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Museumspädagogik - Beispiele und Erfahrungen
Tunika und Hose

 
Foto: Kurt Scheuerer
Unterwäsche aus Leinen: Tunika und Hose. (Gefertigt von Juliane Schwartz)

So ein - wie auf dem Foto - einfach geschnittenes Unterhemd konnte je nach Länge von Männern und Frauen getragen werden. Leinen eignet sich besonders für die Unterkleidung, wird mit jedem Waschen weicher, verliert dabei jedoch eine eventuelle Färbung mit Pflanzenfarben.
Leinen ist kostbar, denn für die Garnitur Hemd und Hose benötigte man den Jahresertrag einen ganzen Flachsfeldes. Außerdem ist der Flachs erheblich schwerer zu verarbeiten als Wolle. Leinen gibt es seit dem Neolithikum, für die Frühbronzezeit konnten Mischgewebe mit Leinen als Kette und Wolle als Schuss nachgewiesen werden (Ilmendorf). Seide und feinste Baumwolle wurden erst zur griechisch-römischen Zeit aus dem fernen Orient importiert.
Es gab nicht zu allen Zeiten Hosen, erst ab dem Übergang Spätbronzezeit/Hallstattzeit kann man solche nachweisen. Vorher gab es Beinlinge, welche am Gürtel festgebunden waren. Dazu trug man ein hinten und vorne in den Gürtel gestecktes und zwischen Beinen durchlaufendes Tuch (siehe Ötzi-Darstellungen). Auch im Mittelalter gab es wieder Beinlinge mit einer Bruche.

Museumspädagogische Aktion:

Der Zeitaufwand dürfte eine kleine Arbeitsgruppe aus Kindern, Eltern und Senioren erfordern, die sich mehrmals trifft.
Zunächst muss festgelegt werden, ob man teures Leinen oder billige Baumwolle bestellt. Zur Herstellung fertigt man entsprechend dem obigen Foto einen Schnitt nach den eigenen Maßen an.
Die Untertunika wird am Gürtel etwas gerafft, was bei der Länge berücksichtigt werden sollte. Bei Frauen reicht sie bis zu den Knöcheln (oder bei Bajuwarinnen etwa im 7. Jh. unterhalb des Knies), bei Männern etwas oberhalb des Knies.
Die Nähte sollten eigentlich per Hand gefertigt werden. Die Säume kann man mit einem pflanzengefärbten Wollfaden verzieren.
Für die Hose braucht man einen eigenen Gürtel, sonst rutscht sie. Man sollte sie auch nicht zu eng planen, sonst platzt sie beim Hinsetzen auf ;-)

Als Oberbekleidung kommt für die kälteren Tage nur Wolle in Frage. Man fertigt eine Tunika nach dem gleichen T-Schnitt (hier Beispiele aus der Bajuwarenzeit) oder einen Peplos, das griechisch-römisch-germanische Frauenkleid.
Wichtig ist ein äußerer Gürtel mit fester Schließe, an welchem man die verschiedensten oft gebrauchten Dinge anhängen kann.
Bei Regen hüllt man sich in ein wollenes Tuch, welches man mit einer Nadel oder einer Fibel - oder auch nur mit einem verknoteten Band - an der Schulter oder vorne verschließt.

Text und Foto: Kurt Scheuerer, Ingolstadt


Siehe auch:

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