Logo Kurt Scheuerer Wissensspeicher zur Geschichte von Ingolstadt  
Tag des offenen Denkmals 2002

 
Hohe Schule, Georgianum, Kamerariat, Pedellhaus, Kreuztor,
Studentenwohnheim "Am Kreuztor", Theresienstraße 9 und 11

 

Ein Denkmal steht selten allein: Straßen, Plätze und Ensembles

Zum zehnten Mal findet am Sonntag, 8. September, der "Tag des offenen Denkmals" statt. Ingolstadt war von Anfang an dabei und präsentiert in diesem Rahmen auch heuer wieder zehn Gebäude, darunter drei städtische Museen, der Öffentlichkeit.
Mit der Vorstellung von Gebäuden an der Hohe-Schul-Straße, am Kreuztor und in der Theresienstraße, nimmt die Stadt Ingolstadt das diesjährige landesweite Motto "Ein Denkmal steht selten allein: Straßen, Plätze und Ensembles" auf.

Die Hohe-Schul-Straße gehörte bereits zur Planstadt des 13 Jh., in der sie eine Randlage vor der westlichen Stadtmauer einnahm. Nachdem die Befestigung der Stadterweiterung im 14. Jh. gewichen war, ließ Herzog Ludwig der Gebartete gegen Mitte des 15. Jh. im Bereich des westlichen Endes der Straße an der Schutter ein Pfründnerhaus errichten, die sog. Hohe Schule. Die Umwidmung zur 1472 gegründeten Universität brachte der Straße eine städtebauliche Aufwertung, sodass im Verlauf des 16. Jh. auf der Nordseite drei Großbauten, die alle zu dem 1494 von Herzog Georg gestifteten "Collegium Georgianum" gehörten, entstanden. Auf der Südseite dagegen liegen immer noch aneinander gereiht die schmalen mittelalterlichen Hausstellen, die wie im Sandtner-Modell (1572/73) mit meist giebelständigen Häusern bebaut sind. Hier fanden sich mit der "Hohenschulkastners Wohnbehausung" (sog. Pedellhaus, Hohe-Schul-Str. 2) und dem "Churfürstlichen Universitäts-Kamerariat" (Hohe-Schul-Str. 4) zwei zur Universität gehörige Häuser. Für die nach der Hohen Schule benannten Straße sind mehrere alte Namen bezeugt, die sich alle auf irgendeinen Bau der Straße beziehen. Diese sind "Beim Pfründnerhaus an der Schutter" (1449), "Beim alten Collegio" (1501), "Beim neuen oder Georgianischen Colleg" und "Kollegigaßl" (1625), "Beim oder unweit dem Substitutenhäusl" (1805). Der Plan zur Herdstattbeschreibung von 1762 überliefert die Bezeichnungen "Rösslwirtgasse", "Stadtgerichtgasse" und "Maxschulgasse".

 

Hohe Schule

Die Hohe Schule (Goldknopfgasse 7) wurde ab 1434 auf Veranlassung von Herzog Ludwig dem Gebarteten als vornehm ausgestattetes Pfründnerhaus gebaut. Hier sollten 15 "arme Menschen" wohnen, deren Aufgabe es sein sollte, für das Seelenheil des Stifters täglich mehrmals im nahen Liebfrauenmünster zu singen und zu beten. Aufgrund des Todes von Herzog Ludwig dem Gebarteten wurde die Stiftung nicht vollendet. Unter seinem Erben und Nachfolger, Herzog Ludwig dem Reichen aus Landshut wurde das Pfründnerhaus 1472 Sitz der neu gegründeten ersten bayerischen Landesuniversität. In diesem Haus wurde bis zur Wegverlegung der Universität im Jahre 1800 Geistesgeschichte zum Teil von europäischer Bedeutung geschrieben. Hier lehrten Celtis, Reuchlin, die beiden Apiane, Dr. Eck, Canisius und andere mehr. Von außen präsentiert sich die Hohe Schule als imposanter, mehrgeschossiger Bau mit hohem Satteldach. In den lisenenbelegten Giebeln und Fresken ist der hohe architektonische Anspruch noch spürbar. Die Stadt Ingolstadt hat in den 90er Jahren unter besonderer Berücksichtigung des Denkmalschutzes alle Räume saniert und modernisiert, woran sich die erst vor kurzem abgeschlossene Sanierung des Dachwerkes angeschlossen hat. Die neuesten Untersuchungsergebnisse ergaben, dass das spätmittelalterliche Dachwerk trotz Verformungen bis in die heutige Zeit überdauert hat. 1434 errichtet, wurden 1475 und 1510 erste Veränderungen vorgenommen. Die umfassendsten Reparaturen ergaben sich aufgrund von Einsturzgefahr für die Zeit um 1750.

