Als die Franziskanerkirche noch Garnisonskirche hieß

Edmund Hausfelder

Inhalt:

  1. Säkularisation in Ingolstadt
  2. Von der Klosterkirche zur Garnisonskirche
  3. Überfällige Renovierung
  4. Erneute Renovierungsmaßnahmen
Franziskanerkirche

Das Schicksal einer säkularisierten Klosterkirche 1802 – 1918 dargestellt anhand der Akten im Kriegsarchiv von Edmund Hausfelder

Der Friede von Lunéville am 9. Februar 1801 beendete den 2. Koalitionskrieg zwischen Frankreich und Österreich. Artikel 7 des Friedensvertrags sah vor, daß die deutschen Fürsten, die links des Rheins Gebiete an Frankreich abtreten mußten, innerhalb des Reichs entschädigt wurden. Am 9. Mai erfolgte die Ratifizierung dieses Vertrags. Er bildete die rechtliche Voraussetzung zur Säkularisierung der Klöster und der geistlichen Fürstentümer. Davon waren auch die vier Ingolstädter Klöster (Augustiner-Eremiten, Franziskaner, Franziskanerinnen bei St. Johann im Gnadenthal und Ursulinen) betroffen.

1. Säkularisation in Ingolstadt

Durch ein Dekret des Kurfürsten Ma  IV. Joseph vom 25. Februar 1802 wurde die bayerische Franziskanerprovinz wie auch die Augustinerprovinz zum Aussterben verurteilt. Ein weiteres Dekret vom 3. Februar bestellte den Ingolstädter Salzbeamten Johann Baptist Fleischmann zum zuständigen Kommissär für die vorbereitenden Maßnahmen zur Klosteraufhebung. Da dieser jedoch vor Ort auf unerwartete Schwierigkeiten stieß, beauftragte man in München den Landesdirektionsrat Freiherrn von Leyden mit einer Inspektion der Ingolstädter Klöster der Augustiner und Franziskaner.
Die hiesige Niederlassung der Franziskaner wurde zum Aussterbekloster für die bayerische Ordensprovinz bestimmt (Zentralkloster Ingolstadt I).

Am 11. Februar nahm Baron Leyden beide Klöster in Augenschein, um vor allem festzustellen, wieviele Personen darin Platz finden könnten. In seinem Bericht spricht Leyden von 23 heizbaren und 44 unheizbaren Zellen im Franziskanerkloster, die insgesamt 75 Personen aufnehmen könnten. Da im Kloster zum Zeitpunkt der Besichtigung 44 Personen, 34 geistliche und 10 weltliche, lebten, konnten also noch weitere 31 hierher versetzt werden. Bettstellen waren bis dahin freilich nur 47 vorhanden. Von den 34 geistlichen Personen werden in einem anderen Bericht sechs als Ausländer bezeichnet, darunter z. B. P. Diodor Stadler aus der Gegend von Berching im Hochstift Eichstätt und P. Veremund Zwink aus Arnschwang bei Furth im Wald, die in ihre Heimat zurückkehren müßten.
(P. Bernardin Lins, Geschichte des früheren (oberen) Franziskanerklosters in Ingolstadt, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 37/1917, S. 67 f.; ders., Ingolstadt - das alte Franziskanerkloster an der Harderstraße, in: Bavaria Franciscana Antiqua, 5. Bd., München 1961, S. 214 ff.; Alfons Maria Scheglmann, Geschichte der Säkularisation im rechtsrheinischen Bayern, 2. Bd., Regensburg 1904, S. 92..)
Gleichzeitig erkundigte man sich bei den beiden Stadtpfarrern, ob die Franziskaner zur Verrichtung bestimmter Funktionen notwendig seien. Münsterpfarrer Dr. Oeggl beantwortete diese Frage mit Nein, Moritzpfarrer Dr. Mederer, selbst ein ehemaliger Ordensgeistlicher, schrieb zurück:
„ … dermalen versieht die Pfarrkanzel (Predigeramt) P. Epiphan Weber, ein Mann, der von dem Pfarrvolk allen Beifall hat und dem ich selbst, da ich bei allen seinen Predigten gegenwärtig bin, das Zeugnis geben kann, daß er nichts Mönchisches mit Histörchen und Andächteleien an sich habe, sondern das reine Evangelium und eine gesunde Moral predige.“
Aufgrund dieser Berichte erging von der Regierung die Weisung, den Personalstand des Franziskanerklosters auf 78 zu erhöhen. Schon am 4. Mai sollten 27 Patres, 3 Kleriker und 10 Brüder aus München eintreffen. (Lins, Geschichte des … Franziskanerklosters …, S. 69; ders., Ingolstadt-…, S. 217 f.)

