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Gerhard Wilczek
Johann Adam Freiherr von Ickstatt

 

Johann Adam Freiherr von Ickstatt
Sein Leben und Werk
Schulreform in Ingolstadt im 18. Jahrhundert

Freiherr von Ickstatt - Foto: Stadtarchiv Ingolstadt
Johann Adam Ickstatt wurde am 6. Januar 1702 zu Vockenhausen, einem kurmainzischen Dorf bei Epstein - zwischen Frankfurt a. M. und Wiesbaden - geboren. Sein Vater, ein Hammerschmied, ließ ihn die Schulen zu Epstein und Oberursel besuchen, anschließend sollte sich der Knabe dem Geschäft des Vaters widmen.

Da der Knabe wenig Interesse für den Beruf des Vaters zeigte, kam es zu körperlichen Züchtigungen. Der Wissensdrang führte Johann Adam dazu, nach Mainz zu fliehen, um dort die gelehrten Schulen zu besuchen. In Mainz lebten zwei seiner Brüder, einer als Hofapotheker und einer als Kanonikus.

Nach dem Besuch des Mainzer Gymnasiums begann für Ickstatt ein sehr bewegtes Leben. Er wanderte nach Paris, hörte den Philosophen Peter Varignon und fühlte sich besonders vom System des Descartes angezogen. Seinen Lebensunterhalt bestritt er durch Privatunterricht. So bewahrheitete sich das Wort Platons: Ungestümer Jugendgeist ist ein sicherer Vorbote künftiger Mannesgröße. Ickstatts Lieblingslektüre waren Homer, Horaz und Fenelon.

Nach Verbrauch der ganzen Barschaft verdingte er sich als Matrose und segelte nach England, um Newton zu sehen. Die Jugendwerke kennzeichnet überhaupt das Streben, sich als Weitgereisten und persönlich Bekannten ausländischer Gelehrter darzustellen. In England beeinflußten ihn Bollingbroke, Shaftesbury, Addison, Pope, Swift. Außer in London machte Ickstatt in Holland Station. Ein Aushängeschild mit der Aufschrift "Hier lernt man Mathematik, Griechisch und Latein" mußte vorsorgen, den Unterhalt zu bestreiten.

Als Ickstatt mit 23 Jahren nach Deutschland zurückkehrte, bezog er die Universität Marburg. Hier wirkte auf ihn maßgebend Christian Wolff ein, der wegen Streites mit der protestantisch-lutherischen Orthodoxie Halle verlassen mußte. Unter Wolffs Leitung studierte Ickstatt und begann als neu gewählter Magister auch privatim zu lehren. Neben der mathematischen Methode entdeckte er seine Vorliebe zur Jurisprudenz. Er ging nach Mainz, wo er den juristischen Doktorgrad erwarb. Da er aber in Mainz keine Erlaubnis zum Vorlesen erhielt, so daß bald ein notdürftiges Auskommen fehlte, nahm er gern die Vermittlung des Grafen Stadion, den er auf Spaziergängen kennengelernt hatte, an und erhielt als 29jähriger mit dem Titel eines Hofrates eine Berufung nach Würzburg. Hier lehrte er deutsches Staatsrecht, Natur- und Völkerrecht.

Neu war, daß Ickstatt auch Werke protestantischer Rechtsgelehrter zugrundelegte. Er durfte über Vitriar, Grotius, Pufendorf, Sam Stryk, Itter, Struv, Menken, Brunquell und andere Vorlesungen halten. Bedeutungsvoll für Ickstatt war der Ruf nach München 1741 als Prinzenerzieher. Graf Stadion hatte ihn vorgeschlagen. Ickstatt folgte, eine Anstellung als Syndikus in Köln schlug er aus.

