Mit Sack und Pack

Gewebte Säcke und Taschen orientalischer Hirtenvölker

Gewebte Taschen

9. Februar 2006 – 29. Oktober 2006

(Bauerngerätemuseum Hundszell)

Bei den Nomadenkulturen des Orients ist es seit uralten Zeiten gebräuchlich, die auf den Wanderungen benötigten Nahrungsmittel, Vorräte und alltäglichen Utensilien in textilen Behältern verschiedenster Art aufzubewahren und zu transportieren. Aufgrund ihrer qualitativ hochwertigen und künstlerisch anspruchsvollen Ausführung sind die Packtaschen, Vorratssäcke und sonstigen Behältnisse über ihre reine Gebrauchsfunktion hinaus auch beliebte Dekorationsstücke. Mit ihren typischen Ornamenten und Mustern weisen sie zudem auf die Zugehörigkeit zu einem Stamm oder auf eine bestimmte regionale Herkunft hin.
Webstücke, zu denen neben den Behältnissen aller Art auch Kelims, Tierdecken, Schmuck- oder Zeltbänder gehören, sind Bestandteil der Mitgift für Neuvermählte und demonstrieren in Anzahl und Ausführung den finanziellen Status der beteiligten Familien.

Zur Herstellung der Gewebe dienen die vor Ort verfügbaren Rohstoffe, vor allem Schafswolle, vereinzelt auch Baumwolle, Ziegenhaar und Seide, sowie Farbstoffe aus der Natur. Die Verarbeitung solch einfacher Materialien zu kunstvollen Geweben erfordert Geschick, Können und Erfahrung in den Techniken des Webens und Broschierens sowie des Färbens.
Die hier dokumentierten Webstücke bieten einen kleinen Querschnitt durch die Sammlung Gerhard Hummel. Die Stücke stammen aus dem Orient (Türkei, Kaukasus, Persien, Afghanistan, Pakistan, Usbekistan), wo sie in der Regel in Gebrauch waren. Unter dem Ausstellungstitel „mit Sack und Pack“ werden die wichtigsten Stücke der Sammlung im Bauerngerätemuseum Hundszell erstmals öffentlich vorgestellt.

Gewebte Taschen
Satteltaschen

Satteltaschen

Satteltaschen (Doppeltaschen) werden im Orient stets in einem Stück angefertigt. Die beiden Endstücke werden umgeklappt und seitlich vernäht. Sie stellen dann die sichtbaren Taschenfronten dar. Häufig verbleibt dazwischen der Taschensteg, der mit den Taschenrückteilen auf dem Tragtier aufliegt.

Zelttaschen

Zelttaschen sind Aufbewahrungs- und Transporttaschen im Querformat der Turkmenen. Darin finden unterschiedlichste Utensilien Platz. Die Behälter werden in der Jurte oder im Zelt aufgehängt und dienen gleichzeitig als Zeltschmuck. Große Formate werden als Tschowals, kleinere als Torbas bezeichnet.

Zelttasche

Säcke

Säcke

Vorrats- oder Schmucksäcke werden als Längsformat hergestellt. Sie dienen zur Aufbewahrung und zum Transport von verschiedenen Waren wie Getreide, Zwiebeln, Brennholz etc.

Umhängetaschen

Umhängetaschen sind Taschen kleineren Formats, die, über die Schulter gehängt, zur Mitnahme von persönlichen Gegenständen oder kleineren Einkäufen dienen.

Umhängetaschen
Mafrasch

Mafraschs

Mafraschs sind große kubische Packtaschen, in denen die Nomaden auf den Wanderungen vorwiegend Bettzeug hoch auf dem Kamel transportieren. Sie werden auch im Zelt als Wiegen für Kleinkinder genutzt.

Salztaschen

Salztaschen (Namakdans) haben eine unverwechselbare Form. Der verjüngte Hals dient als Verschluss und verhindert das Auslaufen des Salzes.

Geldtaschen
Salztasche

Geldtaschen

In den länglichen, extrem fein und dicht gewobenen Geldtaschen (Pul Donnehs) sollen gemäß Fachliteratur Belutschen ihr Geld verwahren.

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