Das Dachwerk, der Illuminatensaal und das "Äskulap-Fresko" sind zur Besichtigung von 12.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Stadtheimatpfleger Herr Dittmar, die Bauforscherin Frau Tisje und der Statiker Herr Grad, bieten interessierten Besuchern um 14.30, 16.00 und 17.30 Uhr eine Führung an (Treffpunkt: Mitte Hohe-Schul-Straße).

 

Georgianum

Das Georgianum (Hohe-Schul-Str. 5) ist aufgrund des enormen Besucherandranges beim letzten Tag des offenen Denkmals auch in diesem Jahr für die Öffentlichkeit von 12.00 bis 18.00 Uhr zugänglich. Führungen durch den Gesamtkomplex werden vom komm. Leiter des Stadtplanungsamtes Herrn Dengler um 14.30, 16.00 und 17.30 Uhr angeboten (Treffpunkt: Seiteneingang Goldknopfgasse).
Im April 1494 schickte Georg der Reiche, Herzog von Bayern-Landshut, Sachverständige nach Ingolstadt, um ein zweckmäßiges Gebäude für ein herzogliches Stipendiatenkolleg zur Aufnahme von Philosophie- und Theologiestudenten ausfindig zu machen. Schließlich erwarb er ein Haus nahe der Universität an der Ecke der ehemaligen Schwaiger-Gasse (heute Hohe-Schul-Straße) und ließ dieses im Sommer 1494 für seinen künftigen Zweck umbauen. Ursprünglich war hier Platz für den Regens und 11 Alumnen, später, nach den Erweiterungen des 16. Jahrhunderts, sind dort Küche, Refektorium und die Wohnung des Regens untergebracht worden. Das Collegium enthielt bis 1785 nicht nur Freiplätze für Theologiestudenten, sondern auch für Studierende anderer Fakultäten. Seit 1785 Priesterseminar, wurde es 1800 nach Landshut und 1826 nach München verlegt. Die Gebäude des Collegium Georgianum wurden 1807/09 samt Ausstattung der Kapelle öffentlich versteigert, anschließend erfolgten Umbauten für die Nutzung als Bräuhaus mit Gastlokal. 1921 wurden im Erd- und ersten Obergeschoss Büroräume installiert. Das zweite Obergeschoss diente lange Zeit als Wohnung, auch nachdem die Bürgerliche Brauhaus Ingolstadt AG ausgezogen war. Im Juni vergangenen Jahres ist nun der vorläufig letzte Mieter des Gebäudes, eine Gummi- und Kunststoffhandlung ausgezogen und das ehrwürdige Gebäude harrt seiner neuen, noch nicht feststehenden aber seiner Vergangenheit und seiner kulturhistorischen Bedeutung sich würdig erweisenden, künftigen Nutzung. Im Herbst 2000 gründeten Ingolstädter Bürgerinnen und Bürger den "Förderverein Georgianum", dessen Ziel es ist, das Georgianum im Besitz der Stadt zu erhalten, vor dem Verfall zu retten und einer sinnvollen öffentlichen Nutzung zuzuführen. Die kostenintensive Sanierung und Restaurierung dieses historischen Denkmals soll mit öffentlichen Mitteln, aber auch durch private Spenden ermöglicht werden.

