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Texte im Stadtmuseum Ingolstadt - Raum 4
Hügelgräbergruppen

 

Traditionelle Hügelgräbergruppen mit hallstattzeitlicher Belegung
in der Auenlandschaft

Bei den durch Sitte und Brauch streng geordneten Gemeinschaften früherer Zeiten waren auch Tod, Bestattungen und Totengedenken fest in magisch, und religiöse Gebote sowie rechtliche Normen eingebunden. Offenbar standen die Toten in vielerlei Hinsicht mitten im Leben ihres Familien-, Siedlungs- und Kulturverbands.
Diese drei Organisationsformen lassen sich gerade in den einzelnen Gräbern und Gräberfeldern sowie im regionalen oder überregionalen Grabbau und Bestattungsbrauchtum fassen. Denn Grabbau und Bestattungsbrauch wechseln nicht nur in der zeitlichen Periodenfolge, sondern oft auch innerhalb verschiedener räumlicher Kulturausprägungen ein und derselben Zeit.

Stadtmuseum Ingolstadt. Foto: Kurt Scheuerer
Die Sitte, eine bis mehrere Bestattungen mittels eines dauerhaften größeren Erd- oder Steinhügels zu überdecken und im Lauf der Jahre ganze Gruppen solcher Hügelgräber anzulegen, war in Mitteleuropa zwischen Jungsteinzeit und Frühmittelalter mehrfach allgemein verbreitet, doch stellen nur die Mittelbronzezeit und die Hallstattzeit eigentliche Hügelgräberperioden vor.

So befinden sich in den Donauauen bei Gerolfing mehrere zur Bronzezeit angelegte Hügelgräbergruppen mit Körperbestattungen, die während der Hallstattzeit wieder in Benützung kommen und zu großen Nekropolen erweitert werden, wobei nun allerdings mit Körper- und Brandbestattungen in zentralen Holzbohlenkammern zu rechnen ist.

Auch zur Latènezeit wird hier noch bestattet. Unabhängig von dieser Traditionsbekundung und räumlich abgesetzt kommt es im Frühmittelalter auf der Lößterrasse dann zur Errichtung eines großen Einzelhügels Löwenbuckel mit karolingischem Adelsgrab.

Anders ist die Situation bei Mailing. Während da südlich des Orts die Belegung einer Flachgräbergruppe der Urnenfelderzeit mit einem älterhallstattzeitlichen Objekt zu Ende geht, wird in der Niederung Am Köschinger und Mailinger Bach schon eine neue Hügelgräbergruppe angelegt, die auf die Hallstattperiode beschränkt bleibt [dazu die Tafel über Ahnengrab und Steinpfeiler]. Trotz Wandel der Bestattungsform und Wechsel des Bestattungsplatzes ist so Siedlungskontinuität evident.

Nach Rekonstruktion alter Wasserläufe [in den nebenstehenden Situationskarten] sind diese Hügelgräberbezirke bei Gerolfing und Mailing auf Gewässer bezogen, die ja nach primitivem Glauben Unterwelt und Totenreich erschließen (daneben gibt es natürlich ganz andere Lagetypen für Hügelgräber), beide Karten bringen überdies Fundstellen separater Gewässeropfer.
Es widerspricht dem eingangs Gesagten nicht, dass durch diese Gewässer die Bestattungsplätze zugleich umfriedet und von den zugehörigen Siedlungen geschieden werden. Auch in all dem äußert sich über Jahrhunderte hinweg eine Kontinuität und Tradition, die jedoch keine bestimmten ethnischen Rückschlüsse erlaubt.

Dr. Rudolf Albert Maier, Tafeltext im Stadtmuseum Ingolstadt
Fotos: Kurt Scheuerer


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