Als nach dem Tod des letzten habsburgischen Kaisers Karl VI. der bayerische Kurfürst Anspruch auf die österreichischen Erblande erhob, verfaßte Ickstatt zur Begründung einige gelehrte Abhandlungen. Karl VI. hatte ein eigenes Erbfolgegesetz erlassen (Pragmatische Sanktion), um seiner ältesten Tochter Maria Theresia und ihren Nachkommen den Thron zu sichern. Die europäischen Mächte erkannten diese Regelung ausdrücklich an, ausgenommen Bayern und Sachsen - die Kurfürsten beider Länder waren mit österreichischen Prinzessinnen verheiratet -, auch Frankreich machte Vorbehalte. Bayerisch-französische Truppen besetzten Osterreich und Böhmen. Nach der Einnahme Prags wurde Ickstatt zum böhmischen Hofrat ernannt und stand dem neuen Böhmenkönig zur Seite, als dieser dort die Huldigung der Stände empfing. Auch in Frankfurt begleitete 1743 Ickstatt Karl Albrecht zur Kaiserkrönung. Karl VII. belohnte ihn stattlich und beförderte ihn dafür zum Reichshofrat.
Medaille auf Ickstatt - Foto: Stadtarchiv Ingolstadt
Fast zu derselben Zeit besetzten österreichische Truppen München und bald ganz Altbayern. Die fremden Soldaten - vor allem Ungarn, Kroaten und Panduren - hausten übel an Isar, Inn und Donau. Erst als Friedrich von Preußen den zweiten Krieg um Schlesien anfing, zogen sich die Österreicher aus Bayern zurück. Der gedemütigte Kaiser erklärte: Das Unglück wird mich nicht verlassen, bis ich es selbst verlasse. Als 1745 der todkranke Karl VII. starb, schloß sein Sohn, Max III. Joseph, unter Verzicht auf alle Großmachtpläne Frieden mit Maria Theresia. Ickstatt verlor durch den ungünstigen Ausgang der Ereignisse seine böhmische Belehnung und seine Reichshofratstelle. Maximilian Joseph, der mit 17 Jahren Thronfolger war, erwies sich als dankbarer Schüler und in seiner Eigenschaft als Reichsverweser ernannte er Ickstatt zum Beisitzer des Reichsvikariatsgerichtes und erhob ihn 1745 in den Reichsfreiherrnstand.

Ickstatt zeigte in seinen staatsrechtlichen Schriften deutlich, daß er ein Anhänger des aufgeklärten absoluten Herrschers war. Im Vizekanzellariat des Revisionsrates behagte es ihm nur kurze Zeit. Möglicherweise zeigten Adel und Klerus auch nur geringe Begeisterung für die neuen Ideen. Der alte Beruf lockte wieder, aber freilich wollte er an die Landesuniversität Ingolstadt nicht als einfacher Lehrer gehen. So wurde er nicht nur als Professor "zur besseren Einrichtung der in große Abnahme verfallenen Universität" bestimmt, sondern auch als Direktor derselben. Ickstatt hatte einen Doppelposten - einmal als Direktor, damit hatte er über die regelmäßige Abhaltung der Vorlesungen zu wachen, Säumige zu mahnen, studentischer Unordnung Einhalt zu gebieten - dann als Professor selbst zu lehren.

In seiner Antrittsrede "Entwurf einer vernünftigen Lehrart" ließ er deutlich werden, daß er auch an neue Methoden dachte. Um Gesinnungsgenossen zu haben, berief Ickstatt neue Kräfte nach Ingolstadt. In der juristischen Fakultät blieb nur das kanonische Recht in den Händen der Jesuiten, die an der Hochschule das Feld beherrschten. Das Amt eines alles überwachenden kurfürstlichen Inspektors hatte man bisher nicht gekannt. Außerdem ging Ickstatt von seiner alten Tradition nicht ab, protestantische Autoren zu gebrauchen.

Sowohl der geistliche Rat in München als auch die theologische Fakultät in Ingolstadt wurden beim Kurfürsten vorstellig und begehrten allein die Zulassung von katholischen Autoren oder nur von solchen akatholischen Büchern, die vorher von der theologischen Fakultät genehmigt wurden. Ickstatt berichtete dem Kurfürsten, daß die von ihm eingeführten Bücher zu Mainz, Würzburg, Bamberg, Fulda gelesen werden, ohne daß dagegen eingeschritten wird. Daraufhin erließ Maximilian Joseph nicht die von den Theologen gewünschte Verordnung.

Ickstatt berief sich darauf, er könne 60 Briefe von Bischöfen und Erzbischöfen vorzeigen, die bestätigen, daß er 14 Jahre lang "untadelhaft" sein Lehramt versehen und seine "Richtigkeit in Glaubenssachen erprobt" hat: er habe mehr zum Nutzen der katholischen Religion getan, als der Oberpfarrer Eckher in Ingolstadt wohl jemals zu leisten imstande sei. Kardinal Archinto, ein Vertrauter von Papst Benedikt XIV., schrieb an Ickstatt, und selbst Benedikt XIV. widmete ihm Zeilen.

