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Mark Bankus
Frühe und mittlere Bronzezeit
in Stichworten zitiert von Kurt Scheuerer

 

Planmäßiger Erzabbau in den Nordalpen

Wandel im Ackerbau und in der Viehhaltung; Bedeutungsverlust der Jagd.
Die älterfrühbronzezeitlichen Hockerflachgräber beginnen etwa im 23. Jh. v.Chr., sie beinhalten Kupferblech-Schmuck.
Die jüngeren frühbronzezeitlichen Prunkbestattungen beginnen etwa im 20. oder 19. Jh., jetzt ist Bronzeguß die Regel.
Die Wende zur Mittelbronzezeit liegt im 16. Jh. v.Chr.

Bestattungssitten und Grabbau

Es bilden sich Grabsittenkreise heraus.
In der »Straubinger Kultur« werden die Männer in Hockerflachgräbern linksseitig mit dem Kopf im N bis O, die Frauen rechtsseitig mit dem Kopf im S bis W bestattet. Ein Dolch bei den Männern, Haubenschmuck aus einem Blechband bei Frauen. Dazu Keramikgefäße.
In Südwestdeutschland und der Schweiz plattenumschlossene Gräber in gestreckter Rückenlage.
Im Ries Mehrfachbestattungen in steinernen Grabanlagen.

Alle südbayerischen frühbronzezeitlichen Flachgräber-Nekropolen brechen ab, in der Mittelbronzezeit erscheinen nur noch Hügelgräber.
In Königsbrunn jedoch kontinuierliche Belegung von der frühen bis zur mittleren Bronzezeit.
In der Mittelbronzezeit gestreckte Körperbestattung, jedoch auch Brandbestattungen, wohl von karpatenländischen Kulturgruppen übernommen.
Zum Teil wurde erst nach der Bestattung mehrerer Toter ein Hügel über deren Gräber errichtet.
Frauen tragen Nadeln und Schmuck, Männer werden mit Dolch, Beil und Nadel bestattet.

Deponierungen und Opferplätze

In der Frühbronzezeit finden sich viele Fertigwarendepots wie der Fund von Menning.
Am Nordalpenrand finden sich Rohwarendepots mit Ösen- oder Spangenbarren.
"Vollgriff- und Stabdolche finden sich in Bayern nur als Einzel- und äußerst selten als Mehrstückdeponierungen in Gewässern oder auf feuchtem Grund, jedoch niemals in Gräbern oder Siedlungen. Diese Besonderheit dürfte den symbolischen, zeremoniellen und weniger praktischen Inhalt dieser Objekte hervorheben. Die Mehrstückdeponierungen der jüngeren Früh- und älteren Mittelbronzezeit hingegen sind mehr durch Brucherz geprägt".
"In der entwickelten Mittelbronzezeit wiederum finden sich massiert Einzeldeponierungen in Form von Schwertern, die selten in die zeitgleichen Gräber gelangten, oder Nadeln in Flüssen und Mooren - wahrscheinlich damals noch flache Gewässer, die erst später vermoorten."
Wahrscheinlich »Opfer«, weniger Verlustfunde.

"Ab der Mittelbronzezeit kennt man sogenannte Brandopferplätze. Kennzeichnend für sie sind Anhäufungen von kalzinierten Tierknochen, verbrannten Scherben und Holzkohle."
In der Schwäbischen und Fränkischen Alb gibt es Funde aus Schachthöhlen (menschliche und tierische Skelette, Schmuck, Gerät und Gefäße) und von Felstürmen (Keramik, verbrannte Tierknochen und Bronzen wurden von oben hinabgeworfen).
Wohl eher Opferplätze als Siedlungshinterlassenschaften.

Siedlungswesen, Hausbau und landwirtschaftliche Aspekte

Langhäuser in der älteren Frühbronzezeit, 4 bis 8 m breit und 20-25 m (bis extrem 61 m) lang.
Sie "sind durchweg zweischiffige Pfostenbauten meist mit konvexen Längsseiten.
Ihre Ausrichtung ist in allen Fällen etwa N-S."
Modell der BZ-Wohnhäuser von Zuchering-Süd Zuchering-Süd, frühbronzezeitliche Befunde


 

Die Wohnhäuser von Zuchering-Süd entsprechen der jüngeren Früh- bzw. älteren Mittelbronzezeit.
Hinter den Häusern verlief ein kleiner Bach, der Boden fiel zu diesem hin etwas ab.
Ein vorgeschichtlicher Brunnen ist nicht aufgetreten.
Die Siedlung befindet sich in der Grenzertragslage für Getreidebau, dies ließ "nur bedingt Ackerbau und Schweinehaltung zu, so daß sich die Siedler anscheinend deshalb v.a. auf die Haltung von Wiederkäuern verlegt haben."

"In der Mittelbronzezeit finden sich häufiger Grubenhäuser und kleinräumige Pfostenbauten...
Ab der späten Frühbronzezeit bzw. der älteren Mittelbronzezeit werden sehr häufig Höhensiedlungen besonders am Rande eines Flußtales ... angelegt.
... Erstaunlich ist die Metallarmut bronzezeitlicher Siedlungen im Vergleich zu denen der nachfolgenden Urnenfelderzeit."

Die Nahrungsgrundlagen

Pflanzenanbau

"Die spätestens seit dem Endneolithikum in Süddeutschland bekannten Kulturpflanzen Gerste und Dinkel wurden die wichtigsten Getreidearten in der Bronzezeit.
Nach Ausweis der Unkräuter in den Getreidevorräten wurde Dinkel als Wintergetreide, Gerste hingegen als Sommergetreide angebaut.
Im Gegenzug dienten die ertragsärmeren Getreidepflanzen Einkorn und Emmer im Vergleich zum Neolithikum seltener der Ernährung."

Viehhaltung und Jagd

Untersuchung der Tierknochen von Zuchering.
"Dem Rind kommt mit mehr als 90% des Gesamtgewichts sowohl in der Individuenzahl als auch bei der Fleischversorgung die größte Bedeutung zu; das oft adulte Schlachtalter der Tiere weist aber auch auf Nutzung des Rindes als Arbeitstier und Milchlieferant hin.
Bei den kleineren Wiederkäuern, die einen weitaus geringeren Anteil am Knochenmaterial haben (6% Gew.), herrscht das Schaf vor, aber auch die Haltung von Ziegen vielleicht der Mich wegen ist belegt."
Wenig Schweine, einige Hunde.
Widerristhöhe der Rinder etwa 110 cm.
Das Wollschaf "wurde vermutlich im Spätneolithikum in Mitteleuropa eingeführt und ersetzte allmählich das herkömmliche Haarschaf."
"Jagd spielte für die bronzezeitliche Ernährung nur noch eine unbedeutende Rolle."


Mark Bankus
in: Archäologie um Ingolstadt. Kipfenberg 1995. S. 53-88.
Der Aufsatz widmet sich sehr ausführlich den Hausformen der Zucheringer BZ-Siedlung, S. 60-82.

siehe auch:

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