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Hafnerei-Ausstellung im Stadtmuseum Ingolstadt 2010
Das Handwerkszeug

 
Die Gruben wurden nach der Aufgabe der Werkstatt mit allerlei Handwerkszeug des letzten Hafners und seinen Erzeugnissen in allen Zwischenstufen des Herstellungsprozesses aufgefüllt, ein einzigartiger Fundus zur spätmittelalterlichen Keramikherstellung. Wenn man unter Werkstattabfall in der Regel die misslungenen oder zu Bruch gegangenen Erzeugnisse oder auch Model versteht, hat man in der Konviktstraße den glücklichen Umstand einer vollständigen Werkstattauflösung.

Den Bildhauern des 15. Jahrhunderts ermöglichte der weiche, gut formbare Ton die Darstellung feiner Gewandstrukturen und Faltenwürfe, Frisuren und Bärte sowie eine ausgewogene Oberflächenwirkung. Um die Feinheit der vorliegenden Erzeugnisse zu erzielen, waren zahlreiche Arbeitsschritte mit entsprechenden Werkzeugen Voraussetzung.

Foto: Kurt Scheuerer

Zum Eintiefen von Kerben, Rillen, Höhlungen und zur Ausformung kleiner Details dienten dem "Künstler" Modellierwerkzeuge. Zu den relativ einfach hergestellten Geräten zählt die gebogene Geweihstange mit zusätzlich zur Schneide gespitztem Ende. Damit konnten überschüssiges Material abgenommen und gerade Kanten an Rahmen oder Gewandfalten gezogen werden.
Ein aus Bein gefertigtes, einer Reißnadel ähnliches Werkzeug weist an einem Ende eine zentrale Bohrung in Längsrichtung zur Aufnahme einer heute fehlenden Metallspitze auf. Während diese zum Punzieren, Anreißen oder Gravieren genutzt werden konnte, diente das gegenüberliegende sorgfältig gerundete Ende zum Modellieren weicher Konturen.
Darüber hinaus existieren mehrere, Schnitzmessern vergleichbare eiserne Instrumente.

Foto: Kurt Scheuerer

Zwei tropfenförmig zurechtgefeilte Kalksteine erinnern an klassische Falzbeine. Mit einer leicht gerundeten Spitze und einem runden Ende sowie einer leicht gewölbten und einer flachen Seite eigneten sich die Modellierinstrumente vorzüglich zum Glätten der Werkstücke. Speckig glänzende, poliert wirkende Flächen an allen Werkzeugenden bestätigen einen starken Gebrauch.

Der Bimsstein, ein graues aus kieselsäure- und gasreicher Lava schaumig erstarrtes Gesteinsglas diente gemahlen als Polier- und Schleifmittel oder als Seifenzusatz zur Entfettung. Am Stück wurde er zur Herstellung planer Flächen oder zum Schärfen von Bein und Horngeräten eingesetzt. Die nächsten Vorkommen befinden sich in der Eifel bzw. auf den Liparischen Inseln.
Der im Werkstattzusammenhang gefundene Wetzstein wurde zum Schärfen stichelartiger Instrumente oder Schnitzmesser benutzt.

Zur Fertigung oft wiederkehrender Motive wurden Stempel benutzt. So kommen im Fundgut Einzel und Rollstempel sowie Stempelleisten vor. Auf den Rollstempeln und Leisten finden sich ausschließlich verschiedene Akanthusranken als Motiv. Zu ihrer Herstellung waren Patrizen aus Holz, Ton oder Wachs notwendig, über welche dann der Ton für den Model gedrückt wurde.

Text: Dr. Gerd Riedel, 2010


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