Marieluise Fleißer

Veranstaltungen zum 100. Geburtstag von Marieluise Fleißer

Marieluise Fleißer zum 100. Geburtstag

23. November 2001 – 3. Februar 2002

Öffnungszeiten:
Do. – Fr.: 9.00 – 17.00 Uhr
Sa., So.: 10.00 – 17.00 Uhr

Veranstalter: Kulturreferat Ingolstadt

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
am 23. November 2001 wäre die Schriftstellerin Marieluise Fleißer 100 Jahre alt geworden. Ihr Leben und Werk sind eng mit Ingolstadt verbunden: Hier wurde sie geboren, hier verbrachte sie die meiste Zeit ihres Lebens, auch die Jahre als Gattin des Tabakwarenhändlers Haindl. Ihr Werk nimmt heute unbestritten eine hervorragende Stellung in der Literatur des 20. Jahrhunderts ein.

Aus diesem Anlass setzen sich viele Veranstaltungen in Ingolstadt mit Leben und Werk der Dichterin auseinander.

Die große Sonderausstellung des Stadtmuseums „Diese Frau ist ein Besitz” – Marieluise Fleißer aus Ingolstadt dokumentiert ihre Kontakte vor allem mit Literaten ihrer Zeit, wie Lion Feuchtwanger, Bertolt Brecht, Alfred Kerr, Günter Eich oder Rainer Werner Fassbinder. Marieluise Fleißer zu Ehren werden der nach ihr benannte Literaturpreis der Stadt sowie wegen des besonderen Anlasses der Kunstpreis der Sparkasse verliehen.

Erleben Sie die Uraufführung des Theaterstücks Marieluise, besuchen Sie die Lesungen, die Buchvorstellungen, die Vorträge des Symposiums und die Ausstellungen zum Fleißerjahr!

Nutzen Sie die Möglichkeit, neue Zugänge zu Leben und Werk von Marieluise Fleißer – einer großen Frau unserer Stadt – zu entdecken.
Wir laden Sie dazu herzlich ein!

Peter Schnell, Oberbürgermeister
Gabriel Engert, Kulturreferent
Friedrich Kraft, Marieluise-Fleißer-Gesellschaft

Donnerstag, 1. 11. 2001, 11 Uhr Foyer des Theaters

Frühschoppen zu Marieluise von Kerstin Specht

Vorstellung des dtv-Fleißer-Portraits von Carl-Ludwig Reichert

Der Frühschoppen dient der Einführung in das Stück Marielusie von Kerstin Specht. In einem Gespräch zwischen Autorin, Regisseurin, dem Dramaturgen und dem Schriftsteller Carl-Ludwig Reichert wird die unterschiedliche Herangehensweise einer Künstlerin und eines Biographen an Leben und Werk der großen Schriftstellerin beschrieben und analysiert.

Carl-Ludwig Reichert, Jahrgang 1946, gebürtiger Ingolstädter, kannte die „Fleißerin” noch persönlich. Er lebt als Schriftsteller, Musiker und Privatgelehrter in München. Seine Biographie „Marieluise Fleißer” erscheint als dtv-portrait im November 2001. Carl-Ludwig Reichert stellt es gemeinsam mit der Akkordeon-Spielerin Michaela Dietl aus München vor.

 

Marieluise Fleißer
Fleißerbiographie

Sonntag, 4. 11. 2001, 11 Uhr Stadtbücherei im Herzogskasten

„ …Ihre Fleißerin” - ein Leben in Briefen

Gelesen von Ellen Brugger und Martin Prior.
Eintritt frei

Donnerstag, 8.11.2001, 18 Uhr Dokumentationsstätte Marieluise Fleißer im Fleißerhaus, Kupferstraße 18

Eröffnung der Wechselausstellung

Knut Schnurer – Illustrationen zu Pioniere in Ingolstadt von Marielusie Fleißer

Zu sehen sind Tuschzeichnungendes Ingolstädter Künstlers Knut Schnurer zum Abdruck der Neufassung der „Pioniere“, die 1968 im Donaukurier in sieben Folgen veröffentlicht wurde.