 

Kamerariat

Das Kamerariat (Hohe-Schul-Str. 4) beherbergte die Geld- und Vermögensverwaltung der Hohen Schule und stellt im Kern einen mittelalterlichen Satteldachbau mit barockem Schweifgiebel dar. Es verfügt über eine reich stuckierte Straßenfassade. Wie die Fassade und Ausstattung erkennen lassen, ist das Haus im 18. Jh. barockisiert worden. Nach dem 2. Weltkrieg wurde im Erdgeschoss ein Laden eingebaut und in den 1960er Jahren der gesamte Fassadenstuck erneuert. Die baulichen Veränderungen waren im Laufe der Jahrhunderte jeweils mit Nutzungsänderungen verbunden. Während bis zum frühen 16. Jh. der Kastner, also der Finanzverwalter der Universität, Amtssitz und Wohnung in dem historischen Gebäude hatte, war es später vorwiegend als Wohngebäude genutzt. Im Jahre 1981 wurde das Kamerariatsgebäude von einer Ingolstädter Brauerei an die Stadt verkauft. Nach längeren Diskussionen über die zukünftige Nutzung begann 1993 die Sanierung des Gebäudes, welche 1994 abgeschlossen wurde. Seither dient es der David-Oistrach-Akademie und dem Georgischen Kammerorchester als zentrale Übungs- und Schulungsstätte. Außerdem ist hier seit kurzem die Geschäftsstelle des Simon-Mayr-Instituts und der Simon-Mayr-Gesellschaft untergebracht. Beide werden sich im Rahmen des Tages des offenen Denkmals der Öffentlichkeit vorstellen.

Die Besichtigung des Gebäudes ist von 12.00 bis 18.00 Uhr möglich.

 

Pedellhaus

Ebenfalls von 12.00 bis 18.00 Uhr zugänglich ist das sog. Pedellhaus der Hohen Schule in der Hohe-Schul-Str. 2, in welchem das Heimatmuseum Niemes und Prachatitz untergebracht ist. Der Leiter des Museums, Herr Draxler, bietet um 12.30 und 13.30 Uhr Führungen durch das Gebäude an (Treffpunkt: Eingang Hohe-Schul-Str. 2).

Die Überlieferung, nach welcher das Haus vom Universitätspedell, also dem Hausmeister der Ingolstädter Universität, bewohnt worden sein soll, ist durch die erhaltenen Quellen nicht belegt. Denn das im städtischen Grund- und Steuerbuch von 1723 "Hohenschulkastners Wohnbehausung" genannte Anwesen gehörte laut der Herdstattbeschreibung von 1762 "Herrn Joseph Kastl, Bürger und Schreiber beim Hohenschulkastenamt", der damit neben dem "Churfürstlichen Universitäts-Cammerariat" wohnte. Die Wohnhäuser des Universitätspedells sind dagegen in der Theresienstraße, Kupferstraße und der Kanalstraße belegt. Die Bebauung des Grundstücks ist bereits im Sandtner-Modell (1572/73) in der heutigen Form dargestellt. Unterschiede sind jedoch in der Erschließungsform und im Giebel zu erkennen. Der Treppengiebel und der noch heute gültige Grundriss mit einer Seitengangerschließung sind demnach erst nach 1572/73 entstanden. Das zweigeschossige Giebelhaus wurde in den 1980er Jahren restauriert.

 

Kreuztor

Wissenswertes über das Kreuztor im Allgemeinen und die derzeitige aufwendige Außensanierung im Besonderen wird der stv. Stadtheimatpfleger und ausführende Architekt Herr Braun in seinen Führungen / Vorträgen um 14.30, 16.00 und 17.30 Uhr vermitteln (Treffpunkt: Stadtaußenseite Kreuztor). Darüber hinaus ist eine Besichtigung des Kreuztor-Inneren von 12.00 bis 18.00 Uhr möglich.

Das Kreuztor ist das westliche Stadttor des zweiten Mauerrings, der im Zuge der Stadterweiterung ab 1360 nahezu halbkreisförmig um die Stadt gelegt wurde. Nach der oberhalb der Einfahrt angebrachten Inschrift wurde 1385 der Grundstein gelegt. Die aus Backsteinen errichtete und mit Friesen, Konsolen, Gewänden, Kämpfern und einzelnen Quadern aus Kalkstein verzierte Toranlage reichen in Gestaltung und Konstruktion weit über die Ansprüche an ein Befestigungsbauwerk hinaus. Es scheint in Hinsicht auf die Auszeichnung der Hauptdurchgangsstraße durch die Stadt in dieser opulenten Form gestaltet worden zu sein.