Ganz so reibungslos, wie es sich die Klosterkommission vorgestellt hatte, ging diese Verschiebeaktion jedoch nicht vor sich. Zwei „Ausländer“ konnten vorerst wegen Krankheit nicht von Ingolstadt weggeschickt werden. Andererseits waren auch zwei Patres und drei Brüder aus München nicht transportfähig. Die Zahl der neu Hinzugekommenen reichte bereits aus, daß das Haus bis auf den letzten Winkel belegt war. In manchen Zellen mußten sogar vier Personen beisammen wohnen und mit einer mageren Pension ihren Lebensabend verbringen.
Die Klosterinsassen wechselten in der Folgezeit häufig. Noch im März traten acht Patres und ein Bruder aus, statt dessen kamen neun neue Mitbrüder an, diesmal aus Landshut. Trotz einer Eingabe von P. Provinzial Expedit Walter änderte sich an den Wohnverhältnissen in den kommenden Jahren so gut wie nichts. Immerhin mußten am 29. Mai die letzten Augustiner ihr Kloster räumen, für sie war in München ein Aussterbekloster eingerichtet worden, und mehreren bereits am folgenden Tag eintreffenden Franziskanern Platz machen. Doch schon am 29. Mai war auch das ehemalige Augustinerkloster mit insgesamt 27 Patres und 5 Brüdern belegt und dadurch ebenfalls hoffnungslos überfüllt (Zentralkloster Ingolstadt II). Vor der Aufhebung hatten im Augustinerkloster lediglich 8 Patres und 4 Brüder gewohnt.

Besser wurde es erst, als die Landesdirektion dem Kloster Ingolstadt I am 20. Mai 1807 mitteilte, daß man beschlossen habe, den Personalstand zu verringern. Tatsächlich wurden mehrere Leute ins Kloster Dietfurt verlegt. Trotzdem war die Zahl der in Ingolstadt verbliebenen Personen bereits im September, nachdem mehrere Brüder aus anderen Klöstern hierher gekommen waren, wieder auf 60 angewachsen. Bis 1816 war ihre Zahl, bedingt durch vereinzelte Austritte, vor allem aber durch Todesfälle, allerdings auf 33 zurückgegangen.
(Lins, Geschichte Franziskanerkloster, S. 70 f.; ders., Ingolstadt, S. 219 f.; ders., Geschichte des ehemaligen Augustiner- und jetzigen (unteren) Franziskaner-Klosters in Ingolstadt, in: Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt 39/1919, S. 30 f. u. 34 f..)

