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Die Schanz - Neues aus der alten Festung

Aktuelle Termine zur Ausstellung im Stadtmuseum

Warum nennen sich die Ingolstädter „Schanzer“? Fragt man Auswärtige nach Ingolstadt, dann denken die meisten nur an die moderne Industriestadt. Vor allem der FC Ingolstadt trägt heute jedoch wieder den Namen „Schanzer“ hinaus in die ganze Republik. Eine Ausstellung im Stadtmuseum zeigt, wie es zu dieser sehr persönlichen Sicht der Ingolstädter auf sich und ihre Stadt gekommen ist.

Am Ostermontag, 22. April, und am Sonntag, 28. April, kann man dazu jeweils ab 14 Uhr an einer Führung im Stadtmuseum teilnehmen. Die Ausstellung lädt zu einem Rundgang um die Festung Ingolstadt ein. In jedem Raum gibt eine georeferenzierte Zusammenschau historischer Pläne der Festung und moderne Dokumentationen archäologischer Ausgrabungen die Möglichkeit zur Orientierung, welche Festungsbauten wo standen oder heute noch stehen.

Mit Georeferenzierung ist hier die lagegenaue Verortung der Festungswerke in der modernen Stadtvermessung gemeint. Uwe Arauner hat sich dieses wichtigen Vorhabens angenommen und in einer eigenen „Festungs-App“ zusammengefasst, die jedermann zur Verfügung steht. Begleitend dazu stellen Fotografien von Helmut Bauer die Festungsanlagen im Stadtmodell von 1572 und Luftbilder von Horst Schalles den Zustand der Festungswerke in unserer Zeit gegenüber.

Der Rundgang beginnt im Osten beim Neuen Schloss und endet im Westen beim Scherbelberg und dem Künettegraben. Dazwischen werden die Ziegelbastei mit der nahe gelegenen Fronte Rechberg und die Harderbastei mit dem benachbarten Kavalier Hepp „angesteuert“. An jeder der vier Stationen der Ausstellung wird ein anderes Thema behandelt, das mit der „Schanz“ zu tun hat.
Dabei muss betont werden, dass keines dieser Themen, die gemeinsam von Bayerischem Armeemuseum, Bayerischem Landesamt für Denkmalpflege und Stadt Ingolstadt bearbeitet werden, schon abschließend in der Ausstellung behandelt werden kann. Die Themen wurden in einer gemeinsamen Tagung der Allgemeinheit vorgestellt und sind im 126. Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt veröffentlicht. Der Band kann an der Museumskasse oder im Buchhandel erworben werden.

Beim Neuen Schloss geht es vor allem um die archäologischen Ausgrabungen und ihre Funde. Einen schönen Einblick vermittelt die Ausstellung vor allem beim Thema Munition. Hier hat Dieter Storz eine informative Auswahl getroffen und mit gewohnter Präzision beschrieben. Dem Thema Tongranaten, Ingolstadt besitzt vielleicht den weltweit größten Bestand, haben sich Andreas Frankzkowiak und Chris Wenzel gewidmet. Hier zeichnen sich überraschende Neuinterpretationen ab, die den Fund aus den 1970er Jahren womöglich zu einem wichtigen Dokument des 30-jährigen Krieges machen. Sie zeigen die schmerzliche Lücke, die durch die damals mangels Denkmalschutzgesetz noch unterbliebenen archäologischen Ausgrabungen der Stadtgeschichtsforschung entstanden ist. Heute sind Ausgrabungen im Ingolstädter Festungsgürtel eine Selbstverständlichkeit.

Im Nordwesten geht es vor allem um die Nachnutzung der Festungsbauten nach dem Verlust ihrer Wehrfähigkeit, als Kriegsgefangenenlager während des Ersten Weltkriegs mit neueren Erkenntnissen Gerd Treffers, und als Lagerort der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges, aber auch als „Gründerzentrum“ für kleine Betriebe, die eine durchaus beachtliche Entwicklung erleben konnten, wie beispielsweise die Nudelfabrik Fein. Hier wird auf die Arbeiten Tobias Schönauers zurückgegriffen. Es beginnt aber auch die öffentliche Nutzung als Biergärten und leider auch als Mülldeponien, wie damals beim Militärhafen und bis heute beim Fort Hartmann.
Im Nordwesten treten die Ausführungen Beatrix Schönewalds zum Thema Festungsbau aus architektonischer Sicht sowie die Erfassung der Festung im historischen und im modernen, digitalen Kartenbild durch Uwe Arauner und Hermann Kerscher in den Blick. Ein kurzer, informativer Film informiert über die Festung in ihrem gesamten Umfang, mit Vorwerken und Rüstungsbetrieben.

Den Abschluss im Westen, beim Künettegraben und dem Scherbelberg als Resten der Erdwerke des 16. bis 19. Jahrhunderts, bestreiten dann wieder die „Schanzer“, ganz konkret ihre Werkzeuge, die nun vom Beginn des Festungsbaus im Jahr 1537 bis zum Bauwerkzeug der Firma Rudolf Röss in der Sammlung des Stadtmuseums vertreten sind. Die Firma Röss hat ihre Wurzeln im Festungsbau und ist bis zum heutigen Tag mitunter auch an den alten Militärbauten der Stadt tätig. Die Werkzeuge sind über den langen Zeitraum teilweise erstaunlich gleich geblieben.
So zeigt die Ausstellung den ungewöhnlich engen Bezug, ja geradezu das Verwobensein der Stadt mit ihrer Militärgeschichte. Die „Schanz“ ermöglichte die Entwicklung vieler Betriebe, bis hin zur AUDI AG. Sie ist Grundlage der modernen Industriestadt Ingolstadt. Herzöge und Beamte, Professoren und Studenten, Generäle und Soldaten haben die Geschichte der Stadt geprägt. Für alle Ingolstädter hat sich aber nur ein gemeinsamer Name gefunden: Sie waren und bleiben die „Schanzer“.

Die nächsten Termine zur Ausstellung:
• Montag, 22. April, 14 Uhr: Führung durch die Sonderausstellung
• Sonntag, 28. April, 14 Uhr: Familienprogramm zur Sonderausstellung
• Sonntag, 5. Mai, 14 Uhr: Führung durch die Sonderausstellung
• Sonntag, 19. Mai, 10 Uhr: Führung durch die Sonderausstellung