Das Kriegsgefangenenlager Ingolstadt während des Ersten Weltkriegs

Entdeckung eines Stücks europäischer Geschichte

Kriegsgefangene

25. Juli – 31. August 1999

(Stadtmuseum Ingolstadt)

Öffnungszeiten:

Di – Sa 9 – 18 Uhr,
So 10 – 17 Uhr

Preis:
Eintritt: 6 DM
ermäßigt: 3 DM

Führungen:
jeden Sonntag 11 Uhr und
nach Voranmeldung
Führungsgebühr pro Person: 2 DM

Während der Zweite Weltkrieg aus naheliegenden historischen und psychologischen Gründen von der Forschung umfassend aufgearbeitet worden ist, sind viele Aspekte des Ersten Weltkrieges bis heute unbekannt. Unbestritten ist, daß dieser Krieg eine der entscheidenden Zäsuren des 20. Jahrhunderts darstellte.

Die „industrialisierten“ Dimensionen dieses Krieges werden beispielhaft durch einige Zahlen veranschaulicht: Insgesamt wurden über 74.000.000 Soldaten mobilisiert, von denen 9.500.000 den Tod fanden, 20.000.000 schwer verwundet wurden, 8.000.000 als Kriegsinvaliden in die Heimat zurückkehrten und zwischen 7.500.000 und 8.000.000 in Kriegsgefangenschaft gerieten.

Gefangene Soldaten
Lageransicht

Das Schicksal der Kriegsgefangenen findet immer mehr das Interesse der Forschung. Allein im Deutschen Reich waren etwa 2.500.000 Männer, Frauen und Kinder in knapp 200 Lagern interniert. Der Alltag dieser Menschen soll im Rahmen dieser Ausstellung exemplarisch am Kriegsgefangenenlager Ingolstadt dargestellt werden.

Wie wurden sie behandelt? Wie wurden sie von den Deutschen gesehen? Wie erlebten sie selbst ihre Gefangenschaft?

Im Kriegsgefangenenlager Ingolstadt waren zeitweise knapp 10.000 Menschen in und um die Stadt interniert, in der zu Kriegsbeginn ca. 25.000, später infolge der Kriegskonjunktur 50.000 Menschen lebten.

Neben den unmittelbaren Aspekten des Alltags, wie z. B. Unterbringung oder Verpflegung, geht es auch um die psychologischen Folgen der Kriegsgefangenschaft: eine völlig neue Krankheit, die „Stacheldrahtpsychose“ entstand.

Ihr versuchte man von deutscher Seite u. a. durch die Einrichtung von Theatern, Bibliotheken und Sportmöglichkeiten in den Lagern zu begegnen. Sie diente auch, neben dem Verweis auf die wirtschaftliche Notwendigkeit, als Argument für die umfassende Heranziehung der Kriegsgefangenen zu Arbeiten in und außerhalb der Lager.

 

Prisonnitis
Karikatur

Durch die Internierung der französischen Offiziere Charles de Gaulle sowie Jean-Julien Lemordant und des russischen Offiziers Michail Tuchatschewski offenbart sich die Dimension der europäischen Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Ingolstadt.

Diese später herausragenden Persönlichkeiten stehen stellvertretend für die Vielzahl von Schicksalen anderer Kriegsgefangener, deren Erlebnisse und Erfahrungen sich heute nicht mehr rekonstruieren lassen.

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