die günstigen naturräumlichen Bedingungen und die vorteilhafte Verkehrslage (die Flüsse waren die einzigen „Verkehrsadern“) schon seit vorgeschichtlicher Zeit nutzbar gemacht und sich außerhalb der überschwemmungsgefährdeten Auen auf den angrenzenden Hochterrassen niedergelassen und dort im Bereich der fruchtbaren Böden seine Siedlungen gegründet und seine Kult- und Begräbnisstätten errichtet. Die weit zurückreichende Landnutzung hat sich auch in spezifischen rechtlichen Regelungen für die Nutzung der früher in großem Umfang vorhandenen Allmenden bzw. in Gemeindebesitz befindlichen Flächen ausgeprägt. Sowohl die Spuren früherer Besiedelung wie auch diejenigen der früheren Nutzungsverhältnisse haben eine kulturhistorische Bedeutung und sind grundsätzlich erhaltenswert.

Die jüngere Auenstufe ist kulturhistorisch weitgehend ohne besondere Bedeutung, da hier die instabilen, durch die häufigen Überschwemmungen der unverbauten Donau verursachten Standortverhältnisse eine vor- und frühgeschichtliche Besiedelung nicht zuließen. Lediglich am Rande der Griesflächen im Übergangsbereich zu Flutrinnen bzw. Altwassern befinden sich Reste ehemaliger Niederwälder als Ausdruck der Allmendnutzung der vormals im Gemeinbesitz befindlichen Auenbereiche.

Die altbesiedelten Hochterrassen weisen dagegen in größeren Bereichen kulturhistorische Bedeutung auf. Hohen Wert haben Flächen, auf denen sich Hügelgräber, ausgedehnte parkartige Bereiche als Indizien für frühere Riedwiesennutzung und/oder Reliktbeständen der traditionellen Ausschlagnutzung befinden. Dies ist vor allem im zentralen Bereich und im nördlichen Randbereich des Untersuchungsgebietes „Gerolfinger Eichenwald“ der Fall.

 

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