 

Studentenwohnheim "Am Kreuztor"

Mit dem Studentenwohnheim "Am Kreuztor" kann ein auf drei mittelalterliche Giebelhäuser zurückgehendes Baudenkmal besichtigt werden. Diese drei Häuser sind die einzigen mittelalterlichen Stadtmaueranbauten Ingolstadts und dendrochronologisch in die Zeit zwischen 1553 und 1558 datiert. Die Situierung hängt wohl mit dem brandgefährlichen Gewerbe der Hausbesitzer zusammen: 1590 waren dies die Glockengießer Haslauer und Dietrich. Spätestens 1762 waren die beiden südlichen Giebelhäuser zu einem Anwesen zusammengefasst worden. Schon seit 1722 ist auf einem der Anwesen eine Bierschenk- und Schlächtergerechtsame nachweisbar. Die hier betriebene Gastwirtschaft trug den Namen "Zur Glocke" nach der ehemaligen Glockengießerei. Bis Ende des 20. Jh. wies das Gebäudeinnere noch barockzeitliche Ausstattungsstücke wie Weißdecken, Rahmenstuck und gefelderte Türen mit geschmiedeten Beschlägen, die an eine Umbaumaßnahme bzw. Erneuerung der Ausstattung im Zuge der Zusammenlegung der Häuser denken lassen, auf. Das nördliche Giebelhaus bildetet dagegen bis Mitte des 19. Jh. einen eigenständigen Besitz, auf dem ab der zweiten Hälfte des 18. Jh. Taglöhner, Schreiner und Maurer nachweisbar sind.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. folgte die das heutige Erscheinungsbild prägende Baumaßnahme, die Zusammenfassung der drei Gebäude unter einem Traufseitdach. Jakob Huber ließ über alle drei Hausstellen ein durchgehendes, traufständiges Satteldach errichten. In dem Kehlbalkendach mit stehendem Stuhl wurden Hölzer der Vorgängerdächer wieder verwendet. In dem Gebäudekomplex haben sich noch einige bauliche Zeugnisse unterschiedlicher Zeiten erhalten. U.a. weisen die rückwärtige Stadtmauer und der Halbturm aus der Zeit um 1385 noch die mittelalterlichen Schießscharten sowie Konsolen auf, die als Auflager für den hölzernen Wehrgang gedient hatten.

Das Studentenwohnheim kann von 12.00 bis 18.00 Uhr besichtigt werden. Der Architekt der im letzten Jahr abgeschlossenen Um- und Neubaumaßnahme, Herr Brand, wird interessierte Besucher um 12.30 und 13.30 Uhr durch das Gebäude führen (Treffpunkt: Eingang Studentenwohnheim).

 

Theresienstraße 9 und 11

Die auf das 14. und 15. Jh. zurückgehenden Anwesen Theresienstr. 9 und 11 werden z.Zt. umfassend renoviert. Während einer Baumaßnahme sind oftmals Details sichtbar, welche nach Abschluss der Sanierung für den Laien nicht mehr erkennbar sind. Gerade deshalb bietet sich eine Besichtigung (geöffnet von 12.00 bis 18.00 Uhr) dieser besonders wertvollen Gebäude an. Herr Hauptkonservator Unterkircher und die Kunsthistorikerin Dr. Grimminger stehen um 14.30 und 16.30 Uhr interessierten Besuchern für Führungen zur Verfügung (Treffpunkt: vor den Gebäuden).

