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Texte im Stadtmuseum Ingolstadt - Raum 1
Methode und Bedeutung der Archäologie

 

Ur - und Frühgeschichte von Ingolstadt an der Donau
Von Methode und Bedeutung der heimischen Archäologie

Selbst urkundlich früh genannte Orte wie Ingolstadt oder zu festem Zeitpunkt gegründete Städte haben in der Regel Vorgängersiedlungen, sind nicht ohne die alten Wirtschafts - und Verkehrsverhältnisse des Umlands zu verstehen. Zumal wenn diese Region Anteil an Landschaften verschiedenster Art hat, an dem Donautal als Mittelzone, dem niederen Juragebirge der Alb im Norden und dem Tertiärhügelland im Süden, die den Menschen auf jeweils eigene Art herausfordern und prägen mußten.
Der Abriß einer Ur- und Frühgeschichte dieser Region, der Versuch zur Darstellung der Auseinandersetzug früher anonymer Geschichtskräfte mit der Landesnatur ist hier also Voraussetzung und Auftakt der späteren Stadt- und Festungsgeschichte, berührt aber auch Fragen der Menschheitsgeschichte schlechthin.

Archäologie ist eine Disziplin der Geschichtswissenschaft mit Methoden, die der Erforschung von beweglichen Bodenfunden und ortsfesten Geländedenkmälern angemessen sind. Sachaltertümer, Bauwerke und deren Spuren, Gräber sind Hauptquellen dieser geschichtlichen Hilfswissenschaft, die für große Zeitstrecken und Weltgegenden ohne schriftliche Überlieferung auskommen muß. Das sind zunächst also Fragmente materieller Kultur, einseitige Zeugnisse der Kulturgeschichte, die nur selten direkt historisch deutbar sind.
Man geht dabei etwa von bekannten mittelalterlich-neuzeitlichen Dingen Europas oder von analogen außereuropäisch-völkerkundlichen Objekten und Verhältnissen aus, bedient sich formaler und technisch-funktionaler Vergleiche sowie statistischer Hilfen und versucht, Einblicke in Leben, Handeln und Gesellschaftsformen des hinter den Dingen stehenden Menschen zu gewinnen.
Doch erschließt sich dabei auch geistige Kultur, allerdings oft nur in elementarer und zugleich sehr allgemeiner Form.

Auch Altersbestimmungen sind meist nur indirekt zu erzielen. Ähnlich wie in der Erdgeschichte kommt es während der Ur- und Frühgeschichte zu Ablagerungen, Abfolgen von Kulturschichten mit menschlichen Wirkungszeugnissen, deren Wandlung und Vergleich eine Relative Chronologie ermöglichen. Absolute Chronologie kann im Anschluß an die Geschichte der alten Mittelmeer-Reiche durch Importbeziehungen erreicht werden. Solche komparativ-stratigraphischen und import - chronologischen Verfahren lassen sich auch kombinieren.

Die ältesten Abschnitte der Menschheitsgeschichte sind allerdings so mit der Erdgeschichte verbunden, dass hier naturwissenschaftliche Untersuchungs- und Datierungsweisen wie die Radiokarbon-Datierung nötig sind. Auf den nebenstehenden Zeittafeln sind das die farblich abgesetzten Epochen der Alt- und Mittelsteinzeit oder die Forschungsbereiche der Jägerischen Archäologie.
Seit der in Mitteleuropa durch eine Agrarrevolution epochemachenden Jungsteinzeit lassen sich dann historische Vergleichsdaten aus den schon städtischen Hochkulturen Südeuropas und Vorderasiens aufzählen.
Arbeit und Siedlung des frühen Menschen begründen die heutige Kulturlandschaft des Ingolstädter Raums. Freilich wechseln die Nutzungsmöglichkeiten der Landschaft und ihrer Rohstoffe im Lauf der Zeiten sehr, doch bleibt die verkehrsmäßige Bedeutung des Donaustroms konstant, das sind also auch Hauptpunkte der musealen Darstellung.

Die großen Natur- und Geschichtsdenkmäler dieser Region beeindrucken ebenso wie die hier zu verfolgenden Denkmäler-Traditionen, wie die technische oder die bildnerisch-ornamentale Gestaltungskraft vieler kleiner Fundstücke und Museumsobjekte.
Rückbesinnung auf Anfänge und Ursprünge, auf Traditionen und Geschichte kann auch Hilfe bei der Gewinnung neuer Perspektiven, bei einer Neuorientierung in Heimat und Welt sein.

Dr. Rudolf Albert Maier, Tafeltext im Stadtmuseum Ingolstadt


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