Die hoffnungslose Lage des Franziskanerordens änderte sich erst nach dem Regierungsantritt König Ludwigs I. Dieser besuchte am 5. Mai 1826 das hiesige Kloster. Durch diesen Besuch ermutigt, reichte eine Woche später Provinzvikar P. Johann Nepomuk Glöttner ein Gesuch beim König ein, in dem er um die Erlaubnis zur Aufnahme von Novizen bat. Nicht zuletzt dem günstigen Einfluß seines Beichtvaters, P. Cornelius Weiß, eines Franziskaners (Weiß hatte ursprünglich im Konvent von Neuburg a.d.Donau gelebt, war 1803 vom Provinzial als Beichtvater für Deutsche nach Rom geschickt, 1810 aber von den Franzosen wieder vertrieben worden, dann in das Zentralkloster nach Ingolstadt zurückgekehrt und 1814 von neuem nach Rom aufgebrochen, wo er den König später persönlich kennenlernte.), war es zu verdanken, daß Ludwig I. dem Provinzvikar am 16. Mai 1827 diese Bitte erfüllte und in München am Lehel wieder ein Franziskanerkloster errichtete, „welches, desgleichen das zu Ingolstadt verbleibende, Novizen aufnehmen“ durfte.
Gleichzeitig wurde jedoch die Freude der Franziskaner durch die Nachricht etwas getrübt, daß nicht Ingolstadt I sondern Ingolstadt II, also das ehemalige Augustinerkloster, als künftiges Franziskanerkloster zu dienen habe. Provinzvikar Glöttner hatte nämlich schon am 10. Juni 1825 in einem Schreiben an die Regierung des Regenkreises darum gebeten, das untere Kloster, „das ohnehin für die Franziskaner weniger geeignet“ sei, aufzulösen und die Insassen in das obere Kloster umzusiedeln. Er hatte ferner unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß es die Mitbrüder im oberen Kloster vorzögen, eher in auswärtige Zentralklöster als in das untere Kloster versetzt zu werden. Am 31. Oktober wurde das neue Kloster in München von Ingolstadt aus besiedelt. Am 16. Dezember erließ die Regierung des Regenkreises, dazu gehörte Ingolstadt seit 1817, die Aufforderung, das Kloster Ingolstadt I zu räumen. Im Januar 1828 verließen die letzten Franziskaner das obere Kloster. Damit war zugleich auch die Kirche verwaist. Gerade das Schicksal dieser Kirche aber soll uns nun im Besonderen interessieren.
(Lins, Geschichte Franziskanerkloster, S. 77; ders. Ingolstadt, S. 223 f.; ders, Geschichte Augustinerkloster, S. 37 f.; Scheglmann, S. 99 ff.; P. Johannes Gatz, Das frühere Augustinerkloster und ehemalige Franziskanerkloster Unserer Lieben Frau ob der Schutter in Ingolstadt, in: Bavaria Franciscana Antiqua, 1. Bd., München o.J., S. 14 f..)

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2. Von der Klosterkirche zur Garnisonskirche

Nachdem das Kloster am 7. Mai 1836 an das bayerische Militär abgetreten worden war, sollte das Inventar der Kirche mit einem Schätzwert von 2931 fl. 30 kr. gemäß Reskripts des Finanzministeriums vom 22. Juli 1837 „extradiert“ werden, jedoch mit dem Vorbehalt der Genehmigung durch den König. (Lins, Geschichte Franziskanerkloster, S. 78..)
Zwei Tage später genehmigte Ludwig I. die Übergabe des Klosters an die Festungsbaudirektion Ingolstadt, „doch ist dieser die Auflage zu machen, daß alles in gutem Stand fortwährend erhalten werden muß.“ Kirche, Kloster mit Kellern, Bräuhaus und Ausgeherhaus wurden zusammen auf 32.800 fl. geschätzt, hinzu kamen noch der große Hauptgarten, das Pestwurz-, das Kreuzwurz-, das Apothekerwurz-, das Bräuhaus-, das Wurz- und Obst- und das Sakristeigärtchen im Wert von 8440 fl., insgesamt also 41.240 fl.
Bereits 1831 hatte es Überlegungen gegeben, „unter welchen Voraussetzungen die Überlassung der ehemaligen Franziskanerkirche … an die protestantische Gemeinde möglich betrachtet werden könne.“ 1837 nun wurden derartige Überlegungen erneut aktuell. Nachdem aber den Verhandlungen mit der protestantischen Stadtpfarrei kein Erfolg beschieden war, blieb die Kirche weiterhin ungenutzt. Der Ausverkauf des Kircheninventars hatte jedoch bereits begonnen. Am 21. Oktober 1832 waren an die Kirche in Katharinenberg ein Altar, vier Leuchter, drei Kanontafeln und acht Betstühle unentgeltlich abgeliefert worden.

