Worte werden Bilder

Ingolstädter Künstler zu Marieluise Fleißer

Gemälde von Gerda Wanda Pohley

14. Oktober 2007 – 6. April 2008

(Fleißerhaus)

„Worte werden Bilder“. So begeisterten sich Rezensenten über Marieluise Fleißers sprachliche Originalität. Die Besprechungen hoben durchgängig die bildhafte Plastizität ihrer Sprachgestaltung hervor, mit der sie in Erzählungen und Dramen ihr Thema - die sich in der Mann-Frau-Beziehung manifestierende Kollision von Fremd- und Selbstbestimmung - innovativ veranschaulichte.

Marieluise Fleißer

Bekanntlich formulierte die Schriftstellerin knapp und einfach. Aber für ihre vordergründig schlichten Formulierungen verwendete sie bewusst und kunstfertig Ausdrücke von konkreter, vielschichtiger Bildlichkeit, die das Wesentliche von Figuren und Handlungen unmittelbar zum Vorschein brachten. Durch diesen Kunstgriff verlieh sie ihrer Sprache den Charakter von Zeichnungen.

Fleißers Sprachbilder inspirierten ab den 1960er Jahren Ingolstädter Künstler zu kreativen Reaktionen in ihrer individuellen Bildersprache. Ihre bildkünstlerischen Arbeiten ergaben sich aus ihrem subjektiven Dialog mit den literarischen Texten.

Zu ausdrucksstarken und emotionalisierenden Illustrationen verdichtete Knut Schnurer seine holzschnittartigen, realismusgetränkten Tuschezeichnungen um Fleißers Drama Pioniere in Ingolstadt.

Tuschezeichnung von Knut Schnurer
Illustration von Ana Feiner-Zalac

Mit Tusche und Feder notierte Ana Feiner-Zalac auf ihren Blättern Impressionen und Reflexionen, die sich bei ihrer intensiven Beschäftigung mit Fleißers Abenteuer im Englischen Garten spontan einstellten.

Sensibel für die auf allgemein Menschliches verweisende Individualität der Protagonisten verbildlichte Dorothea Grill mit ihrem Bleistift milieugesättigte Szenen aus der Fleißersche Erzählprosa und Dramatik.

Aquarelle wurden Jitka Berak-Oskar das Medium, um das von Zärtlichkeit bis Gewalttätigkeit gespannte Gefühlsspektrum der Personen aus Fleißers narrativem und dramatischem Werk intuitiv zu erspüren.

Bleistiftzeichnung von Dorothea Grill Aquarell von Jitka Berak-Oskar Zeichnung von Gerda Wanda Pohley

Wie die charakteristische Ausdruckskunst einer Künstler-Persönlichkeit aus der Eigenart künstlerischer Kreativität erwächst, fing Gerda Wanda Pohley in farbigen Gemälden und schwarzweißen Zeichnungen ein.

Künstler bebilderten das Gelesene. Sie entfalteten die den Texten eignende Welt- und Sinnhaltigkeit. Sie konturierten die Leseerlebnisse des Lesers. Sie visualisierten die von ihnen erlesene Befindlichkeit des fiktiven Personals. Sie zeigten das für (Sprach-) Kunstschaffen(de) stets Signifikante auf. Dadurch entwickelten sie eine aus originellem Ideenreichtum hervorgebrachte und mit bildkünstlerischer Professionalität gestaltete Bilderwelt.
Das Fleißerhaus vereint eine repräsentative Auswahl dieser stilistisch und konzeptuell differierenden Bilder als Hommage an die Kreativität und Könnerschaft der Ingolstadt eng verbundenen, doch weit über die Stadt hinaus bekannten Künstler.
Die Zusammenstellung von Momentaufnahmen ihrer persönlichen Einlassung auf Texte und Persönlichkeit der Fleißer ist eine Einladung an alle, das regionale Kunstprofil kennen, ja schätzen zu lernen.

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