Dauer der Ausstellung: 9. 11. 2001 – 12. 5. 2002
Öffnungszeiten:Do bis So 11 – 18 Uhr
Eintritt frei

Illustration zu Pioniere in Ingolstadt von Marieluise Fleißer

Donnerstag, 8. 11. 2001, 19 Uhr Musiksaal Apian-Gymnasium, Maximilianstraße 25

Veranstalter: Evangelisches Bildungswerk Ingolstadt – ebi

Vortrag von Barbara Schulte (München)

Marieluise Fleißer und Bertolt Brecht

Ab 1924 nimmt Brecht die junge Dramatikerin unter seine künstlerischen Fittiche und mit nach Berlin.
Der Vortrag, der aus einer Facharbeit entstanden ist, beleuchtet das fruchtbare wie spannungsreiche Verhältnis der beiden Schriftstellerpersönlichkeiten.

Marieluise Fleißer

Sonntag, 11. 11. 2001, 16 Uhr Konferenzraum des Theaterrestaurants

Mitgliederversammlung der Marieluise-Fleißer-Gesellschaft

Die Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, Marieluise Fleißers literarischen Nachlass zu pflegen und die Rezeption und Verbreitung ihres Werkes zu fördern.

Kontakt: Stadtarchiv, Auf der Schanz 45, Tel. 08 41/3 05-18 81/-18 85

Sonntag, 11. 11. 2001, 18 Uhr Ausstellungsräume der Sparkasse, Rathausplatz 7

Verleihung des 5. Kunstpreises der Sparkasse Ingolstadt

Bildnerische Auseinandersetzung mit Leben und Werk von Marieluise Fleißer und Eröffnung der Ausstellung ausgewählter Werke von Wettbewerbsteilnehmern

Der Kunstpreis ist mit 15.000 DM dotiert. Es werden drei Preise und ein Sonderpreis der Marieluise-Fleißer-Gesellschaft von 3.000 DM vergeben.
Zur Teilnahme aufgerufen waren alle bildenden Künstlerinnen und Künstler, die in der Region 10 arbeiten oder Mitglied im Berufsverband Bildender Künstler (BBK) in der Bundesrepublik Deutschland sind.
Finissage mit szenischer Lesung aus Tinch Minter Growing herself some amour.

Dauer der Ausstellung: 12. 11. – 16. 12. 2001
Öffnungszeiten: Di bis So 11 – 18 Uhr Mo geschlossen

15. 11. – 16. 12. 2001

Transparente-Aktion
von Babette Ueberschär

Spruchbänder an verschiedenen Plätzen und Gebäuden

„Der 100. Geburtstag der Ingolstädter Dichterin Marieluise Fleißer am 23. November 2001 ist Anlass für diese temporäre Installation in ihrer Heimatstadt.
Aus ihrem Werk habe ich zehn Sätze ausgewählt. Der Auswahlprozess war spannend – bis letztendlich diese zehn Sätze übrig blieben. Dem folgte die Zuordnung zu den Gebäuden bzw. Plätzen im Stadtgebiet.
Ich habe diese Botschaften der Künstlerin aus dem Kontext genommen und in Form von Transparenten neu sichtbar gemacht.
Jeder Satz wirbt nicht für einbestimmtes Produkt – wie wir es aus der Werbung kennen – er steht für einen ganzen Kosmos von Gedanken, für das Werk der Dichterin Marieluiese Fleißer.“
Babette Ueberschär

Wir haben am Tag genug Gegend
Pioniere in Ingolstadt
Pionier Münsterer zum Feldwebel

Schön ist, wenn einer an so was denkt
Pioniere in Ingolstadt
Berta zu Münsterer

Wen ich einmal sehe, den weiß ich
Pioniere in Ingolstadt
Alma zum Feldwebel

Eine Liebe muß keine dabei sein
Pioniere in Ingolstadt
Karl zu Berta

Es ist was mit dem Herzen und du weißt es nicht
Pioniere in Ingolstadt
Berta zu Karl

