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Flusslandschaft Ingolstädter Becken
Dynamisierung der Donauauen

 
Fritz Bernhard im IN Newsletter vom 10.03.2005:

Ein Meilenstein für den Naturschutz in Ingolstadt

Große Projekte brauchen ihren Vorlauf: Schon 1995 beauftragte das Umweltamt das renommierte WWF-Auen-Institut unter der Leitung von Professor Emil Dister mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Renaturierung der Ingolstädter Donauauen zwischen Neuburg und Ingolstadt. Schnell wurde dabei klar, dass eine Renaturierung nur in großem Maßstab zusammen mit dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen sinnvoll verwirklicht werden kann. Die Machbarkeitsstudie kam zu dem Ergebnis, dass eine Renaturierung möglich und sinnvoll ist, um diesen Auwaldbereich - der einen der größten zusammenhängenden Hartholzauwälder Mitteleuropas umfasst - wieder an das Wasserregime der Donau anzubinden.

Auenlandschaft 18. Jh.

Aufgrund der Geländeverhältnisse wurde der südlich der Donau gelegene Auwaldbereich für die Anlage eines Umgehungsbaches um die Bergheimer Staustufe sowie für die ökologischen Flutungen ausgewählt.

Zwei wesentliche Ziele sollen erreicht werden:

  • Der Umgehungsbach, der zuerst alten Flutrinnen folgt und dann die Altwasser "Warmes Wasser" und "Alte Donau" durchströmt, soll die durch die Staustufen zerhackten Flussteile verbinden. Im neuen Bach entstehen Lebens- und Rückzugsräume für Donau bewohnende Fische und andere Gewässerorganismen. Zusätzliche Quervernetzungen zur Donau bei Hochwasser fördern diesen Austausch noch.
  • Weiterhin soll bei Hochwasser in der Donau der Auwald ökologisch geflutet werden. Bisher erreichen wegen der Verbauung der Donau nur sehr große Hochwasser die Aue; für eine lebendige Aue ist jedoch eine jährliche Flutung notwendig. Nur so kann verhindert werden, dass die Organismen, die an diese Bedingungen angepasst sind, von Allerweltsarten verdrängt werden.

Naturschutz bedeutet hier das Zulassen dynamischer Vorgänge und nicht den Erhalt eines bestimmten Zustandes. Der Aue wird ein Stück weit ihre Wildheit zurückgegeben. Überraschungen sind also nicht auszuschließen und deshalb wird die Auendynamisierung auch von wissenschaftlichen Untersuchungen begleitet. Die hier gewonnen Erkenntnisse sind europaweit übertragbar, da leider fast alle Flüsse durch Staustufen reguliert werden.

Wenn das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen ist, kann in diesem Herbst, also genau zehn Jahre nach den ersten Überlegungen für eine Auenrenaturierung, der Spatenstich für dieses Naturschutzgroßprojekt erfolgen.

Der nächste Schritt zur Renaturierung der Donau wird der Bau eines Fischaufstiegs an der Ingolstädter Staustufe sein, der die Durchgängigkeit des Flusses bis unterhalb der Weltenburger Enge herstellt.

Fritz Bernhard, Umweltamt Ingolstadt, im IN Newsletter vom 10.03.2005
s.a.: Auenkonzept Ingolstadt


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