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Museumspädagogik - Beispiele und Erfahrungen
Das Rechenbrett für römische Zahlen

 
Bildrechte: Stadtmuseum Ingolstadt
       Rechenbrett für römische Zahlen, angefertigt zur Arbeit in der Museumspädagogik

Dieses - für den modernen Mathematikunterricht entworfene - Rechenbrett zum Rechnen mit römischen Zahlen besteht aus vier waagrechten Linien, auf welche man die Zählmarken, die Calculi, legt. Je eine Linie für die Einer (I), die Zehner (X), Hunderter (C) und die Tausender (M). Dazwischen kann man sich dann auch die Linien für Fünf (V), Fünfzig (L) und Fünfhundert (D) denken. Eingezeichnet werden diese nicht, damit das Brett nicht unübersichtlich wird.
In die linke Spalte legt man eine erste Zahl, in die rechte eine zweite. Diese beiden Zahlen kann man dann zusammenzählen, indem man die rechten Steine nach links schiebt und dann die Ergebniszahl liest. Auch von der linken Zahl etwas abzuziehen, ist einfach; man kann auch leicht überprüfen, ob alles richtig verschoben wurde. (Der alte Spruch "Jemandem ein X für ein U vormachen" kommt ja daher, dass in betrügerischer Weise eine Marke von der Zehnerlinie in die Fünferposition geschoben werden könnte.)

Das hier vorgestellte Rechenbrett entspricht einer griechischen Rechentafel und einfachen - nach 1500 in Büchern abgebildeten - Rechentischen.
Malnehmen und Teilen ist mit diesen Rechenbretter allerdings nicht möglich. Hierzu benötigt man zusätzliche Multiplikationstafeln, wie sie in der Antike sicherlich Verwendung fanden.


Die Staatliche Münzsammlung München schreibt: "die Verwendung von Rechenbrettern mit Linien, auf denen beim Rechenvorgang Steine oder andere Teile verschoben wurden, wurde durch die Kreuzzüge im 13./14. Jh. nach Europa gebracht."

1522 brachte Adam Ries sein Buch »Rechenung auff der linihen und federn« heraus, in welchem er zunächst das Rechnen mit römischen Zahlen auf den Linien des Rechenbrettes erklärte. Sodann zeigte er in seinem Buch die Verwendung der arabischen Zahlen, sowie das damit nun leichter mögliche Ausführen der vier Grundrechenarten mithilfe von Papier und Schreibfeder.

Fünf Jahre später erschien das Büchlein von Peter Apian, in welchem er Handreichungen zum Umgang mit den neuen Zahlen und den damit verbundenen Verwendungen für Kaufleute lieferte:

Apian, Kaufmannsrechnung
Apian, Kaufmannsrechnung
Peter Apian, Kaufmanns Rechnung, 1527: Ein Mann benutzt noch Rechenbrett und Rechensteine mit römischen Zahlen, ein anderer rechnet bereits schriftlich mit arabischen Zahlen.


Für den Rechenstein kennt man die Bezeichnung Calculus, eine Verkleinerungsform des Wortes Calx (Kalkstein, Kalk). Zu denken ist hier an kleine flache Plättchen aus Stein und wohl auch aus Knochen.
Seit dem späten Mittelalter wurden in Nürnberg Rechenpfennige aus Kupfer oder Messing in großen Mengen hergestellt. Im 16./17. Jh. waren diese über ganz Europa verbreitet.

Kurt Scheuerer, Ingolstadt


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