Er hat doch etwas von einem Menschen
Die Dreizehnjährigen
Olga zu ihrer Mutter

Auf was für einer Erde bin ich
Fegefeuer in Ingolstadt
Roelle zu Olga

Immer muß ich einen Abgrund sehen
Tiefseefisch
Gesine zu Laurenz

Das Fräulein wird nur an den Beinen naß
Eine Zierde für den Verein
Gustl zum Fräulein

Die Menschen sind ja Steine
Eine Zierde für den Verein
Gustl Gillich

Spruchband an der Glacis-Brücke

Glacis-Brücke
„Immer muß ich einen Abgrund sehn.“
Tiefseefisch
Gesine zu Laurenz

Marieluise Fleißer

Mittwoch, 21. 11. 2001, 19.30 Uhr Ganghofersche Buchhandlung

Lesung mit Annette Hülsenbeck
Marieluise Fleißer: Leben im Spagat

(Edition Ebersbach)

Keine der am Anfang des 20. Jahrhunderts in die Literatur vorgedrungenen Frauen, weder Else Lasker-Schüler noch Nelly Sachs oder Irmgard Keun, haben den Konflikt mit der hartherzigen Männerwelt so leidvoll beschrieben wie Marieluise Fleißer. Aber während sich viele von ihnen durch die Literatur emanzipiert haben, bleibt Fleißer in der Engeder Provinz gefangen. Ihr Lebenbestand aus einem Spagat zwischen Idealvorstellung und Realität.

Annette Hülsenbeck präsentiertdie biografische und literarische Collage mit Texten, Bildern und Fotografien von Marieluise Fleißer, Bertolt Brecht, Therese Giehse, Rainer Werner Fassbinder, Lion Feuchtwanger, Franz Xaver Kroetz u.a.

Donnerstag, 22. 11. 2001, 18 Uhr Stadtmuseum im Kavalier Hepp

„Diese Frau ist ein Besitz“ – Marieluise Fleißer aus Ingolstadt

Eröffnung der Ausstellung zum 100. Geburtstag Marieluise Fleißers

Vorstellung des Katalogs in der Reihe Marbacher Magazin und Festvortrag der Verfasserin Hiltrud Häntzschel (München). Dabei wird der von der Stadt Ingolstadt herausgegebene Kunstkatalog „Du warst für mich das Wunder“ von Annette Lucks mit eingelegter Originalradierung angeboten. Der Band enthält Bilder, Zeichnungen und Entwürfe zu zehn Geschichten von Marieluise Fleißer. Die Künstlerin wurde 1996 für ihre Illustrationen einer bibliophilen Ausgabe der Fleißererzählungen Ein Pfund Orangen und 9 andere Geschichten beim Wettbewerb für die „schönsten Bücher des Jahres“ ausgezeichnet.

Der Experimentalfilm Fleißer und ihr Fassbinder von Fabian Feiner wird während der Ausstellung gezeigt.

Ausstellungsdauer: 23. 11. 2001 – 3. 2. 2002
Öffnungszeiten: Di bis Fr: 9 – 17 Uhr Sa und So: 10 – 17 Uhr
Eintritt: 6 DM, ermäßigt 3 DM

