Ingolstadt – Vom Werden einer Stadt – Geschichten und Gesichter

Eine Ausstellung von Stadtmuseum, Deutschem Medizinhistorischen Museum und Bayerischem Armeemuseum im Klenzepark

Kulturwut

5. Mai – 3. September 2000

Reithalle: Herzogs- und Universitätsstadt
Reduit Tilly: Festungsstadt
Exerzierhaus: Industriestadt

Öffnungszeiten:
Reithalle und Exerzierhaus:
Di – Sa 10 – 17 Uhr
So 10 – 19 Uhr

Reduit Tilly:
Di – So 8.45 – 16.30 Uhr

Eintrittspreise:
Kombikarte für alle Ausstellungsteile (Reithalle und Exerzierhaus, Reduit Tilly): 6,– DM/3,– DM Reithalle und Exerzierhaus: 5,– DM/2,50 DM

Führungen:
jeden Sonntag um 11 Uhr und 15 Uhr

Kinderführungen:
jeden Samstag um 15 Uhr oder nach Vereinbarung: Tel. 08 41/3 05-18 85. Führungsgebühr: 2,– DM pro Person

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

Ingolstadts Anfänge liegen im schriftlichen Dunkel, eine erste offizielle urkundliche Erwähnung findet sich im Testament Karls des Großen aus dem Jahr 806. Archäologische Ausgrabungen weisen Besiedelungen schon vor dem 13. Jahrhundert nach, während die schriftlichen Quellen schweigen. Die Ausstellung „Vom Werden einer Stadt“ begibt sich auf Spurensuche und zeichnet den Weg Ingolstadts vom karolingischen Kammergut über die herzoglich-wittelsbachische Haupt- und Residenzstadt bis hin zur modernen Industriestadt nach.

Herzogsstadt

Ingolstadt zählte zu den herausragenden Städten des bayerischen Herzogtums und wurde im 13. Jahrhundert zur Stadt erhoben. Die Landesteilung von 1392 schuf das Herzogtum Bayern-Ingolstadt und hatte in der Person Herzog Ludwigs des Gebarteten seinen prächtigsten Vertreter. Die Bürger der Stadt erlebten die Bautätigkeit ihres Herzogs vor allem an zwei großen Baustellen: das Münster zur Schönen Unserer Lieben Frau und das Neue Schloß. Sie lebten nun in einer Haupt- und Residenzstadt und profitierten vom gestiegenen Lebensstandard. Alltag und Festtag der Bürger, Glanz und Elend der Landesherren stehen den neuen Einwohnern der Stadt und deren Lebensweg gegenüber: der Universität.

Universitätsstadt

Im Jahr 1472 gründete Herzog Ludwig der Reiche die Hohe Schule. An der ersten Bayerischen Landesuniversität lehrten berühmte Professoren, es entstand ein Zentrum an Gelehrsamkeit von europäischem Rang. Die Stadt tat sich gleichwohl schwer, die internationale Besetzung der Universität in ihr Rechtsgefüge einzuordnen. Das spannungsvolle Verhältnis der Hohen Schule zu den Bürgern ist ein großes Thema der Ausstellung, die in der Reithalle zu sehen ist.!

Die Hohe Schule in Ingolstadt war die erste Landesuniversität in Bayern

Das Denkmal für das Königlich Bayerische Ingenieurkorps vor dem Reduit Tilly macht die besonders enge Verbindung der technischen Truppen zu Ingolstadt deutlich.

Festungsstadt

Der Ausbau der Stadt zur Festung der bayerischen Herzöge begann bereits im 15. Jahrhundert, manifest wurde er im 16. Jahrhundert, als Graf  Solms zu Münzenberg mit dem Bau einer modernen Festung beauftragt wurde. Der 30-jährige Krieg verdeutlichte die wichtige Stellung Ingolstadts im bayerischen Herrschaftsgefüge. 1800 wurden die Festungswerke geschleift, unter König Ludwig I. begann der Bau der zentralen Landesfestung, die bis Ende des 19. Jahrhunderts noch erweitert wurde. Die Stadt wurde wie keine andere städtebaulich wie wirtschaftlich von der Bayerischen Armee geprägt. Die Bürger definieren sich zwar bis heute als „Schanzer“, aber die Entwicklung der Stadt und ihrer Institutionen trat hinter den militärischen Prioritäten zurück. In den Ausstellungsräumen des Reduit Tilly findet dieser wichtige Aspekt der Ingolstädter Geschichte seinen Platz.

Industriestadt

Die Geschichte der Industrie in Ingolstadt hat ihre Wurzeln in der langen handwerklichen Tradition des Raumes. Die Festung Ingolstadt wurde zu Beginn des 19. Jahrhundert zu einer Großbaustelle. Sie beeinflusste und prägte die weitere wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Stadt nachhaltig. Die industrielle Produktion stand zur Gänze unter militärischem Vorzeichen. Ein neuer Bürgertypus entstand: die Arbeiter. Sie prägten das neue Gesicht Ingolstadts. Ein gravierender Einschnitt in die wirtschaftliche Entwicklung erfolgte nach Ende des 1. Weltkrieges durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages. Die Stadt stand vor einer fast unlösbaren Aufgabe: die Massenarbeitslosigkeit. Ihre Bürger sahen sich einer wirtschaftlichen Katastrophe gegenüber, es herrschte Hunger, Mangel an fast allem. Die Rüstungsindustrie stellte auf zivile Produktion um und gewann mit der „DespAG“ einen neuen Produktionszweig: Spinnereimaschinen. Die weitere Entwicklung der industriellen Produktion führte von der Wiederaufnahme der Rüstungsgüterherstellung bis hin zu den modernen Industriezweigen Automobil und Raffinerie. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges emanzipiert sich Ingolstadt von der einstigen Schanz hin zu einer modernen Großstadt.

Kavalier Dallwigk mit Wasserturm, ehemaliges Gießereigelände

Weitere Informationen:

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