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Jägerlager im Urdonautal
Die Weinberghöhlen bei Mauern

 
Von Rennertshofen bis Dollnstein erstreckt sich das Urdonautal. Hier sind die Wasser von Donau und Lech bis zur vorletzten Eiszeit nach Norden geflossen, dann durch das heutige Altmühltal bis Kelheim. Seit etwa 130 000 Jahren fließt die Donau in ihrem heutigen Tal. Seither liegt das Urdonautal trocken und wird nur im nördlichen Teil von der dort noch kleinen Schutter durchflossen.

Mauern. Foto: Kurt Scheuerer
Im Süden bei Rennertshofen ist der Eingang des Trockentales sehr breit, erst weiter nördlich wird das Tal dann allmählich schmäler.
Gleich hinter dem Taleingang liegt der kleine Ort Mauern mit seinem hohen Kirchturm.

Hinter dem Ort sieht man von der Straße aus mitten im westlichen Hang in einer Höhe von 20 Metern über der Talsohle die Öffnungen der Weinberghöhlen.

Weinberghöhlen. Foto: Hermann Ganß
Von dort oben aus hat man einen ausgezeichneten Blick auf die breite Talöffnung und die dort eventuell auftauchende Jagdbeute. Während der letzten Eiszeit haben in den Vorräumen der Höhlen immer wieder Menschen gelebt und vor dort aus gejagt.

In den eiszeitlichen Sommern gab es in den sumpfigen Tälern des Jura zu viele Stechmücken, weshalb sich die Rentiere am Gletscherrand beim heutigen München aufhielten. Im Winter dagegen boten die Mittelgebirge guten Schutz. Daher waren im Frühjahr und Herbst Wanderungen der Herden über die Donau zu erwarten.

Weinberghöhlen, Vorraum Höhle 4. Foto: Kurt Scheuerer

Die Weinberghöhlen boten hier im Wellheimer Trockental ähnlich gute Jagdbedingungen wie es die Klausenhöhlen im unteren Altmühltal taten.

 

Weinberghöhlen, Höhle 2. Foto: Kurt Scheuerer Weinberghöhlen, Höhle 2. Foto: Kurt Scheuerer

Das Innere der Höhlen ist heute vergittert, denn es stürzen immer wieder große Brocken von der Höhlendecke.

 

Die vier oberen Weinberghöhlen. Grafik: Kurt Scheuerer

Bei archäologischen Untersuchungen in den späten 30er-Jahren ist fast der gesamte, teils mehrere Meter starke Boden der Höhlen und der Vorräume ausgegraben worden. Es war kaum noch etwas für die Nachuntersuchungen 1947-1949 übrig geblieben.

Weinberghöhlen, Barth-Linde, Vorraum Höhle 1. Foto: Kurt Scheuerer
Bereits diese erwiesen sich als nicht ungefährlich. Ein großer Block löste sich überraschend und tötete einen der Grabungshelfer aus Mauern. Diesem zu Ehren pflanzte man dann die heute so große Linde im Vorraum von Höhle 1.

1977 musste die Höhle dann vergittert werden. Selbst beim großen Archäologentag der Urgeschichtsforscher 1989 in Ingolstadt wagte man es nicht mehr, die Türen zu durchschreiten.

 

Die Grabungen ließen fünf Zonen erkennen:

  • Die unterste lieferte Steingeräte des in der Region häufigen Mittelpaläolithikums der letzten Eiszeit. Träger dieser Kulturstufe war der Neandertaler-Mensch.
  • Darüber fanden sich vergleichbare Geräte, jedoch zusätzlich die - für das Altmühltal typischen - Blattspitzen des ausgehenden Mittelpaläolithikums.
    Die zu beiden Kulturschichten gehörigen Lagerplätze (mit Feuerstellen) fanden sich auf den Vorplätzen der unteren und einer der oberen Höhlen.
  • Die dritte Zone lieferte eine sterile Schicht, welche auch in anderen Höhlen unserer Region zu beobachten ist. In dieser Zeitperiode war es wohl zu kalt, um hier Leben zu ermöglichen.
  • Dann folgen wenige Spuren sporadischer Aufenthalte des modernen Menschen der frühesten jungpaläolithischen Kulturstufe.
  • Die darüber liegende Gravettien-Schicht zeigte vier verschiedene, wohl nicht zeitgleiche Begehungsschwerpunkte, davon zwei länger andauernde im Vorraum von Höhle 3.

Weinberghöhlen, Vorraum zu Höhle 3. Foto: Kurt Scheuerer
                  Vorraum und Eingang von Höhle 3. Foto: Kurt Scheuerer

Diese Gravettien-Schicht ergab einige beachtenswerte Befunde:
Am Eingang zu Höhle 3 fand A. Bohmers 1937/38 den Schädel eines jugendlichen Mammuts. Daneben lagen mehrere Wirbelsäulenteile, Rippen, zwei Schulterblätter und Vorderbeinknochen. Dazu noch 14 durchlochte Elfenbeinanhänger sowie durchlochte Zähne vom Eisfuchs, Wolf, Bär und Ren.
Eine vergleichbare Skelettgruppe war bei der vorausgehenden Grabung 1937 nahebei entdeckt worden, wobei eine Nachuntersuchung ergab, dass es Knochen verschiedener Tiere waren, welche man auf einer Schicht roter Erde in anatomisch richtige Lage gebracht hatte.
Außen an der Hangseite zwischen Höhle 2 und 3 ist auch bei der Grabung von L. Zotz 1948/49 die Frauenstatuette "Rote von Mauern" geborgen worden.
Alle drei Befunde waren von roter Erde durchsetzt, was auf rituelle Bedeutung schließen lassen kann und in eiszeitlichen Befunden nicht selten ist.

Text und Fotos von Kurt Scheuerer, Ingolstadt

Literatur:
  • Steinzeitliche Kulturen an Donau und Altmühl, Ingolstadt 1989, S. 50-59.
  • H. Müller-Karpe, Handbuch der Vorgeschichte I, Altsteinzeit, München 1966, S. 299-301.


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