Das Gebäude Theresienstr. 9 ist mit dem Nachbarhaus Theresienstr. 11 unmittelbar zusammengebaut und wird seit Mitte des 20 Jh. von dort aus erschlossen. Der Bau zählt zu den noch gut erhaltenen spätmittelalterlichen Gebäuden Ingolstadts und weist eine Fülle bedeutender Bau- und Ausstattungsdetails aus der Zeit um 1400 und später auf, die bei der derzeit laufenden Restaurierung entdeckt und konserviert wurden. Der enge bauliche Verbund mit dem Nachbargebäude bestand bereits im Spätmittelalter, da das Haus Theresienstr. 11 etwa 75 Jahre später an das um 1400 in seiner heutigen Baugestalt errichtete Gebäude Theresienstr. 9 angebaut wurde. Zudem sind die beiden dreigeschossigen Steilgiebelhäuser im Sandtner-Modell (1572/73) äußerlich auffallend ähnlich gestaltet. Auch teilen sich beiden Anwesen bis ins 19 Jh. hinein einen 1669 erstmals archivalisch genannten Brunnen, der im Hofraum Theresienstraße 11 lag und erst vor kurzem freigelegt werden konnte. Archivalische Hinweise des 17. Jh. lassen die vage Vermutung zu, dass der Bau zumindest teilweise als Lager- oder Wirtschaftsbau genutzt wurde. Hiermit könnte eventuell auch ein während der jüngsten Renovierung freigelegtes spätgotisches steinernes Fenstergewände im ersten Obergeschoss der Straßenfront unmittelbar neben der Stube in Verbindung gebracht werden, das ursprünglich vergittert, jedoch offensichtlich unverglast war und lediglich mit einem Klappladen von außen verschlossen werden konnte. Zahlreiche weitere Befunde belegen, dass spätmittelalterliche Bausubstanz auch sonst noch weitgehend erhalten ist. Die westliche Hauswand mit ihrer der Einsparung von Baumaterial dienenden Pfeiler-Nischen-Gliederung, die über drei Geschosse reicht, ist als spätmittelalterlicher Bestand zu identifizieren.
Die an den Fassaden liegenden Räume zeichnen sich durch unterschiedliche Gestaltung der Wände mit Bogenstellungen auf Konsolen und Mauervorlagen aus. In der Südfassade zeigt die Reihung der drei Fenster und deren Ausgestaltung mit auf weit vorkragenden Konsolen aufsetzenden Segmentbögen die Lage der früheren Stube an. Während der Vorbereitungen für die Instandsetzung wurde hier eine aus der Zeit um 1400 stammende reich geschmückte Bohlenbalkendecke freigelegt, deren Balken mit stark profilierten Fasen und ornamentalen bzw. stilisierten floralen Reliefs in der Mittelzone verziert sind; die Decke trägt noch ihre originale Fassung. Weiterhin fanden sich in anderen Räumen Lehmstakendecken (sog. Wickeldecken) und zahlreiche Farbbefunde, die einen Einblick in spätmittelalterliche Wohnkultur geben. In der Barockzeit, vermutlich 1770 unter dem "Lemoni Cramer" Thomas Schilling, kam es offenbar zu einer umfangreicheren Renovierung, von der in den straßenseitigen Räumen abgehängte Decken mit einfachem Felderstuck zeugen. Auch der bei Sandtner dokumentierte spätgotische Schmuckgiebel wurde nun in einen spätbarocken Schweifgiebel mit flacher, bereits klassizisierender Dreiecksbekrönung umgewandelt und die Fassade mit einfacher Putzgliederung gestaltet. 1969 wurden bei Eingriffen in den Bau das Einfahrtstor beseitigt, der Laden im Erdgeschoss verändert und mit großen Schaufenstern versehen, auch die geradläufige, wohl bereits im 18./19. Jh. an alter Stelle gegenläufig erneuerte Treppe entfernt und die oberen Geschosse über eine neue Treppe vor der ursprünglichen Rückfassade des Nachbarhauses Theresienstraße 11 her erschlossen. Die um 1400 datierte Bohlenbalkendecke im Obergeschoss, die zu einer hochwertig ausgestatteten Behausung gehörte, verweist auf eine Bewohnerschaft gehobenen Standes; auch im 17. Jh. war das Haus zunächst in der Hand von besser gestellten Besitzern, später wohnten hier Handwerker.

