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Grünflächenverbundsystem und Landschaftsplan in Ingolstadt 


Das Grünflächenverbundsystem der Stadt Ingolstadt wird von zwei Faktoren geprägt:

  1. Naturräumliche Gegebenheiten: Die Flussauen der Donau und von verschiedenen Bächen wie der Schutter, dem Mailinger Bach oder der Sandrach. Wie grüne Finger reichen die Gewässer mit begleitenden Wiesen- und Gehölzflächen in den Stadtraum hinein. Vor allem westlich der Stadt befinden sich an der Donau noch ausgedehnte Waldgebiete, darunter der Gerolfinger Eichenwald, eines der größten zusammenhängende Eichenwaldgebiete Europas, und bayernweit bedeutende Donau-Auwälder. 

  2.  Das Grünflächenverbundsystem basiert auf den ehemaligen Verteidigungs- und Festungsringen um die Stadt Ingolstadt.

    Den inneren ersten Grünring bildet das Glacis (Link zu Glacis). Dieses ehemalige Schussfeld durfte aus militärischen Gründen bis ca. 1900 nicht bebaut werden. Im 20. Jahrhundert war den Ingolstädtern dieser breite Grüngürtel bereits so wichtig geworden, dass er bis heute weitgehend erhalten geblieben ist. Das Glacis zieht sich auf einer Fläche von ca. 120 ha als „grüne Lunge“ um die gesamte Altstadt. Zwei besonders attraktive Parkflächen im Glacis sind der Klenzepark und der Bereich um den Künettegraben, in dem sich auf den Resten der Festungsbauten wertvolle Pflanzen und Tierbestände angesiedelt haben.

    Der zweite Grünring um Ingolstadt befindet sich ungefähr in einem Abstand von 2 bis 3 Kilometern Entfernung vom Zentrum der Altstadt. Seine Lage geht wie beim 1. Grünring, dem Glacis, auf militärische Ursprünge zurück und befindet sich im Bereich ehemaliger Vorwerke und Forts. Im 2. Grünring wurden in den vergangenen Jahren Stadtteilparks auf einer Fläche von ca. 50 ha angelegt. Ein Beispiel hierfür ist der Fort Haslang Park mit einer Größe von etwa 12 ha.

    Die beiden Grünringe werden durch die linearen Bach- und Flusstäler miteinander verbunden. Zusätzlich wird das Grünsystem durch eine Reihe von Stadtteilparks wie dem „Schwarzen Weg“ oder dem „Nordpark“ und durch zahlreiche Spielplätze ergänzt. Auch die Friedhöfe in Ingolstadt haben parkartigen Charakter und bilden Bausteine im Grünverbund der Stadt.

Schließlich soll hier noch das so genannte Lohenprogramm erwähnt werden. Die Wiederherstellung der ehemaligen Altarme der Donau (=Lohen), also hochwertiger Biotopstrukturen, im Süden der Stadt stärkt hier das Grünflächenverbundsystem in besonderer Weise.

Das Naherholungsangebot in Ingolstadt wird vervollständigt durch ein prämiertes Fuß- und Radwegenetz, durch eine modellhaft verkehrsberuhigte Innenstadt und durch zahlreiche Seen, ehemalige Kiesgruben, die im Sinne der Erholungsnutzung rekultiviert wurden.

Nicht zuletzt aus diesem Grund darf sich Ingolstadt zu Recht als eine der „grünsten Städte“ Bayerns bezeichnen.

Dazu trägt auch der 1996 vom Stadtrat beschlossene Flächennutzungsplan bei, in den der Landschaftsplan integriert worden ist. Die Ausweisung von Siedlungs-, Gewerbe- und Verkehrsflächen im Flächennutzungsplan bedeutet Flächenversiegelung und die Beeinträchtigung von Natur und Landschaft. Durch den Erhalt und die Entwicklung von Biotop- und Grünflächen an anderer Stelle können die Beeinträchtigungen kompensiert werden. Die Integration des Landschaftsplanes hat dataillierte Aussagen im Flächennutzungsplan zur Entwicklung von Natur und Landschaft möglich gemacht.