Betrachten wir nun aber das „Inventar über die Kirchengerätschaften“, das am 4. August 1837 im Verlauf der Verhandlungen mit der evangelischen Pfarrgemeinde erstellt wurde, einmal genauer.
Daraus erfahren wir nähere Einzelheiten über die damalige Einrichtung der Kirche:

  • Hochaltar aus Holz, Höhe 60 Fuß, Breite 24 Fuß, errichtet dem Hl. Theodor, Zustand gut. Das Altarblatt wird auf 150 fl. veranschlagt.
    „Dieser übrigens schöne Altar sollte einstens wieder in einer vornehmen Kirche prangen.“
  • St.-Xaver-Altar aus Holz, Höhe 29 1/2 Fuß, Breite 12 Fuß, Zustand mittelmäßig, wurmstichig, Ölgemälde veranschlagt auf 150 fl.
  • St.-Sebastians-Altar aus Holz, Höhe 29 1/2 Fuß, Breite 12 Fuß, Zustand mittelmäßig, Ölgemälde 40 fl.
  • St.-Franziskus-Altar, gewöhnliche Tischlerarbeit, Höhe 29 Fuß, Breite 15 Fuß, Zustand gut, Gemälde 3 fl.
  • Liebfrauen-Altar aus Holz, Höhe 29 Fuß, Breite 15 Fuß, Zustand gut, Ölgemälde 5 fl.
  • St.-Antonius-Altar, Höhe 27 Fuß, Breite 14 Fuß, Zustand mittelmäßig, reparaturbedürftig, Ölgemälde 3 fl.
  • St.-Felix-Altar, Höhe 29 Fuß, Breite 12 Fuß, Gemälde ohne Wert
  • St.-Clemens-Altar aus Holz, Höhe 29 Fuß, Breite 12 Fuß, Zustand gut, Gemälde ohne besonderen Wert
  • St.-Katharinen-Altar aus Holz, Höhe 29 Fuß, Breite 12 Fuß, Zustand gut, Gemälde 20 fl.
  • St.-Lorenz-Altar, Höhe 29 Fuß, Breite 12 Fuß, Zustand mittelmäßig, Gemälde 10 fl.
  • Loretto-Kapelle: kleiner Altar aus Holz, Zustand schlecht
  • St.-Salvator-Kapelle: Altar, Zustand gut, Gemälde ohne Wert
  • Schmerzhafte-Mutter-Altar, Höhe 28 1/2 Fuß, Breite 16 Fuß, Zustand gut, Gemälde ohne Wert
  • Orgel mit 14 Registern, Zustand mittelmäßig, „zu bemerken, daß drei zinnerne Pfeifen abhanden gekommen sind“
  • Glocke, Gewicht ca. 5 Zentner 20 Pfund, Zustand gut
  • Glocke, Gewicht ca. 2 Zentner 20 Pfund, Zustand gut, „wurden die beiden Schwängel und die zwei Seile während der Belegung des Klosters mit Militär entwendet“;
    weiter heißt es: „Der Turm wurde bestiegen und gefunden, daß die kleine Glocke von jeher schon ohne Schwengel gewesen.“
  • Grabsteine: Christoph Gewold, Bronze, 1612, Wert 150 fl.

usw.

