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Doris Wittmann:
Der hl. Franz Xaver

 

"Oft sind mir die Arme müde vom Taufen..."

Der Gedenktag des heiligen Franz Xaver am 03. Dezember 2002, der das Fanal für Veranstaltungen zu seinem 450. Todestag bildet, läßt auch in Ingolstadt Erinnerungen an seine Verehrung wach werden. Eindrucksvoll werden die Feierlichkeiten anlässlich seiner Heiligsprechung durch Papst Gregor XV. am 12. März 1622, die in Ingolstadt eine ganze Oktav hindurch vom 07. Mai 1622 an, als der Dreißigjährige Krieg bereits begonnen hatte, zelebriert wurden, im Summarium des Jesuitenkollegs geschildert.

Franz Xaver. Foto: Kurt Scheuerer
Wer war jener spanische Edelmann, der auf höfischen Prunk verzichtete und sich auf abenteuerlichen Reisen in Gegenden des fernen Ostens, in die bestenfalls verwegene Kaufleute vorgedrungen waren, der Verkündung des Wortes Gottes widmete und dabei seine Gesundheit aufrieb? Als letztes von sechs Kindern des Schloßherren von Javier (daher der Name Xaver !) am 07. April 1506 im Baskenland geboren, studierte er eifrig, empfing mit 16 Jahren die Tonsur - wie üblich für nachgeborene Söhne von Adeligen - und hatte ein Domkanonikat in Pamplona inne. Mit 19 immatrikulierte er sich an der Pariser Universität und führte ein lockeres Studentenleben, bis der um 15 Jahre ältere Student Ignatius von Loyola in sein Zimmer miteinzog. Er, der nach einem zügellosen Leben und einer schweren Verwundung als Offizier ein tiefes Bekehrungserlebnis hatte, bewegte seinen Zimmergenossen dazu, sich seiner neu gegründeten Gruppe junger Männer anzuschließen, aus der 1540 die Gesellschaft Jesu hervorging. 1537 empfing Franz Xaver die Priesterweihe in Venedig, arbeitete ab 1538 als Sekretär Ignatius' in Rom an der Ordensgründung. 1541 sandte ihn der Papst nach Indien, von dort 1551 nach Japan, und er starb schließlich 1552 entkräftet in der Nacht zum 3. Dezember, sein Wunschziel China vor Augen, auf der Insel Sancian in der Bucht von Kanton. Aus einem seiner Briefe des Jahres 1544 wird sein unermüdlicher Einsatz für das Evangelium deutlich: "Oft sind mir die Arme müde vom Taufen und kann ich nicht mehr reden, weil ich so oft nacheinander den Leuten die Gebete vorgesprochen und sie über die Christenpflichten in ihrer Landessprache unterwiesen habe." Zu Recht war ihm das Patronat aller katholischen Missionen des Erdkreises von Papst Pius XI. 1927 zugesprochen worden.

Die geistliche Prägung der Stadt Ingolstadt durch die Jesuiten, die an der Universität und in den marianischen Kongregationen das Glaubensleben der Studenten und der Ingolstädter mit ihrer Spiritualität beeinflussten, brachte es mit sich, dass die Heiligsprechung Franz Xavers zusammen mit der Ignatius' von Loyola, dem Ordensgründer, so ausgiebig in Ingolstadt begangen wurde.
Ignatius - Franz Xaver. Foto: Kurt Scheuerer
Sponsoren waren die Universitätsangehörigen, aber auch die Bürger selbst. Die Feierlichkeiten beschäftigten nach dem Zeugnis des Summarium, das alles getreu wiedergibt, nicht nur die Ingolstädter Handwerker wie Maler, Feinschmiede, Schreiner, Tuchmacher (Kostümierung!) u a., sondern auch diejenigen der Umgebung. Die ganze Stadt unterzog man einer Verschönerungsaktion, bei der die verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen miteinander wetteiferten. Beginn der Festwoche war in der Kreuzkirche der Jesuiten, in der man einen Bühnenaltar, geschmückt mit Symbolen, Bildern, Lobsprüchen in Holzlettern, errichtet hatte. Außen waren zwei Triumphbögen mit Inschriften und Bildern angebracht, auf deren Scheitel die beiden neuen Heiligen dargestellt waren. Eine prächtige Prozession führte durch die Innenstadt zu verschiedenen Kirchen, begleitet von Musik und Geschützdonner. Am Abend kam der Bischof von Eichstätt, Johann Christoph von Westerstetten, dazu. Der Tag schloß mit einem Feuerwerk, das die Namen Jesu, Ignatius' und Franz Xaver aufleuchten ließ. Ein Pontifikalamt sowie musikalische und lyrische Darbietungen und eine Schauprozession mit mehreren Trimphwagen umrahmten den darauf folgenden Sonntag. Dazu holte man gar Musiker aus Eichstätt und Neuburg. Schauspiele, von Schülern und Studenten aufgeführt, Predigten hochrangiger auswärtiger Geistlicher, etwa des Dekans der Kollegiatskirche St. Kastulus und St. Martin in Landshut, ferner eine üppige Armenspeisung, bei der Brot, Eier, Fleisch und Bier ausgegeben wurden, füllten die weiteren Tage aus. Der Chronist bemerkt: "Es waren circa 1200 [Arme], wie aus der Zahl der verteilten Brote geschlossen werden kann."

Doris Wittmann

Abbildungen: Bild im Jesuitenraum des Stadtmuseums Ingolstadt, Medaille im Münzkabinett.


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