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Die richtige Hilfe für Igel

Artenschutz auch im eigenen Garten

Nicht jeder Igel braucht Hilfe, aber jede Hilfe für Igel muss richtig sein!
Kaum wird es früher dunkel, läuft einem und hier und dort ein kleiner Stachelritter vor die Füße. Was tun? Welcher Igel braucht Hilfe und wie muss diese aussehen?
Spätestens seit letztem Jahr und dem Volksbegehren zur Rettung der Insekten und Schutz unserer Artenvielfalt ist jedem bewusst geworden: Mit 80 Prozent weniger Insekten können wir nicht überleben. Nicht nur wir… der Igel ist ein reiner Insektenfresser, er ernährt sich zu 80 Prozent von großen Laufkäfern.
Schnecken oder Vogelfutter frisst er nur in der Not. Mit seinem kurzen Darm kann der Igel ausschließlich Proteine verwerten. Wenn er ausreichend natürliche Nahrung findet, nimmt er über die Chitinpanzer von Käfern eine Substanz zu sich, die ihn vor den Innenparasitzen der Schnecken schützt.
Wenn er aber nur noch Schnecken findet, hat der Igel den übertragenen Lungen- und Darmwürmern nichts entgegenzusetzen. Sie verenden an den Parasiten oder verhungern vorher.
Meldungen, dass ein Igel nicht gefüttert werden darf, weil er sonst das Jagen verlernt, sind schlichtweg falsch. Ab einer Nachttemperatur von +7 Grad, findet der Igel keine Insekten mehr. Und – der Igel hat ein Habitat von 20 bis 100 Hektar. Er braucht also weit mehr als einen schönen Naturgarten, er braucht verknüpfte Lebensräume.
Wollen wir den Igel, der mittlerweile auf der Vorwarnstufe zur Roten Liste in Bayern steht, vor dem Aussterben bewahren, müssen wir am besten unsere Gärten naturnah gestalten. In Totholz, Benjeshecken, Kompost- oder auch in Obsthaufen, leben Würmer und Käfer – ein echtes McDonalds für Igel. Auch kleine Säugetiere, z.B. Mäuse, oder auch Amphibien, verschmäht der Igel nicht.
Lassen Sie doch mal Ihren Garten im Herbst ohne Aufräumarbeiten in die Winterruhe gehen. Das sind bei Schnee wunderschöne Ausblicke für Sie und unsere Insekten – und die Pflanzenwelt kann mal einen kompletten Lebenszyklus vollenden, ohne unsere Eingriffe. Der Igel, wie auch andere Tiere, wie z.B. der Zitronenfalter, der tatsächlich in Reisighaufen überwintert, finden Unterschlupf.
Bis jeder Tier- und Naturfreund im Rahmen seiner Möglichkeiten Gärten umgestaltet hat, bitten wir um Unterstützung dieser heimlichen Wildtiere.
Der Igel ist ein nachtaktiver Einzelgänger. Jeder Igel, der tagaktiv ist, braucht zu 95 Prozent menschliche Hilfe.
Ein Jung-Igel aus diesem Jahr sollte Anfang November mind. 500 Gramm auf die Waage bringen. Igelchen trennen sich 6-wöchig mit ca. 200 bis 250 Gramm von ihrer Mutter und werden dann selbstständig. Mit Zufütterung schafft es der Igel also noch bis Ende Oktober, sich selbst genügend Winterspeck anzufressen.

Was kann man gut zufüttern?
• Katzennassfutter (Pastete, keine Soße, kein Gelee, kein Zucker, kein Getreide), mit mind. 10 Prozent Rohprotein und 70 Prozent Feuchtigkeit
• Rührei oder gebr. Hackfleisch zu 50 Prozent ins Katzennassfutter mischen
• Ca. 1 TL Weizenkleie / Haferflocken einmischen
• Ca. 1 TL gutes Planzenöl einmischen (z.B. Lein, Distel-, Sonnenblumen- oder Maiskeimöl)
• Immer ein frisches, flaches Wasserschälchen anbieten.
Ein ausgewachsener Igel sollte mind. 800 Gramm bis Anfang November auf die Waage bringen. Das Gewicht ist also nicht alleinig ausschlaggebend, ob ein Igel Hilfe braucht. Weitere Alarmsignal sind:
• Tagaktivität
• Hungerknick hinter dem Köpfchen
• Schlotterndes, auffälliges Stachelkleid
• Offene Wunden
• Igel läuft nicht weg, rollt sich nicht ein, torkelt, liegt auf der Seite
• Gewicht bis Ende Oktober deutlich unter 250 Gramm
Wenn Sie in Sorge oder unsicher sind, folgen Sie Ihrem Gefühl und sichern das Tier. Sie dürfen einen Igel jederzeit berühren, am besten mit Handschuhe wegen der Stacheln. Mögliche Flöhe sind meist Igelflöhe, die weder Mensch noch Haustier beißen. Der Igel hat dünnere Haut und wird deswegen meist von diesen Flöhen besucht.
Es braucht Wärme, einen Käfig mit einem Schlafhäuschen, Zeitungspapier zum Auslegen und als Nestmaterial. Futter und Wasser. Entfernen Sie bitte umgehend Fliegeneier, Maden oder Zecken.

Wenn es dem Tier schlecht geht, warten Sie bitte nicht ab sondern suchen mit ihm einen Tierarzt auf. Bitten Sie ihn, den Igel ausschließlich nach den Empfehlungen von ProIgel e.V. zu behandeln (http://pro-igel.de/merkblaetter/publpdfs/tierarzt.pdf).
Da es in Ingolstadt und Umgebung keine Igelstationen gibt, die Tierheime keine Wildtiere annehmen und die wenigen privaten, ehrenamtlichen Pflegestellen schon jetzt deutlich überlastet sind, ist jeder Finder selbst für so ein kleines Leben verantwortlich. Sollten Sie den Igel bei einer Pflegestelle unterbringen können, beteiligen Sie sich bitte an den Kosten. Diese Menschen stemmen alle Kosten alleine.

Fachlich gute Tipps finden Sie unter
http://pro-igel.de/merkblaetter/merkblaetter.html bzw. konkret unter http://pro-igel.de/merkblaetter/publpdfs/herbstigel.pdf. Sollten Sie einen Igel überwintern müssen, finden Sie dort auch konkrete Informationen, wie dies möglich ist und was Sie dazu benötigen. Dort können auch Unterlagen bestellt werden.