Städtische Friedhöfe: der Westfriedhof

Bereits 1563 wurde auf Dekret des Herzogs aus Hygienegründen sowie aus Platzmangel im ehemaligen Friedhof an der Unteren Pfarr (Moritzkirche) außerhalb der Stadtmauern ein Friedhof vor dem Kreuztor angelegt, der heutige Westfriedhof. Erst 1803 wurde der Westfriedhof zum einzigen Friedhof der Stadt, wobei dieser 1892 um den Israelitischen Friedhof ergänzt wurde. Die erste Erweiterung erfolgte in den Jahren 1912 bis 25. Eine grundlegende Neugestaltung und Erweiterung des Westfriedhofs erfolgte 1933 bis 35 nach Entwürfen Dr. Schwäbels mit einer klassizistischen Aussegnungshalle und Einfriedungsmauern, überwiegend aus Naturstein.

Der Westfriedhof ist als charakteristischer Heckenfriedhof mit kreuzförmig ausgerichteten Wegen angelegt, begleitet von Alleen, Baumreihen und grabfeldüberstellenden Einzelbäumen überwiegend heimischer Arten wie Linde, Ahorn, Eiche oder Birke.

Er ist, was manchen überraschen mag, ein wertvolles Stadtbiotop, insbesondere für Brutvögel aller Art. Neben den Baumbeständen dienen die rund 6.400 Meter langen Hecken aus Hainbuche, Feldahorn, Hartriegel, Eibe usw., die zweimal im Jahr geschnitten werden, um ihre gliedernde und platzsparende Funktion zu erhalten, als Futter- und Nistmöglichkeit.

Bedingt durch das Alter des Friedhofes befinden sich auf dem Westfriedhof eine Vielzahl von Denkmälern vergangener Kriege. Besonders zu erwähnen ist der Ehrenhain nahe der Aussegnungshalle für die Gefallenen der beiden Weltkriege aber auch die zivilen Opfer dieser Zeit. Viele Persönlichkeiten und angesehene Familien aus Ingolstadt fanden hier ihre letzte Ruhestätte, so zum Beispiel der Komponist Adolf Scherzer, die Schriftstellerin Marieluise Fleißer, der Motorradweltmeister Hermann Müller, der letzte Scharfrichter Johann Ritzer und andere. Nicht wenige, heute als historisch zu bezeichnende Grabmale, gelten als wertvoll und bedürfen der Erhaltung für künftige Generationen.

Heute ist der Westfriedhof von Bebauung und Verkehrsstraßen vollständig umgeben, so dass künftig eine Erweiterung nicht mehr möglich ist. Als Bindeglied zwischen der freien Landschaft, dem Schuttertal, der angrenzenden Winklermühle (Winklerweiher) und dem Glacis stellt der Westfriedhof einen wesentlichen Bestandteil des vernetzten Grünsystems der Stadt Ingolstadt dar, das es zu erhalten und zu entwickeln gilt.

Diesen Friedhof als öffentliche Grünfläche zu pflegen und in seiner Grünstruktur vor allem für ältere Menschen als Ort der Besinnung und Erholung zu erhalten, ist wesentliche Aufgabe des Ingolstädter Gartenamts.

Sanierung der Wege im Westfriedhof

Auch der Westfriedhof als ältester Friedhof Ingolstadts kommt in die Jahre – nun soll daher das gesamte, rund 3,5 km lange Wegenetz saniert werden. Ziel ist vor allem der barrierefreie Ausbau, damit Bürgerinnen und Bürger, die auf Gehhilfen wie Rollatoren oder auf Rollstühle angewiesen sind, zukünftig uneingeschränkten Zugang zu allen Bereichen des Friedhofs haben.

Nach einer Testphase im Sommer 2012 hat das städtische Gartenamt mit der Wegesanierung begonnen: auf mehreren hundert Metern Länge wurde die bisher vorhandene Deckschicht aus Rundriesel abgetragen und durch eine spezielle wassergebundene Wegedecke ersetzt. Mit dieser strukturfesteren Oberfläche lassen sich die bestehenden Unebenheiten ausgleichen und eine deutlich verbesserte Begehbarkeit erreichen.

Auf den Wegen um die Kapelle wurde außerdem der historische Pflasterbelag wieder freigelegt. Damit die Höhenanschlüsse an die angrenzenden Grabfelder beibehalten werden können, war dies allerdings nur auf dem mittleren Wegestreifen möglich.

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