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Münzkabinett im Stadtmuseum
Geldgeschichte in Bayern - Ein Überblick

 

Handel in der Vorgeschichte

Handel kennen wir schon aus der Jungsteinzeit, so gegen 3000 v.Chr., als man mit kleinen Steinklingen handelte. Südlich von Kelheim gab es da ein großes Silex-Bergwerk (Silex = SiO2 = Feuerstein). Und bei Gaimersheim ist ein kleines Haus mit einer Fertigungswerkstätte für Kalkstein-Perlen ausgegraben worden.
In der Bronzezeit gab es auf den Anhöhen beiderseits des Altmühltals Schürfstellen für Silex. An Ort und Stelle wurden die Knollen zerschlagen und nur die guten Klingen mitgenommen.

Die Urnenfelder-Bronzezeit (um 1000 v.Chr.) ist die Zeit des Fernhandels.
Dieser wurde im Altmühltal durch Höhensiedlungen überwacht. Die Schellenburg bei Enkering ist hierfür ein gutes Beispiel. Nun wurde mit Kupfer und Bronze gehandelt.
Bernstein gelangte von der Ostsee zu uns nach Bayern und über Alpenpässe nach Süden. In der Hallstattzeit (800-400 v.Chr.) kamen griechische und etruskische Waren nach Süddeutschland, wie einige Fürstengräber zeigen.

Antike Geldwirtschaft

Erst in der Latènezeit (400-50 v.Chr.) wurden Münzen zur Bezahlung benutzt. Im Oppidum bei Manching (200-50 v.Chr.) wurden die römischen Denare häufig halbiert, um so dem lokalen Münzfuß angeglichen zu werden. Dieser entsprach dem der mittelgallischen Völker.
Manching lag an einem großen Handelsweg von Mittelgallien durch die burgundische Pforte und dann die Donau entlang bis in die Gegend von Prag im Land der Boijer, wie eine große Zahl der von diesen Gegenden stammenden Fundmünzen aus Manching zeigt. Als Caesar Gallien erobert hatte und etwa gleichzeitig die Boijer von eindringenden Germanen nach Südosten vertrieben worden waren, erlahmte dieser Handelsweg und das Oppidum bei Manching schrumpfte zu einer kleinen und unbedeutenden Ansiedlung.
15 v.Chr. drangen die Römer ohne große Kämpfe ins nordalpine Land ein und errichteten die Provinzen Raetien und Norikum. Sie blieben fast 500 Jahre lang. Aus dieser Zeit finden sich viele in Rom geprägte Münzen.
Die dann eindringenden Germanen pflegten den Tauschhandel. Es finden sich jedoch immer wieder byzantinische Goldmünzen in frühmittelalterlicher Zeit.

Münzprägung im Mittelalter

Dort im Südosten Europas blühte der Geldverkehr unverändert. Insbesondere der Orienthandel brachte auch wieder einen Aufschwung. Die Norditalienischen Städte prägten Münzen aus Gold und Silber. Aus dem Floren (Genua und Florenz) wurde der Rheinische Goldgulden, aus dem venezianischen Dukaten der ungarische Goldgulden. Diese wandelten sich um 1500 zum Reichsguldiner aus Silber und dann zum Thaler.

einseitiger Schwarzpfennig, Ingolstadt
Die bayerische Fernhandelsmünze seit dem 10. Jh. war der in Regensburg geprägte Denar (= Silber-Pfennig).
Ab etwa 1100 prägten in Regensburg der Herzog und der Bischof gemeinsam Pfennige.
Um 1400 gab es in Bayern mehrere Münzstätten: München, Ingolstadt, Landshut, Neuötting, Wasserburg als herzogliche Münzen, dazu viele umliegende Bischöfe (Augsburg, Salzburg, Passau, Regensburg) und Grafen (Öttingen, Hals, Tirol).
Mit Österreich bildete Bayern eine Währungseinheit. Man prägte den Schwarzpfennig. In Nordbayern hatte man sich auf den Weißpfennig geeinigt: Nürnberg, Würzburg, Oberpfalz.
Der Heller aus Schwäbisch Hall verbreitete sich allmählich in das Pfenniggebiet. Er sieht genauso aus wie ein bayerischer Schwarzpfennig, hat aber nur halb so viel Silber.
Aus Tirol drängte der Kreuzer nach Bayern. Er war vier Pfennige wert.

Münzprägung der Neuzeit

Um 1506 wurde die Münze in Bayern erneuert. Es gab nun Heller, Pfennige, Groschen und Gulden. Erstmals zeigten die Münzen nun eine Umschrift.
Um 1620 kamm es allgemein zu einer Münzverschlechterung (Kipper und Wipper).
1624 wurde eine neue Münze eingeführt, die dann bis 1800 erhalten blieb. Die kleinen Silberpfennige und die Kreuzer veränderten fast 200 Jahre hindurch praktisch ihr Aussehen nicht.

Die Münzen des 19. Jhs ähnelten schon sehr den heutigen. Erwähnenswert sind hier besonders die winzig kleinen Silberkreuzer mit dem Bild des Königs Ludwig I., die damals freundlich so genannten "Ludwigsdreckerln".
Ab 1871 entstand das Deutsche Reich mit dem preussischen König als Kaiser und der neuen Währung, der Goldmark. Diese hielt bis 1918.
Nach der Inflation wurde 1924 die Rentenmark geschaffen.
Nach der zweiten Inflation wurde 1948 die Deutsche Mark geschaffen. Diese begründet sich jedoch nicht mehr auf einer Metallgrundlage, sondern auf Vertrauen.
Und nun steht uns ein Aufgehen in eine neue europäische Währung bevor.

Kurt Scheuerer, Ingolstadt 1997


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