Die Fabeln des Aesop

AESOPUS
Vita et Fabulae – Ulm 1476

Ausstellung im Stadtmuseum Ingolstadt im Dezember 1998

Aesop

13. Dezember 1998 – 10. Januar 1999

Die Fabel

gehört zu den frühesten literarischen Äußerungen der Menschheit. Wegweisende Bedeutung erlangten die auf den griechischen Sklaven Aesop (6. Jahrhundert v Chr.) zurückgehenden Tierfabeln. Aesop erreichte von seinem Herrn die Freiheit, als dieser erkannte, daß Aesop ihm an Klugheit weit überlegen war.

Das aus der Antike überlieferte aesopische Fabelgut war in den mittelalterlichen Klosterschulen ein beliebter Lesestoff. Ein wichtiger Teil unserer Kultur sind Aesops Fabeln bis heute geblieben und die Lebensweisheiten der Fabeln haben auch in unserer Zeit ihre Gültigkeit nicht verloren.

Die Erfindung des Buchdrucks

förderte die Verbreitung. Unzählige Ausgaben der Aesop-Fabeln erschienen im Mittelalter, aber unerreicht blieb Heinrich Steinhöwels 1476 in Ulm erschienener Aesop, der wegen seiner zauberhaften Holzschnitt-Illustrationen als

„Eines der schönsten deutschen Bücher aller Zeiten“

gilt. Dieser sogenannte „Ulmer Aesop“ enthält alle damals bekannten Aesop-Fabeln. Ihre Berühmtheit verdankt diese prachtvolle Ausgabe den über 190 zauberhaften Holzschnitt-Illustrationen, die von der Fachwelt dem Meister des Ulmer Chorgestühls, Jörg Syrlin d. Ä., zugeschrieben werden. Besonders reizvoll ist, daß Steinhöwel dem lateinischen Text gleich seine (auch heute noch verständlich lesbare) deutsche Übersetzung folgen läßt.

Zahlreiche Nachdrucke

dieses „Ulmer Aesop“ erschienen in ganz Europa, aber keiner dieser Nachdrucke erreichte mehr die künstlerische Vollkommenheit der Ulmer Ausgabe. Die künstlerische Qualität des Ulmer Holzschnitts war der zeitgenössischen Konkurrenz so überlegen, daß seine stilprägende Wirkung bis ins 16. Jahrhundert hinein anhielt.

Die Ausstellung

zeigt zahlreiche zauberhafte Holzschnitte aus der Faksimile-Edition des „Ulmer Aesop“, aber auch Beispiele, wie im 17. und 18. Jahrhundert die Neubelebung der aesopischen Fabelmotive durch La Fontaine (1621 – 1695) und Lessing (1729 – 1781) in ganz unterschiedlicher Auffassung gelang. Goethe (1749 – 1832) lehnt die lehrhafte Tendenz der Fabel ab. Im „Reineke Fuchs“ gestaltet er den Fabelstoff zur Großform des Tierepos.

Ausführliche Erläuterungen

zur Fabelgeschichte und zu den Illustrationen machen diese Ausstellung zu einem Spaziergang in die literarische Vergangenheit. Lassen Sie sich für einige Momente verzaubern und ins Reich der Fabel versetzen.

Weitere Informationen:

Externer LinkKurt Scheuerer – AESOPUS Vita et Fabulae

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