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Gerd Riedel:
Die römische Wassermühle bei Etting

 
Nordöstlich der Ortschaft Etting liegt einer der größten bekannten römischen Gutshöfe der Limesregion an der römischen Straßenverbindung zwischen dem vicus Scuttarensium in Nassenfels und dem Alenkastell Germanicum-Kösching. Die Villa rustica wird von der Trasse der neuen Ortsumgehung Etting und der parallel dazu laufenden ICE-Neubaustrecke Ingolstadt-Nürnberg durchschnitten. Innerhalb des 3,3 Hektar großen, von einer Mauer umschlossenen Hofareals wurden bisher acht von insgesamt 18 durch Prospektion nachgewiesene Gebäude untersucht, darunter zahlreiche Speicherbauten und eine Darre.
Die Ausgrabungen im Bereich der Trasse der Ortsumgehung Etting werden im Auftrag der Stadt Ingolstadt von der Firma ProArch GmbH durchgeführt unter wissenschaftlicher Begleitung durch die Römisch-Germanische Konunission, die in Ingolstadt eine Forschungsstelle unterhält. Der erfolgreiche Abschluß der Untersuchung und Bergung dieses außergewöhnlichen archäologischen Befundes war nur möglich durch das große Engagement der Stadt Ingolstadt und der Grabungsmannschaft vor Ort.

Mühlteich. Foto: Kurt Scheuerer

Ende April dieses Jahres entdeckte man am westlichen Rand des Hofareals, in einer feuchten Senke eine 14 Meter lange und knapp drei Meter breite, sehr gut erhaltene kastenförmige Holzkonstruktion. Diese vollständig geborgene Anlage ist Bestandteil einer über hundert Meter langen, aufwendigen wassertechnischen Anlage, die zum Betrieb einer Getreidemühle in der Zeit nach 156 n.Chr. erbaut worden war.
Vor kurzem konnte mit der Freilegung und Bergung des hölzernen Wassersammlers am Ausgangspunkt des Mühlengerinnes die Untersuchung vor Ort abgeschlossen werden. In der Umgebung fand man zahlreiche Bruchstücke von großen Mühlsteinen des Mahlwerks.

Die Datierung in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus liefert eine erste dendrochronologische Untersuchung durch Herrn Herzig (Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München).

Mit dem Abschluß der Grabungen in der Ettinger Mühle beginnt die Auswertung des archäologischen Befundes, der zahlreichen Funde und der Proben, die für archäobotanische, sedimentologische und weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen genommen wurden.

Gerd Riedel, iz. 19.08.1999


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