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Texte im Stadtmuseum Ingolstadt - Raum 1

 

Erschließung des Ingolstädter Untergrundes bei der Suche nach Trinkwasser

Die natürlichen Voraussetzungen für die Trinkwasserversorgung von Ingolstadt sind äußerst günstig. Von den ausgedehnten, im Norden der Donauebene liegenden Hochflächen des Juras werden die Niederschläge aufgefangen. Sie versickern im Boden und laufen in den Klüften und Spalten des Weißen Juras in die Tiefe. Diese wurden bei tektonischen Bewegungen der Erdkruste gebildet und durch die Fähigkeit des kohlesäurehaltigen Wassers, Kalk auflösen zu können, zu Hohlräumen verschiedenartigster Form erweitert. Jeder Steinbruch liefert dazu Beispiele. Heute umfasst der dadurch entstandene "Karstwasserspeicher" ungefähr 1 bis 2 % vom Gesamtvolumen des Weißen Juras.
Stadtmuseum Ingolstadt. Foto: Kurt Scheuerer
Der Boden dieses Gefäßes wird von wasserstauenden Tonschichten, vor allem vom Ornatenton, der Grenzschicht zum Braunen Jura, geschaffen. Von der Linie Hepberg-Reisberg an sinkt der Jura in Richtung Süden ab und verschwindet schließlich im Untergrund. Er wird im Donautal von tertiären Tonen und Mergeln bedeckt, die ein Austreten des Wassers nach oben verhindern.

Durchbohrt man diese wasserundurchlässigen Schichten, so steigt das Wasser wie in "kommunizierenden Röhren" ohne Pumpen bis über das Bodenniveau empor (artesischer Brunnen).
Auf diese Weise wurde im Jahre 1969 bei einer Bohrung in Buschletten (Endtiefe = 158 m) mit 370 Litern in der Sekunde der bis dahin größte Überlauf im Lande Bayern erzielt. Das Alter des aus dem Tiefbrunnen gewonnenen Wassers konnte bestimmt werden. Es beträgt ungefähr 8300 Jahre, während das aus den Tiefbrunnen vom Krautbuckel, Ortsteil Unterhaunstadt, und vom Augraben bei Gaimersheim der Fließrichtung von Norden nach Süden gemäß erst 2675 Jahre alt ist.
Eine Gefahr der Verseuchung mit Bakterien besteht bei diesen Tiefbrunnen nicht mehr. Mangelnder Sauerstoff kann zugeführt werden.
Leider ist die Wasserbilanz insgesamt gesehen negativ. Es wird nämlich mehr Wasser verbraucht als durch Niederschläge ersetzt werden kann.

Heinrich Niedermeier, Tafeltext im Stadtmuseum Ingolstadt
Fotos: Kurt Scheuerer


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