Da 1747 Ickstatt vom Kurfürsten eine kleine Erinnerung erhielt, vor den Fakultäten und Professoren die gebührende Achtung zu haben, kann auf Strenge bei den Beurteilungen geschlossen werden. Ickstatt schaffte den alten Despositenbrauch ab, Studenten sollten nach zehn Uhr abends keine Wirtshäuser mehr aufsuchen, patroullierende Soldaten könnten sie arretieren. Dafür wurden Ickstatt die Fenster eingeworfen und eine Karikatur von ihm mit der Aufschrift "Erzschelm" an einen Galgen gehängt. Eine Hofkommission, zur Prüfung der Universität entsandt, schärfte erneut Unterordnung und Fleiß den Studierenden ein. Die willigen Schüler sorgten dafür, daß es wenigstens für einige Zeit Ruhe gab.

Mit voller Wucht entbrannte der Kampf erneut 1752. Seit 1727 gab es das Fach Geschichte im Vorlesungsplan, das freilich keinen großen Zulauf hatte. Als Ickstatt ein oder zwei Studenten Köhlers Kompendium der Reichshistorie in die Hand gab, allerdings mit dem Hinweis, daß der Verfasser nicht den kirchlich-katholischen Standpunkt vertrete, stieg Eckher auf die Kanzel. Bald war das Gerücht im Umlauf, die alte katholische Universität wanke in ihrem Glauben. Ickstatt wandte sich in einer umfangreichen Denkschrift vom 9. August 1752 an den Kurfürsten. Niemand habe an Luthertum oder Gottlosigkeit gedacht.

"Wir geben der theologischen Fakultät zu bedenken, daß der christkatholische Glaube nirgends weniger Anstoß leidet, als wo die Wissenschaften blühen und diese das sicherste Mittel wider den Unglauben und ketzerische Trennungen sind: hingegen derselbe in der allergrößten Gefahr steht, wo Aberglauben und Unwissenheit auf dem Thron sitzen und (wie es die theologische Fakultät zu wünschen scheint) zu Glaubensartikeln gemacht werden."

"Ich habe zu Würzburg 12 Jahre lang doziert, über 70 Grafen, etliche hundert Cavaliers nebst vielen anderen wackeren Leuten unter meiner Instruktion gehabt: unter allen diesen weiß ich, Gott sei Dank, keinen einzigen, welcher durch meine Lehren verführt oder auf Irrwege verleitet worden wäre: die meisten stehen in großen Ehren, Ämtern, an Kaiserl., Königlichen, Churfürstlichen und Fürstlichen Höfen, und viele unter ihnen sind in Publicis eifrige Verteidiger der katholischen Stände in den Religions- und Westfälischen Friedensschlüssen gegründeten Vorrechten."

"Im Rom selbst ist ja Gelehrten erlaubt, akatholische Bücher aus Deutsch-, Holl- und England sich verschreiben zu können und sind fast aller Kardinäle Bibliotheken damit angefüllt und hier mitten in Deutschland, wo wir unter Protestanten leben und täglich mit ihnen zu tun haben, will die theologische Fakultät uns die Anschaffung solcher Bücher für ein sündhaftes Vergehen, ja sogar für eine Ketzerei ausdeuten, da doch dergleichen juristischen, Historien- und von deutschen Staats-Sachen handelnde Bücher in allen katholischen Städten und in der Münchner Dult zu jedermanns Kauf öffentlich feilstehen! Ich weiß also ein für allemal nicht, was ich von dem wunderlichen Ansinnen der theologischen Fakultät denken soll und es kommt mir vor, als ob der obere Stadtpfarrer und seinesgleichen nur dieses im Schild führen, E. Ch. D. Lande zu einer wahrhaften Barbarei zu machen und zu einer Zeit, da alle katholischen Könige, Kurfürsten und Stände, geist- und weltliche um die Wette eifern, die Wissenschaften empor zu bringen und die unbrauchbaren Schulgrillen in das Reich der Vergessenheit zu verweisen, Dero churfürstl. Universität in eine wahre Wüstenei und einen Sammelplatz von allem, was nur pedantisch genannt zu werden vermag, zu verwandeln."
Ickstatt mußte sich persönlich nach München begeben, Der Kurfürst bemühte sich, beiden Seiten gerecht zu werden. Eckher erhielt einen Verweis wegen "sträflicher Ungebühr und die einem Geistlichen ganz unanständige Hitzigkeit" und mußte Abbitte leisten, blieb aber im Amt. Durch ein Dekret vom 29. Oktober 1765 rief der Kurfürst den Universitätsdirektor nach München, um ihn wegen staatsmännischer Geschäfte in seiner Nähe zu haben. Jedoch sollte er die Leitung der Universität beibehalten und die Visitation derselben jeweils im Juli eines Jahres vornehmen.