Zeichnung aus dem Kunstkatalog „Du warst für mich das Wunder“ von Annette Lucks

Fleißers Arbeitszimmer

„Diese Frau ist ein Besitz“ – aus Alfred Kerrs Diktum über die Dramatikerin aus Ingolstadt spricht zum einen Freude, die Bewunderung eines einflussreichen Literaten für ein außergewöhnliches Talent, aber auch der Besitzerstolz über einen Schatz, über den man verfügen kann und den man hüten muss. Marieluise Fleißer hatte nie ein literarisches Programm, aber sie stand, wie der Fund ihrer Korrespondenzen ausweist, überraschend eng mit Literaten ihrer Zeit in Kontakt. Fleißers Meinung zu Fragen der Literatur und ihre mutige Darstellung von Beziehungsproblemen der Geschlechter galten viel, wenn auch damals nicht in Ingolstadt. Das Spektrum ist erstaunlich weit und erstaunlich inhomogen: Das reicht von den arrivierten Kritikern (Alfred Kerr, Herbert Ihering, Alfred Polgar oder Kurt Pinthus) und dem 17 Jahre älteren Lion Feuchtwanger über die Literatenszene ihrer Generation (Bert Brecht, Hannes Küpper, Richard Friedenthal, Bodo Uhse, Joachim Maass, Hans Henny Jahnn, Erich Kästner, Hermann Kesten und Hellmuth Draws-Tychsen) und der respektvollen Wahrnehmung der Älteren (Thomas Mann, Wilhelm Lehmann, Wilhelm Schäfer, Georg Britting) bis zum Ratsuchen der Jüngeren (Wolfgang Weyrauch, Erich Kuby, Wolfgang Koeppen, Curt Hohoff, Günter Eich) und dem Vorbild für die Jüngsten, den „Söhnen“ (Rainer Werner Fassbinder, Franz Xaver Kroetz und Martin Sperr). Und es schillert in allen politischen Farben des 20. Jahrhunderts, nicht selten gleichzeitig.
Zahlreiche neu aufgefundene Dokumente lassen vor allem die junge, die intellektuelle, die schöpferische, die heißblütige Marieluise Fleißer aus Ingolstadt im Panorama einer aufregenden Zeit lebendig werden.

Katalog: Marbacher Magazin 96/2001, Sonderheft, bearbeitet von Hiltrud Häntzschel
Ausstellungsteil: Ingrid Eiden

Donnerstag, 22. 11. 2001, 20 Uhr Theater am Turm Baur

Uraufführung und Premiere des Schauspiels Marieluise von Kerstin Specht, einer Auftragsarbeit der Stadt Ingolstadt

Die Autorin zeichnet in kurzen expressiven Szenen das Leben Marieluise Fleißers bis zum Kriegsende nach.
Sie hält sich an den autobiographischen Text, den Fleißer für einen Materialband erstellte. Hauptstationen sind Klosterschule, Studium in München, Bekanntschaft mit Feuchtwanger und Brecht, die Uraufführungen ihrer Stücke und die Rückkehr in die Enge Ingolstadts, Ehe und Kriegseinsatz. So entsteht das faszinierende Bild einer Außenseiterin, die beinahe alle bürgerlichpatriarchalischen Normen überschreitet, den Aufbruch wagt. Für Fleißer waren „gefallene Engel“ verwandte Seelen. Wie diese wollte sie hoch hinaus und verstieß gegen die Normen. Das Bewusstsein von Sünde und Schuld zieht sich durch das ganze Werk der Autorin, prägt und beeinträchtigt ihren mutigen Aufbruch. Am Ende stehen Unterordnung und Ächtung. Am Ende des Specht-Stückes stehen Wiederentdeckung und Bekenntnis zu ihren „Söhnen“.

Regie: Silvia Armbruster
Ausstattung: Martin Krauss
Mit Chris Nonnast (Marieluise), Adelheid Bräu, Nina Langer, Annette Wunsch, Heimo Essl, Peter Greif, Johannes Langer

Das Stück läuft bis 12. 1. 2001.
Weitere Aufführungen im November: 22./24./25./26./30. 11. 2001

Marieluise-Fleißer-Sonderbriefmarke

Freitag, 23. 11 bis Sonntag, 25. 11. 2001 jeweils 11 – 18 Uhr Dokumentationsstätte Marieluise Fleißer im Fleißerhaus

Sonderpostamt im Fleißerhaus: Angeboten wird die Marieluise-Fleißer-Sonderbriefmarke zusammen mit Postkarten und Kuverts. Es gibt einen Sonderstempel zum 100. Geburtstag Marieluise Fleißers.

Freitag, 23. 11. 2001, 18 Uhr Foyer des Theaters

Günther Rühle präsentiert seine neue Ausgabe der Briefe Marieluise Fleißers, den V. Band der Gesammelten Werke

Veranstalter: Marieluise-Fleißer-Gesellschaft, Suhrkamp Verlag, Stadt Ingolstadt

Günther Rühle, Herausgeber der Gesammelten Werke (Suhrkamp), hat aus über 3.000 Briefen von und an Marieluise Fleißer eine Auswahl getroffen, die bisher unbekannte Einblicke in Leben und Schreiben der Autorin gibt und alle wesentlichen Briefpartner in den Jahren zwischen 1925 und 1974 berücksichtigt, wie Bertolt Brecht, Joseph Breitbach, Rainer Werner Fassbinder, Lion Feuchtwanger (Foto), Richard Friedenthal, Therese Giehse, Erich Kästner, Franz Xaver Kroetz, Wolfgang Koeppen, Robert Musil, Kurt Pinthus und Martin Sperr.

