Seiteninhalt

„Ingolstadt - Stadt der Chancen“

Haushaltsrede von Oberbürgermeister Christian Lösel

Einen Ausblick auf das kommende Jahrzehnt gab Oberbürgermeister Christian Lösel gestern in seiner Haushaltsrede in der letzten Stadtratssitzung des Jahres. Vorweg erklärte er: „Ich habe einfach keine Lust mehr auf Krise! Ich habe Lust auf Lösungen!“
Noch nie sei der gesellschaftliche Umbruch so groß wie heute, noch nie der technologische Umbruch so massiv. Selten zuvor hätten sich geostrategische Positionen so stark verändert. Und: „Niemals zuvor war die Frage ,Ökologie und Ökonomie‘ von solcher Prägnanz, wie heute. Und alles muss unbedingt unter einem sozialen und ethischen Leitbild stehen.“
Nicht akzeptieren wolle er den Abgesang auf die Autoindustrie, „die deutsche Leitindustrie“. Vielmehr gelte es, „die Attacken zu stoppen und die richtigen Fragen zu stellen: Wie schaffen wir es in Ingolstadt, nicht nur die bestehenden Arbeitsplätze zu erhalten, sondern auch noch neue, in die Zukunft gerichtete und fair bezahlte Stellen zu schaffen? Wie können wir unsere Kernkompetenzen erhalten und neue Themenfelder besetzen? Was müssen wir tun, damit wir auch global gesehen wettbewerbsfähig bleiben und in neuen Bereichen ernst zu nehmender Wettbewerber werden?“
Hier gebe es letztlich nur eine Antwort: „Die (Automobil-)Industrie muss sich verändern. Digitalisierung, Autonomisierung, Künstliche Intelligenz – das sind die bestimmenden Schlagworte! Wollen wir als Mobilitätsstandort im weltweit harten Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben, müssen wir aufhören, diese Themen immer ein Stück weit zu belächeln!“
„In den vergangenen Jahren ist es uns gelungen“, so der OB weiter, „mit zahlreichen Partnern hier am Standort die richtigen Weichen zu stellen. Die Weichen in Richtung Zukunft zu einer Stadt der Chancen! … Im Oktober hat Ministerpräsident Markus Söder die ,Hightech Agenda Bayern‘ vorgestellt. Eine Technologieoffensive, ausgestattet mit zwei Milliarden Euro. Allein 600 Millionen Euro davon werden für die Künstliche Intelligenz ausgegeben. Der Freistaat spannt damit ein KI-Netz mit verschiedenen Knotenpunkten. Und Ingolstadt wird dabei der ,Mobilitätsknoten“ sein.“
Das Auto sei keineswegs ein Produkt der Vergangenheit, aber „wir wollen uns nicht darauf beschränken. Wir wollen mehr! Deshalb werden wir unsere aktive Wirtschaftsförderung ab dem kommenden Jahr sowohl personell wie auch finanziell nochmals deutlich verstärken.“ In diesem Zusammenhang dankte Lösel auch dem Mittelstand und den Handwerksbetrieben, „dem Rückgrat unserer Wirtschaft, dem Leistungsträger für Ausbildungs- und Arbeitsplätze und dem Qualitätssicherer für unsere Nation“.
Zögen alle gemeinsam an einem Strang, ließe sich viel erreichen, was gerade die UAM-Initiative zeige: „Rund zwölf Millionen Euro Fördermittel konnten innerhalb nur eines Jahres akquiriert werden. Knapp 70 Partner aus Ingolstadt, der Region und ganz Europa haben sich inzwischen der Urban Air Mobility angeschlossen….Die Frage ist nicht, ob dreidimensionale Mobilität kommt, sondern nur, welche Rolle wir dabei spielen können. Mit der Erforschung und Entwicklung von Flugtaxi-Konzepten können wir unser Standortprofil „Mobilität“ weiter schärfen und dadurch beitragen, Arbeitsplätze vor Ort in Industrie und Wissenschaft zu sichern und hoffentlich neue zu schaffen.“