Im Jahre 1773 kam es zur Aufhebung des Jesuitenordens; das Vermögen der Gesellschaft wurde gemäß Ickstatts Rat als Unterrichtsfonds selbständig verwaltet und durfte nur für Unterrichtszwecke verwendet werden. Die sofort nach der Aufhebung des Ordens erschienene Denkschrift Ickstatts will die Universität mit berühmten Lehrern bestellt sehen. Zu dem Gymnasium in Ingolstadt sei eine Realschule zu gründen, und nach dieser Form seien Gymnasien und Realschulen auch in München, Landshut, Straubing, Burghausen und Amberg einzurichten.

Von Ickstatts Gutachten hing es ab, wieweit die dem aufgehobenen Orden angehörigen Professoren der Universität noch im Lehramt belassen wurden. Den damaligen Professoren der Theologie, der Philosophie und des kanonischen Rechts - es waren 3 Theologen, 6 Philosophen und 1 Kanonist - stellt Ickstatt aus, daß sie geschickte und zum Teil durch Druckschriften berühmte Lehrer seien, die man, um die Universität nicht schließen zu müssen, vorläufig (provisionaliter) in ihren Lehrämtern lassen möge. Die Exjesuiten gaben jedoch keineswegs ihre Überzeugungen auf und standen den neuen Ideen skeptisch gegenüber. Im Jahre 1771 hatten die Jesuiten selbst einen Plan zur Verbesserung des Gymnasialunterrichts vorgelegt. Man soll das Gedächtnis der Jugend nicht bloß mit mechanischen Regeln füllen, sondern auch den Verstand praktisch bilden. Besonders wurde die Geschichtskunde unterstrichen. "In keinem Stück ist die Unwissenheit unerträglicher." Gegen die deutsche Muttersprache sind die Väter der Gesellschaft Jesu "in keiner Weise mit Vorurteilen" eingenommen.

Die Reform des Volksschulwesens hat neben Ickstatt auch Benediktinerpater H. Braun angeregt. Die Aufmerksamkeit Ickstatts widmete sich besonders dem Realschulwesen. Er wünschte vor allem für künftige Handwerker, Geschäftsleute und Künstler Realschulen anzulegen, an denen Mathematik und Naturwissenschaften im weitesten Umfang zu lehren und durch Instrumente und Experimente zu erklären wären.

Ickstatt reichte nicht nur einen diesbezüglichen Plan für ganz Bayern ein, sondern bot sich an, den Rest seiner Tage diesem Werk zu widmen. Auch an der Abfassung von Schulbüchern wollte er sich beteiligen. Seinen Plan entwickelte er am 28. März 1774 in einer Rede vor den versammelten Akademikern. Aber die Akademie in München hielt es nicht für ihre Aufgabe, sich um das Schulwesen - zumal um das niedere - zu kümmern.

In Ingolstadt freilich hatte Ickstatt freie Hand behalten, und hier war der Zudrang zu der neu eingerichteten Realschule groß. In einem Bericht vom 1. Juni 1775 an den Geheimrat Lori urteilt Ickstatt über die Prüfung der II. Klasse der Realschule in Ingolstadt folgendermaßen:
"Heut habe ich dem Examen der 2te Claß der Realschule beygewohnt. Die Knaben haben nach meiner Methode in allen Gegenständen Wunder von Geschicklichkeit bewiesen. Kellenberger ist einer von unsern geschicktesten Schulmännern, den man bey Verfassung der Schulbüchern für das Gymnasium und Realschulen mit Nutzen gebrauchen kann. Allerliebste Exzellenz, lassen sie an ihrem Eifer und guten Gesinnungen nicht nach; aus diesen Erstlingen siehet man schon, daß, wenn man so fortfahret, Bayern in 20 Jahren in einer gantz andern Gestalt ersteen wird. Aus Schülern, die allesambt Mathematici, Historici, Physici, Philosophen etc, seynd, muß ja endlich das gantze Land von unten bis oben vernünftig werden, vernünftig handeln und so stuffenweiß zu seiner größten Vollkommenheit aufsteigen."
An den Gymnasien in den Händen der Jesuiten lernten zwar auch die Ärmsten umsonst Latein, aber es fehlte die Ausbildung für praktische, moderne Berufszweige.

Der Hallische Prediger Christoph Semmler hat in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf die Notwendigkeit des Unterrichts in den Realien hingewiesen und zum erstenmal den Begriff der Realschule geprägt. In Berlin wurde 1742 die erste größere Anstalt dieser Art von J. Hecker eingerichtet. Ickstatt erschien die Berliner Realschule - wie seine Ansprache von 1770 zeigt - als Musterschule. Ferner beeinflußten Ickstatt maßgeblich die Mainzer Schulen, aufgeteilt in Trivial- und Realschulen.

