Flyer Mahnmal Erinnerungsorte Museum

Mahnmal – Erinnerungsorte - Museum

Erläuterungen, künstlerisches Konzept

Eine Gedenkstätte im Luitpoldpark mit Verbindung in die Stadt und das Stadtmuseum.

Flyer Mahnmal Erinnerungsorte Museum (PDF, 2,43 MB)

Gedenkstätte im Klenzepark

Die blauen Stelen im Luitpoldpark

Es wurden neun blaue Stelen in loser Gruppierung aufgestellt. In den Stelen sind Fotos Ingolstädter Bürger montiert, die im Nationalsozialismus verfolgt und teilweise auch ermordet wurden. Die Fotos sind im Ruhezustand nicht beleuchtet. Blitzlicht und kurzzeitige Beleuchtung eines Fotos werden nur ausgelöst, wenn jemand hingeht, davorsteht, also sich damit beschäftigt. Denn

  • Erinnern, Trauern, Mahnen... kann nur jeder Einzelne,
  • dann wird den Verfolgten und Ermordeten in der Stadt wieder ein Platz gegeben,
  • dann kann es eine Wirkung in die Zukunft geben.

Die Stelen sind bewusst in keine strenge Form der Anordnung gebracht, um den „politischen, weltanschaulichen und historischen Unterschieden" der Menschen, die zu Verfolgten und Opfern wurden, gerecht zu werden.

Stelen in der Stadt

In der Stadt und am Auwaldsee

Die Plätze nehmen Bezug auf die Biografie des Dargestellten: vor der ehemaligen Synagoge, am sozialen Rathaus, am Platz vor der Franziskanerbasilika und am Paradeplatz.

Weiterführung des Konzepts im Stadtmuseum

Die abgebildeten Personen werden wieder dargestellt und benannt. Ihre Lebensgeschichte wird exemplarisch aufgezeigt. Entstanden sind Lebensbilder aus den überlieferten Dokumenten der einzelnen Personen.
Im Stadtmuseum Ingolstadt wurde mit der Eröffnung der Zeitgeschichtlichen Abteilung ab 1800 der Erinnerungsort Museum als Fortführung des Mahnmals definiert. Die anonymisierten Bilder der Opfer des Nationalsozialismus sind in ihren Lebensbildern erfahrbar. Die Besucherinnen und Besucher des Museums erleben das Schicksal dieser Menschen in ihrem historischen Kontext der Stadtgeschichte Ingolstadts, der Festungs- und Industriegeschichte.

Stelen im Museum

Virtueller Rundgang

Stelen im Museum

  • Dr. Rafael Luchs - Jüdischer Bürger, Stabsarzt, ab 1914 in Ingolstadt bis 10.11.1938, ✡ 1941 Augsburg, Tod vor Deportation
  • Hedwig Hubert - Jüdische Bürgerin, von 1917 bis 10.11.1938 in Ingolstadt, ✡ 10.11.1938, Ingolstadt
  • Berta Sämann - Jüdische Bürgerin, von 1929 bis 10.11.1938 in Ingolstadt, ✡ 1942 Theresienstadt, ermordet
  • Jan Pajak - Fremdarbeiter, von 1939 bis 1942 in Ingolstadt, + 1942 in München, Hinrichtung
  • Thomas Reißner - Soldat, 1944 im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Manching, + 1944 Auwaldsee Ingolstadt, Hinrichtung
  • Georg Stippel - Ernster Bibelforscher, von 1902 bis 1935 in Manching, + 1940 Tod in Mauthausen
  • Jakob Kraus - Mitglied der KPD, von 1904 bis 1930 in Ingolstadt, + 1943 Stuttgart, Polizeigefängnis
  • Anna K. - Bürgerin, von 1935 bis 1968 in Ingolstadt, 1939 zur Sterilisation gezwungen
  • Jakob Leiter - Jüdischer Bürger, von 1920 bis 10.11.1938 in Ingolstadt, ✡ 1944  Auschwitz, ermordet
  • Georg Oberhäußer - Gewerkschaftsmitglied, von 1905 bis 1968 in Ingolstadt, Berufsverbot, im KZ Dachau 1933 und 1944
  • Johann Landgraf - Pfarrer in Kösching von 1941 bis 1942, 1942 bis 1945 im KZ Dachau
  • Josef Strobl - Mitglied der SPD, von 1916 bis 1965 in Ingolstadt, 1933-43 strafversetzt, 1933 und 1944 im KZ Dachau
  • Johann Pommer Soldat, 1945 im Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis Manching + 1945 Auwaldsee Ingolstadt, Hinrichtung
Lageplan des neuen Mahnmals

Das Denkmalensemble des Ehrenmals

Die vorhandenen Denkmalteile wurden zusammen mit dem Treppenpodest der Nagelsäule entlang einer gedachten Linie aufgebaut, in der chronologischen Folge ihres Entstehens. Alle Teile des bisherigen Denkmalensembles wurden in die neue Anordnung übernommen.
Dadurch wird der Blick auch auf die Veränderung der Absicht und Aufgabe von Denkmalen gelenkt und die Achtung der zum Teil zu Beginn des Jahrhunderts entstandenen Objekte dargelegt.
Die Gratwanderung zwischen Geschichte und der Wirkung/Funktion als Denkmal ist thematisiert in den Ergänzungen, Umwandlungen.

Nagelsäule

Nagelsäulenpodest

Die sogenannte Nagelsäule wurde 1916 aufgestellt.
Die Öffnung, in der früher die Säule stand, wurde mit geschmiedeten Nägeln aufgefüllt und mit Glas abgedeckt.

Liegesteine

Liegesteine

Die Liegesteine tragen Gedenkinschriften an militärische Einheiten des Ersten und des Zweiten Weltkriegs.
Sie wurden ergänzt durch einen Stein, der aus Israel kommt und an die jüdischen Soldaten des ersten Weltkriegs erinnert, von denen viele in Ingolstadt stationiert waren und von denen über 230 namentlich bekannte im Nationalsozialismus ermordet wurden.

Sitz- und Denkmauer

Sitz- und Denkmauer

Aus den Akten des Stadtarchivs geht hervor, dass als Grundlage für das Artillerie- und Brigadedenkmal abgebrochene Steinquader von der Festung verwendet wurden.
Alle verwendbaren Steine (Mauer des Artilleriedenkmals, Stufen, Sockel der Löwen mit Ausnahme der Inschriftteile) wurden zu einer niedrigen Mauer umgeformt, die zum Sitzen und Nachdenken einlädt.

Zusammenfassung, Struktur

Der Kern ist die Gedenkstätte im Luitpoldpark. Das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus wirkt in die Stadt hinein, durch

  • Aufstellung von Stelen auf Plätzen in der Stadt
  • die Umsetzung im Stadtmuseum.

Quelle: Mahnmal – Erinnerungsort – Museum. Dokumentation zum Denkmal von Dagmar Pachtner, Ingolstadt 1998/99.