Kleine Dorfwelten

Dorfgeschichte im Guckkasten: Miniaturen von Clemens Nißl

26. Mai – 31. Oktober 2005

Bauerngerätemuseum Ingolstadt

„Dioramen“, dreidimensionale Bilder von plastischer Wirkung, kennen wir vor allem in Form der Schlachtenbilder: aufgestellt in Reih und Glied stehen sich die gegnerischen Zinnsoldaten in einer dem historischen Schlachtfeld nachgebauten Miniaturlandschaft gegenüber.

Clemens Nißl, 1932 in Gerolfing bei Ingolstadt geboren und heute in Obereichstätt lebend, baut seit rund 30 Jahren Dioramen. Auch bei ihm spielen die Zinnsoldaten eine wichtige Rolle, sein Hauptaugenmerk aber gilt einem anderen Thema: Aufgewachsen auf einem Bauernhof hat ihn das Interesse am dörflichen Milieu, am Leben und Arbeiten der Bauern nie losgelassen, auch nicht während seines späteren Berufes als Eisenbahner. Also begann er, Szenen des dörflichen Alltagslebens nachzubauen, gestützt auf eigene Erinnerung, auf die Erzählungen der Alten oder, für die frühere Zeit, auf die Lektüre von Geschichtsbüchern. Sein geschichtliches Interesse führte ihn in immer frühere Zeiten zurück und zu immer neuen historischen Ereignissen. So entstand im Laufe der Jahre nichts weniger als ein bildhafter Längsschnitt durch die Geschichte von Landwirtschaft und dörflichem Leben.

Mit gestalterischer Fantasie, künstlerisch-handwerklicher Begabung und schier unendlicher Geduld gelangen ihm Bilder von spontaner Lebendigkeit und faszinierender Anschaulichkeit. Vielfach hat Nißl die Geschichten, die er erzählt, in die topographische und bauliche Situation seines Geburtsortes Gerolfing versetzt, bisweilen auch in jene seiner zweiten Heimat im Altmühltal.

Inzwischen gibt es mehr als 100 Dioramen aus seiner Hand. 30 dieser „Guckkästen in die Geschichte“ sind nun in Hundszell ausgestellt. Präsentiert als eingebaute Schaukästen können sie ganz ihre plastische Wirkung entfalten. Die ausgewählten Dioramen zeichnen die großen Linien der bäuerlichen Geschichte nach, von der Vor- und Frühgeschichte des Ackerbaus bis in die Gegenwart – ein Bilderbogen der Agrargeschichte und der dörflichen Entwicklung. Ergänzt sind die Schaubilder durch einzelne originale Zeugnisse aus drei Jahrtausenden Landwirtschaft im Raum Ingolstadt.

Für Schulklassen wurde ein eigenes museumspädagogisches Aktionsprogramm zu dieser Ausstellung entwickelt.

Miniatur

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