Das Schulwesen soll entsprechend den Bedürfnissen der Gesellschaft eingerichtet werden. Es ist Sorge zu tragen, "daß in den Dorf- und Landschulen den zur Cultur des Landes und anderen landwirtschaftlichen Geschäften gewidmeten Kindern, nebst den nötigen Glaubenslehren und Pflichten gegen ihre vorgesetzten Obrigkeiten gründlicher Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen, auch das Vorzüglichste aus der Landwirtschaft, vom Ackerbau, Viehzucht und übrigen ökonomischen Geschäften, bevorab wie und ob ein anderes bei der Landwirtschaft zu verbessern oder einzuführen, aus kurzen gedruckten Vorschriften gelehrt und praktisch vorgezeigt, in den Städten und Märkten hingegen für Künste, Professionisten und Handwerker gute Realschulen angelegt würden, in welchen man der zu Künsten und Handwerken gewidmeten Jugend die Natur und Eigenschaft der zu verarbeitenden Materialien aus einer gründlichen und durch praktische Erfahrungen bestärkten Naturlehre, andern, die bei ihren Kunstarbeiten und Hantierungen mit Messerei, Zeichnen, mechanischen Werkzeug umzugehen, nebstbei die Kräfte des Wassers, Feuer und Luft sich bekannt zu machen vonnöten haben, die hierzu dienenden Gründe und Unterricht aus der mathematischen Rechenkunst, Geometrie, Statik, Mechanik, Optik, Perspectiv, Wasser, Feuer, Luftberechnungen etc. lehrte und durch dienliche Instrumente, Erfahrungen und Proben begreiflich machte. In Residenzen und größeren Städten könnten noch Militär, Commercien und besondere Kunstschulen hinzu gesetzt werden".

Schulmeister müssen entsprechend ausgebildet sein, Handwerker schicken sich nicht dazu.
Was die Lehrordnung betrifft, wird jeder Tag mit der Feier der hl. Messe begonnen. Der Unterricht wird vormittags und nachmittags erteilt, am Nachmittag wird zum Teil der Stoff des Vormittags wiederholt.

Im "Plan der aus vier Klassen bestehenden teutschen Realschule" heißt es zum Beispiel für die erste Klasse: 7-7 ½ jeweils hl. Messe, 7 ½-8 Katechismus, 8-9 deutsche Sprachlehre, 9-10 Rechenkunst. Am Nachmittag beginnt der Unterricht um 1 ½ Uhr. Von 1 ½-2 Uhr findet eine Prüfung dessen, was die Kinder in der Früh in der deutschen Sprachlehre gelernt haben, statt; 2-3 Naturgeschichte, und zwar aus dem Tierreich, danach von Pflanzen, Mineralien und Metallen, 3-4 Welt- und Erdbeschreibung, danach Zeitrechnung oder Chronologie.

Die zweite Klasse hat biblische Geschichte des Alten und Neuen Testaments, deutsche Syntax, Aufsatzlehre, die Lehre von den Brüchen und den verschiedenen Rechnungsarten, sowie Land- und Stadtwirtschaft, Genealogie, Heraldik und allgemeine Geschichte zum Inhalt.

In der dritten Klasse werden christkatholische Moral oder Pflichtenlehre, deutsche Prosodie, Redekunst, Proportionalregeln, Quadraturen und Ausziehung der Wurzeln, Landgewerbe und Handelsgeschäfte, sowie Geschichte der europäischen Staaten geboten.

In der vierten Klasse werden Kirchengeschichte, sowie christkatholische Kirchenverfassung, Einleitung in die lateinische Grammatik, etwas Griechisch, Geometrie, Trigonometrie, römische und deutsche Antiquitäten, Mythologien, sowie Geschichte der deutschen Staaten, insbesondere Bayerns, gelehrt.

Ickstatt starb auf einer Dienstreise am 17. August 1776 zu Waldsassen. Nachmittags gegen halb drei Uhr hatte ihn der Schlag getroffen, während des Durchsehens der Akten sank er vom Stuhl, ohne ein Lebenszeichen von sich zu geben. Im Kloster Waldsassen wurde er beigesetzt. Sein zeitliches Gut erbten Verwandte, da seine Ehe mit der Adligen von Weinbach kinderlos geblieben war. Ickstatt selbst hatte erklärt: "Ich sterbe nicht gern, aber diese Madenhütte verlasse ich gern."

Gerhard Wilczek
in: 20 Jahre Freiherr-von-Ickstatt-Schule. Staatliche Realschule für Knaben Ingolstadt. 1978. S. 18-22.


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