Mit den Augen der Künstler

Motive und Ansichten von Ingolstadt aus fünf Jahrhunderten

Mit den Augen der Künstler

2. Februar 2006 – 17. April 2006

(Stadtmuseum Ingolstadt)

Ingolstadt erinnert in diesem Jahr daran, dass vor 1200 Jahren die „villa Ingoldesstat“ in der Reichsteilungsurkunde Karls des Großen genannt wurde. Die geschichtliche Überlieferung zeichnet den Weg des Kammergutes als Besitz des Klosters Niederaltaich nach. Die weitere Entwicklung führt zur Gründung der Stadt unter den Wittelsbacher Herzögen im 13. Jahrhundert, zur Universitätsstadt seit dem 15. Jahrhundert, zur Festungsstadt seit dem 16. Jahrhundert und zur Industriestadt seit dem 19. Jahrhundert. Ingolstadt wird im ausgehenden 20. Jahrhundert Großstadt. Die wirtschaftliche Entwicklung betont nach 1945 die Automobilherstellung und die Ansiedlung von Raffinerien. Erst spät gelingt es der Stadt, die historischen und kulturellen Aspekte des städtischen Lebens stärker zu akzentuieren.

In der Ausstellung „Mit den Augen der Künstler“ präsentiert das Stadtmuseum eine besondere Form der Stadtgeschichte: Stadtansichten oder Veduten aus fünf Jahrhunderten.

Historische Stadtansicht
Historische Ansicht des Kreuztors

Allgemeine Entwicklung

Stadtansichten gibt es bis ins späte Mittelalter zumeist in symbolisch-allegorischer Form. Die ersten authentischen Ansichten finden sich als Hintergrund biblischer Motive in der altniederländischen und altfranzösischen Malerei zu Beginn des 15. Jahrhunderts. In Italien entwickeln sich Landschaftsdarstellungen selbständig weiter. Stadt- und Landschaftsansichten werden zu einem lukrativen Geschäft. Bekannt und weit verbreitet sind die Stiche von Matthäus Merian. Neben diesen zuweilen akademisch und geglättet wirkenden Prospekten entsteht bereits im 17. Jahrhundert eine gegenläufige Entwicklung, die Skizze, das flüchtige Bild gewinnt an Bedeutung. Grundlegende Veränderungen erfahren die Stadtansichten im Laufe des 19. Jahrhunderts: Das wachsende romantische Interesse und vor allem die neuen Reproduktionstechniken (Stahlstich, Lithographie) bewirken einen sprunghaften Anstieg der Produktion. Die Popularisierung des Genres wird begleitet von den Anforderungen des zunehmenden Fremdenverkehrs. Stadtansichten werden zum erschwinglichen touristischen Souvenir, vor allem am Rhein und in den Alpen. Das bedeutet zugleich den Verzicht der topographisch genauen Darstellung.

Ingolstadt in fünf Jahrhunderten

Die älteste erhaltene Ansicht Ingolstadts datiert aus dem Jahr 1519 und ist als Federzeichnung überliefert. Der Künstler hat wohl vor Ort skizziert, die topographische Genauigkeit ist augenfällig. In der Überlieferung der Karthographie ist Philipp Apian, Professor an der Ingolstädter Universität im 16. Jahrhundert, maßgebend. Überliefert sind die Bairischen Landtafeln.

Stadtansichten des 17. und 18. Jahrhunderts zeichnen die Stadtsilhouette topographisch ungenau, die Künstler haben meist nicht vor Ort gesessen. Der Verlag von Matthäus Merian und der Kupferstecher Michael Wening prägen über ein Jahrhundert auch die Ingolstädter Veduten. Ausnahmen bilden die Stadtansichten, die sich auf politische Ereignisse beziehen, wie z B. von Ulrich Windberger anlässlich der Belagerung des Jahres 1632.

Spätestens im 19. Jahrhundert verändert sich Anspruch und Form der Stadtansichten, die moderne Technik hält Einzug, die Genauigkeit nimmt zu. Immer mehr Platz wird dem Detail, der Szene in den Straßen eingeräumt. Das 20. Jahrhundert zeigt eine vollständig offene Entwicklung aller Stilrichtungen, die Stadtansicht wird zur Kulisse.

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