Günther Rühle
Petra Morsbach

Freitag, 23. 11. 2001, 20 Uhr Theater, Großes Haus

Verleihung Marieluise-Fleißer-Preis 2001 an Petra Morsbach

Laudatio: Prof. Dr. Johano Strasser, P.E.N.-Club

Der in diesem Jahr zum siebten Mal vergebene Marieluise-Fleißer-Preis wurde erstmals im Jahr 1981 – zum 80. Geburtstag der 1974 verstorbenen Autorin – vergeben und sollte ursprünglich alle fünf Jahre verliehen werden. 1989 fasste der Stadtrat den Beschluss, die Ehrung zukünftig alle drei Jahre vorzunehmen. Ab dem Jahr 2001 wird der Preis im zweijährigen Turnus verliehen, um ihn somit besser im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten. Die Auszeichnung ist mit 15.000 DM dotiert, ab dem Jahr 2003 mit 10.000 Euro.

Die bisherigen Preisträger:
1981 Irmgard Keun (* 1910;† 1982)
1986 Uwe Dick (* 1942)
1989 Herta Müller (* 1951)
1992 Thomas Hürlimann (* 1950)
1995 Robert Schneider (* 1961)
1998 Gert Heidenreich (* 1944)

Die Preisträgerin 2001 Petra Morsbach, geboren 1956, studierte in München und Leningrad und hat zehn Jahre lang als Dramaturgin in verschiedenen Städten gearbeitet und Regie geführt. Heute lebt sie in Pöcking am Starnberger See. Seit 1982 widmet sie sich ausschließlich der Schriftstellerei. In ihren Werken stehen unerfülltes Glücksstreben und ungestillte Sehnsüchte im Mittelpunkt, eine Thematik, die mit der Namensgeberin des ihr von der Stadt Ingolstadt verliehenen Preises verbindet.

Romane:
„Plötzlich ist es Abend“ (1995)
„Opernroman“ (1998)
„Geschichte mit Pferden“ (2001)

Samstag, 24. 11. 2001, ab 11 Uhr Barocksaal des Stadtmuseums

Marieluise Fleißer in den Turbulenzen ihrer Zeit: Rückblicke zum 100. Geburtstag

Symposium

(Eintrittt frei)
Zum 100. Geburtstag von Marieluise Fleißer und ein gutes Vierteljahrhundert nach ihrem Tod erscheint es sinnvoll, nach den immens angewachsenen literaturwissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Publikationen, grundsätzliche und resümierende Überlegungen zu Fleißers Biographie, zu ihrem Werk und dessen Rezeption zu diskutieren. Sinnvoll ist dieses Projekt, weil eine Fälle neuer Funde, vor allem Fleißers Korrespondenzen, und hartnäckige Archivrecherchen viele immer wiederholte „Gewissheiten“ ihrer Biographie wie Lesarten ihres Werkes in Frage stellen.

Im Mittelpunkt des Kolloquiums stehen die Aspekte Biographie, Geschlechterproblematik, Bühnensprache und Theaterpraxis. Sie werden ein wissenschaftlich orientiertes Publikum ebenso ansprechen wie ein allgemein interessiertes.

Das Symposium wird gefördert von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten – ALG.

