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Heinrich Niedermeier
Die Glessbrunnen bei Wolkertshofen

 
Nordöstlich der Unterhaidmühle liegen in Talmitte - verborgen zwischen Baumgruppen, Schilf und Gebüsch - die Gleßbrunnen (auch Kleß-, Gläs-, Gleißbrunnen genannt, wegen der gleißenden, glänzenden Wasserflächen).

Gleßbrunnen. Foto: Kurt Scheuerer.

Es sind die stärksten Karstquellen im Eichstätter Gebiet und fördern auch in Dürrejahren ca. 200 Liter Wasser in der Sekunde mit einer Sommer wie Winter gleichbleibenden Temperatur von ca. 10 Grad. Die Gleßbrunnen sind fünf miteinander verbundene Quelltöpfe, die beiden größten mit 10 bis 15 Metern Durchmesser bei einer Tiefe von 5 bis 9 Metern. Das Wasser sammelt sich in einem Bach, der nach einem Kilometer in die Schutter mündet.

Wie bei der Burg Nassenfels stehen die Quellen mit dem riesigen, unterirdischen Karstwasserkörper des Südlichen Frankenjura in Verbindung. Jahrtausende altes, durch Karstspalten in der Tiefe versickertes Regenwasser staut sich über einer undurchlässigen Tonschicht.
An der Oberfläche wird der Jura im Schutter- und Donaugebiet in zunehmender Stärke von wasserundurchlässigem Flinzton überdeckt. Da das Karstwasser deshalb unter hohem artesischem Druck steht, dringt es an Stellen, wo senkrechte Klüfte vorhanden sind, nach oben, durchstößt die Deckschichten und bildet eindrucksvolle Quelltrichter.

Gleßbrunnen. Foto: Kurt Scheuerer.

Den Bewohnern der Gegend galten die Gleßbrunnen von jeher als unheimlich und gefährlich. Jeder, der in einen der Quelltöpfe gerate, sei verloren, so glaubte man. Kein Wunder, dass sich ein Sagenkranz um dieses interessante Naturphänomen rankt.

Da das Quellwasser bei hoher Ergiebigkeit auch von bester Qualität ist, kaufte die Stadt Ingolstadt die Gleßbrunnen 1964 als Trinkwasserreserve auf und ließ um sie ein Trinkwasserschutzgebiet ausweisen.
Auch als Biotop nimmt das Gebiet um die Gleßbrunnen eine Sonderstellung ein: Im moorigen Gebiet um die Quellweiher wachsen gelbe Wasserschwertlilien, zwei Knabenkrautarten und der Lungenenzian. Von den Vögeln brüten Kiebitze und Braunkehlchen, sogar der große Brachvogel ist zu beobachten.

Text: Heinrich Niedermeier, Die Schutter, Ingolstadt 2002, S. 19.
Fotos: Kurt Scheuerer, 2004


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