Der in der Barockzeit überformte Bau Theresienstr. 11 erhielt in der Zeit nach 1474 seine heutige Baugestalt mit drei Geschossen und steilem Giebeldach. Fehlende Störungen in den Putzen der Umfassungswände deuten darauf hin, dass das erste Obergeschoss in einen vorderen und einen rückwärtigen Raum unterteilt war. Die Wände des ursprünglich ungeteilten vorderen Raumes weisen eine grüne Rankenmalerei auf, die nach Aussage des Restaurators zeitgleich mit der Kassettendecke des frühen 17. Jh. datiert werden kann. Der kunsthistorische Vergleich mit ähnlichen Fassungen im Georgianum, in der Hohen Schule oder auch auf der Empore der Moritzkirche dürfte aber ihre Entstehung zur Bauzeit, also um 1475, annehmen lassen. Somit hätte dieser Raum repräsentativen Ansprüchen genügt, vielleicht genutzt als Kontorraum des Lagerhauses. Etwas früher entstanden ist vermutlich eine kürzlich freigelegte hölzerne Kassettendecke im großen, zur Straße gerichteten saalartigen Wohnraum des zweiten Obergeschosses. Die Trennwand und die Deckenspiegel im straßenseitigen Raum des ersten Obergeschosses werden in eine weitere Bauphase um 1785/86 eingeordnet.
Das Anwesen hat eine imposante Besitzergeschichte aufzuweisen. Neben einigen Vorbesitzern ist 1613 Herr Professor Dr. Stuber als Eigentümer in den Archivalien genannt. 1636 verkauften die Erben Stubers an den Inneren Rat und Amtsbürgermeister Michael Baggenreuther. Aus dem Besitz dieser Familie ging das Anwesen schließlich an den international gerühmten Ingolstädter Rechtsprofessor und Dekan der Universität Dr. Christoph Chlingensperger, der - wegen hoher Verdienste von Kaiser Leopold geadelt - 1720 in seinem Hause in Ingolstadt verstarb.
Nach Zwischenbesitzern folgte mit dem kurfürstlichen Bau- und Fortifikationsamtskommisar Gabriel Heiss 1753 ein weiterer prominenter Eigentümer, der das Haus bei seinem Umzug nach München 1771 an den Kürschner Joseph Pünter veräußerte. Im Jahr 1800 ging der Besitz an die Tuchmacher- und Tuchhändlerfamilie Mayr, die neben dem Hausgärtchen auch eine Malche zur Tuchherstellung (frühere Hausnummer 218) besaß; bis heute befindet sich der Besitz noch in der Hand Mayrscher Nachfahren. Nach dem Tod der Tuchmacherswitwe Anna Mayr, die wohltätigen Stiftungen beträchtliche Geldsummen vermachte (Ostermair 1896, S. 66), ließen ihre Erben 1889 die Ladenfront umbauen; die Tuchmacherei wurde vor 1904 zugunsten des Tuchhandels aufgegeben.

 

Museen

Vielerorts werden Baudenkmäler als Museen genutzt, so auch in Ingolstadt. Aus diesem Grund sind nachfolgende Museen zu den üblichen Öffnungszeiten kostenlos zugänglich:

Deutsches Medizinhistorisches Museum, Anatomiestraße 18 - 20
Stadtmusem, Auf der Schanz 45,
Museum für Konkrete Kunst, Tränktorstraße 6 - 8

IN Newsletter vom 03.09.2002


 

Großer Andrang beim Tag des offenen Denkmals

Kreuztor war Besuchermagnet

Auch der diesjährige Tag des offenen Denkmals ist von der Ingolstädter Bevölkerung sehr gut angenommen worden. Rund 800 Besucher waren in der Ingolstädter Altstadt unterwegs, um die Gebäude rund um den Platz an der Hohen Schule, zwei Häuser in der Theresienstraße oder das neue Studentenwohnheim am Kreuztor zu besichtigen.
Die Hauptattraktion war das Kreuztor. Allein 550 Interessierte nahmen die seltene Gelegenheit wahr, das bekannte Ingolstädter Wahrzeichen aus dem 14. Jahrhundert auch von innen kennen zu lernen.
In diesem Jahr wurde erstmals die zentrale Eröffnungsveranstaltung in Ingolstadt durchgeführt, bei der der bayerische Staatsminister Hans Zehetmair die Festansprache hielt und der Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Dr. Egon Greipl eine Einführung in den Tag des offenen Denkmals gab.
Bürgermeister Albert Wittmann begrüßte die Anwesenden und ging in seiner Eröffnungsrede insbesondere auf die Ingolstädter Militärgeschichte ein, die sich in zahlreichen Baudenkmälern widerspiegelt.

IN Newsletter vom 10.09.2002 - Herausgeber: Stadt Ingolstadt


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