11 Uhr
Dr. Hiltrud Häntzschel (München), Dr. phil. in Germanistik und Philosophie, Freiberufliche Publizistin (u.a. für die Süddeutsche Zeitung und den Bayerischen Rundfunk), Schwerpunkte Wissenschaftsgeschichte von Frauen, Exil- und Holocaustforschung, mehrere Publikationen über Fleißer, Monographie über Irmgard Keun:

Marieluise Fleißers Lebenserzählung – Dokumente und Fiktionen

15 Uhr
Prof. Dr. Irmela von der Lühe, Dozentin für Neuere Deutsche Literatur an der Uni Göttingen, Schwerpunkte Mann-Familie, Exil- und Holocaustliteratur:

„Denn einer war wie der andere“ – Die Ordnung der Geschlechter in der Prosa Marieluise Fleißers

16.15 Uhr
Helga Illich-Wiesner (Wien), Schauspielerin und Regisseurin, leitet mit ihrem Mann Helmut Wiesner das Theater gruppe 80 in Wien, führte Regie der Fleißer- Stücke: Der starke Stamm (1993), Der Tiefseefisch (1994), Fegefeuer in Ingolstadt (1995):

„Ich wollte hoch hinaus in die Welt und wusste dafür aber keinen Weg“ – Zur Figurensprache auf der Bühne

Anschließend:
Führung durch die Ausstellung

„Diese Frau ist ein Besitz“ – Marieluise Fleißer aus Ingolstadt

20 Uhr
Theater am Turm Baur

Aufführung des Schauspiels Marieluise von Kerstin Specht

Sonntag, 25. 11. 2001, Foyer des Stadttheaters Ingolstadt

11 Uhr

Die Dramatikerin und Erzählerin Gerlind Reinshagen (Berlin) liest aus veröffentlichten und unveröffentlichten eigenen Werken.

11.30 Uhr

Werkstattgespräch zur Aufführung von Kerstin Spechts Marieluise

mit Regisseurin Silvia Armbruster, Dramaturgie, Schauspielern sowie Gerlind Reinshagen und Helga Illich-Wiesner.
Moderation: Friedrich Kraft

Marieluise Fleißer und Berthold Brecht
Marieluise Fleißer

Donnerstag, 29. 11. 2001, 19.30 Uhr Barocksaal des Stadtmuseums

„Es müsste um Gottes Willen sich lohnen“ – Marieluise Fleißers Herkunft aus der katholischen Tradition

Vortrag von Andreas Betz (Apian-Gymnasium)
Veranstalter: Katholisches Stadtdekanat/Dekanatsbüro

Marieluise Fleißer ist nach ihren eigenen Worten aufgewachsen im Umkreis der „Oberen Pfarr“ und wurde schulisch geprägt vom Kloster Gnadenthal in Ingolstadt („Kinderland“) sowie durch die „sechsjährige Verbannung ins Kloster“ in Regensburg („Ich ahnte den Sprengstoff nicht“), wo sie 1920 das Abitur ablegte. Ohne Zweifel ist sie damit von der „katholischen Tradition“ geprägt worden, was die Forschung deutlich herausgearbeitet hat. Weniger Beachtung fand der bisher unveröffentlichte Briefwechsel mit ihrer Schwester Anny, die als Ordensschwester von 1926 bis 1949 in Afrika lebte, sowie ihre lebenslange Auseinandersetzung mit religiösen Fragestellungen.

Marieluise Fleißer hat als Schriftstellerin einen festen Platz in der Literatur der Moderne und bezeichnet sich selbst „dem Glauben nach“ als „katholische Christin“ (1954 im Brief an Lion Feuchtwanger). Damit stellt sich an ihrem Beispiel die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Literatur im Zeitalter der Moderne.

Sonntag, 3. 2. 2002, 11 Uhr Barocksaal des Stadtmuseums

Finissage: Die Kleider der Marieluise Fleißer

Mit dieser Installation von Annette Hülsenbeck, Dozentin für das Fach Textil an der Universität Osnabrück, endet die Ausstellung „Diese Frau ist ein Besitz“ – Marieluise Fleißer aus Ingolstadt

Brillen der Marieluise Fleißer
Gerda Wanda Pohley

Donnerstag, 6. 6. 2002, 18 Uhr Eröffnung der Wechselausstellung im Fleißerhaus (Kupferstraße 18)

Illustrationen der Ingolstädter Künstlerin Gerda Wanda Pohley zu Marieluise Fleißer

Dauer der Ausstellung: 6. 6. 2002 – 1. 12. 2002
Öffnungszeiten: Do bis So 11 – 18 Uhr
Eintritt frei

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