In einem ersten Schritt wurde ein landschaftsplanerisches Leitbild entwickelt. Grundgerüst dafür sind die oben genannten Grünringe, der Donauauwald, der Lohengürtel, die Talniederungen des Haunstädter und Mailinger Baches, sowie von Sandrach und Schutter. Diese Vorrangflächen für Natur und Landschaft wurden ergänzt durch Flächen für den Ressourcenschutz, wie zum Beispiel Wasserschutzgebiete.

In einem zweiten Schritt entstand aus dem landschaftsplanerischen Leitbild ein landschaftspflegerisches Entwicklungskonzept. Es besteht im Wesentlichen aus vier Teilelementen:

    • Darstellung der bestehenden und geplanten Erholungs- und Grünflächen  
    • Ein Schutzgebietskonzept für Natur und Landschaft  
    • Eine Bewertung der landwirtschaftlichen Nutzflächen für die Bedeutung von Naturhaushalt und Landschaftsbild sowie für die Eignung von Fördermaßnahmen zur Landschaftspflege und Erholungsvorsorge
    • Darstellung von detaillierten landschaftspflegerischen Einzelmaßnahmen

Der Schwerpunkt der Erholungs- und Grünflächen liegt in den beiden Grünringen. Das Glacis als erster Grünring wird mit seinen Biotop-, Wald- und seinen Parkflächen wie Luitpoldpark und Klenzepark als wichtiger innerstädtischer Erholungraum gesichert. Der zweite Grünring ist im Flächennutzungsplan mit einer Schraffur gekennzeichnet. Schwerpunktmäßig werden dort Erholungs- und Biotopflächen geschaffen. So entstanden in den letzten Jahren in diesem Bereich die Stadtteilparks 'Am Augraben' und der 'Fort-Haslang-Park', die Kleingartenanlage 'Am Schmalzbuckel' und der Spielpark 'Nordwest'.

Auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme und Kartierung sind sämtliche bestehenden Biotope im Flächennutzungsplan dargestellt. Auf Grundlage des Biotopbestandes und der naturräumlichen Gegebenheiten ist ein Schutzgebietskonzept mit landschafts- und naturschutzwürdigen Flächen entwickelt worden. Schwerpunkte des Konzeptes sind die Talniederungen der Fließgewässer, der Donauauwald, der Lohengürtel, das Glacis und der Ingolstädter Bereich des Donaumooses.

Für die landwirtschaftlichen Nutzflächen ist ein abgestuftes Bewertungskonzept verwirklicht worden. Neben den Flächen, die schwerpunktmäßig für die landwirtschaftliche Produktion erhalten bleiben sollen, sind auch landwirtschaftliche Flächen gekennzeichnet, die darüber hinaus eine Eignung zur Förderung von Maßnahmen der Landschaftspflege und Erholungsvorsorge besitzen. Eine weitere Kategorie von landwirtschaftlichen Nutzflächen hat eine besondere Bedeutung für Naturhaushalt und Landschaftsbild und eignet sich deshalb für eine Extensivierung der Bewirtschaftung. Auch ist es sinnvoll, die Ausgleichsflächen innerhalb der genannten Flächenkategorien zu verwirklichen. Seit dem Jahr 2001 sind die Kommunen verpflichtet, bei der Aufstellung von Bebauungsplänen die dadurch erfolgte Beeinträchtigung von Natur und Landschaft durch die Anlage von Ausgleichsflächen, zum Beispiel durch die Ansaat von Kräuterwiesen oder die Pflanzung von Feldgehölzen, zu kompensieren.

Als Besonderheit des Flächennutzungsplanes mit integriertem Landschaftsplan ist die Darstellung von detaillierten landschaftspflegerischen Einzelmaßnahmen anzusehen. Ein dreiteiliger Maßnahmencode legt fest, durch welche Art von Maßnahme ein bestimmtes Biotop entwickelt werden soll. Die Einzelmaßnahmen sollen für Investoren und Bauherren als Anregungen für die Umsetzung von naturschutzfachlichen Maßnahmen und der Neuanlage von Biotopen dienen. Im Rahmen der Durchführung des Lohenprogrammes sowie der Durchführung von Ausgleichsmaßnahmen sind schon eine erhebliche Anzahl dieser landschaftspflegerischen Einzelmaßnamen verwirklicht worden.

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