Neben der Mittelstandsstrategie verfolge die Stadt Ingolstadt eine ebenso ambitionierte wie zielgerichtete Wissenschaftsstrategie: „Wir wollen die klugen Köpfe, die Experten von morgen, und ihre guten Ideen bei uns halten – zum Beispiel auf unserem neuen Hightech-Areal ,IN-Campus‘. Ich bin wirklich stolz auf das, was auf dem Gelände der ehemaligen Raffiniere passiert. Hunderte neue Arbeitsplätze entstehen hier in wenigen Monaten. Tausende weitere haben noch Platz! Das ist ein Meilenstein in unserer Standortpolitik! Dazu der umgebaute Autobahn-Anschluss Süd, die Direkt-Verbindung zur A9. Auf dieser ,Ersten Meile‘ kann autonomes Fahren getestet werden.“
Aber das sei nur der eine Teil, der IN-Campus so besonders und einzigartig macht. Die Sanierung der einstigen Industriebrache bedeute auch Umweltschutz. „Wir geben der Natur ein Stück zurück. Damit vereint IN-Campus die wichtigsten aktuellen Themen: Technologie & Arbeitsplätze der Zukunft, genauso wie Naturschutz & Ökologie.“
Natur- und Klimaschutz sei auch das bestimmende Leitthema der „Generation Z“, also der Jugendlichen, die jetzt zwischen 10 und 20 Jahren alt sind. „Unsere Kinder wollen eine grüne, naturnahe Stadt, eine Stadt mit sauberem Wasser und sauberer Luft – kurz: Eine gesunde Umwelt.“
Maßnahmen hierzu seien u.a. der Ausbau des Zweiten Grünrings, die Landesgartenschau 2020, die als Park für alle Bürger bestehen bleibt, der geplante Max-Emanuel-Park bei Etting. „Wir arbeiten an einer Nachhaltigkeitsstrategie. Wir sind am ,Stadtpark Donau‘ dran, derzeit läuft hier die Bürgerbeteiligung. Und wir kümmern uns um den Insektenschutz und die heimische Artenvielfalt. Wir legen Blühstreifen an und schaffen damit Lebensraum. Wir treiben unsere Wasserstroff-Strategie voran. Wir wollen bis 2030 eine CO2-neutrale Stadtverwaltung werden. Und: Wir haben ein Schutzprogramm für unser Ingolstädter Trinkwasser aufgelegt. Nicht zu vergessen unser ambitioniertes ,Eine Million Bäume‘-Projekt.
Erst am Montag haben wir mit dem Audi-Bahnhalt abgeschlossen. Jeder, der auf den Zug umsteigt, trägt aktiv zum Umweltschutz bei. Unser Ziel ist eine echte Regionalbahn! Dazu auch unsere Studie zur Massenmobilität.“
Die Investitionen in den Wohnungsbau, in Kitas und Schulen hob Lösel ebenso hervor wie die vielfältigen Maßnahmen im Bereich der Kultur. So seien „der Umbau der historischen Gießereihalle für das Museum für Konkrete Kunst und Design und auch die Sanierung unserer beiden Schatzkästchen Georgianum und Kavalier Dalwigk ein großer kultureller Beitrag zur Stadtgeschichte. Wir sanieren nicht nur historische Substanz, sondern verbinden sie nachhaltig mit einer zukunftsgewandten neuen Nutzung. Damit öffnen wir die Baudenkmale für die Bevölkerung und machen Heimatgeschichte erlebbar.“ Und er betonte auch „weiterhin ein klares ,Ja!‘ zu den Kammerspielen. Ja, zu den Kammerspielen – aber erst, wenn wir alle Fakten kennen. Auch das ist Teil einer nachhaltigen und verantwortungsvollen Politik für Ingolstadt.
Damit räumte Lösel mit dem Vorurteil auf, „das auch durch häufige Wiederholung nicht richtig wird. Das angeblich kulturferne Rathaus oder eine kulturfeindliche Stadtspitze. Diese Behauptungen stimmen schlichtweg nicht. Ich will Ihnen das gerne mit einer Zahl belegen: Die Ausgaben für Kultur sind von 2010 auf 2020 um 49 Prozent gestiegen!“