Am 26. Dezember 1847 richtete Münsterpfarrer Georg Angermaier ein Schreiben an die Festungsbaudirektion, in dem er um „Überlassung der oberen Franziskanerkirche zu gottesdienstlichen Funktionen für die Dauer der Reparatur der oberen Stadtpfarrkirche“ bat.
Im Antwortschreiben der Festungsbaudirektion heißt es: „Da die obere Franziskanerklosterkirche auf königlichen allerhöchsten Befehl zu militärischen Zwecken bestimmt und nebst den übrigen Klostergebäuden, dann dem Mobiliarinventar … der Festungsbaudirektion übergeben worden ist, so wird die gestellte Bitte der allerhöchsten Entschließung Seiner Majestät des Königs alleruntertänigst zu unterbreiten, und hierbei … zu berühren sein, ob und inwiefern dem vorübergehenden gottesdienstlichen Gebrauch der fraglichen Kirche nicht besondere Hindernisse, als etwa im gegenwärtigen Bauzustande derselben oder in der Beschaffenheit der Glocken, Kirchenstühle, Altäre und des sonstigen Mobiliars entgegenstehen möchten.“
Die Festungsbaudirektion erhielt den Auftrag, sich gemeinsam mit dem Oberen Stadtpfarramt von der gegenwärtigen „Gebäude- und Inventarsbeschaffenheit“ zu überzeugen und dann über die Zulässigkeit der gestellten Bitte oder über die „entgegenstehenden Bedenken mit möglichster Beschleunigung“ zu berichten.
Am 17. Februar 1848 richtete der Pfarrer erneut ein Schreiben nach München, diesmal an den König selbst: „Wegen Mangel anderweitiger hinlänglicher geräumiger und sonst verwendbarer Kirchen im Sprengel dieses Pfarramts“ bat er um „Überlassung der oberen Franziskanerkirche zu den gottesdienstlichen Funktionen für die Dauer der Reparaturen.“ Sie „könnte unbeschadet verwendet werden, insofern vorerst in der Kirche und Sakristei sowie an der Orgel und an einer der Glocken … die Reparaturen und Reinigungsarbeiten im Vorschlagsbetrag von 523 fl. 55 kr. 4 hl. vorgenommen werden dürfen.“
Der Kriegsminister, der dazu Stellung nehmen mußte, wies ausdrücklich darauf hin, daß die Festungsbaudirektion diese Arbeiten weder benötige noch veranlaßt habe, daher zur Bestreitung der Kosten nicht verbindlich gemacht werden könne, höchstens vielleicht mit den Verbesserungen an der Orgel und an der großen Glocke. Diese Reparaturen machten aber lediglich 291 fl. 12 kr. aus.
Am 26. Februar genehmigte der König das Ansuchen von Stadtpfarrer Angermeier, schrieb aber „während der Renovierung der Stadtpfarrkirche St. Moritz.“
Am 6. Februar wies der Kriegsminister folglich die Festungsbaudirektion an, die Franziskanerkirche an die Pfarrei St. Moritz zum Gottesdienst zu übergeben. Am 12. Februar stellte sich heraus, daß der König durchaus keinem Irrtum unterlegen war, als er „St. Moritz“ schrieb. Auch diese Pfarrei hatte nämlich seine Ansprüche „auf temporäre Überlassung“ der Kirche angemeldet, allerdings beim Ministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten.

In einem erneuten Schreiben an die Festungsbaudirektion wies Pfarrer Angermeier am 7. Februar darauf hin, daß höchste Gefahr für die Menschen bestehe und die Sperrung der Liebfrauenkirche „stündlich“ vorgenommen werden müsse. Keine der beiden anderen im Bereich der Oberen Pfarr liegenden Kirchen könne „die oberen Parochianen“ auch nur zu einem Drittel fassen, ganz abgesehen von ihrer „Entlegenheit.“
In ihrem Bericht an das Kriegsministerium stellte die Festungsbaudirektion am 8. Februar fest, daß die Obere Pfarrkirche wegen ihrer „geborstenen Spitzbogengewölbe die größte Gefahr für Menschenleben“ darstelle, während in St. Moritz nur Schönheitsreparaturen vorzunehmen seien und man damit durchaus noch warten könne. Gleichzeitig kam zum Ausdruck, daß die Obere Pfarr für die Dauer der Reparaturen, vorerst fünf Wochen, die Franziskanerkirche nutzen durfte. St. Moritz hatte bereits vor der Oberen Pfarr bei der Regierung von Oberbayern einen Antrag gestellt, deswegen war es zu dieser Verwechslung gekommen.

Am 23. Mai wurde ein Übergabeprotokoll gefertigt, wonach der Oberen Pfarr die Benützung von Franziskanerkirche „samt Sakristei und Chor“ vorläufig auf fünf Wochen erlaubt wurde. Gleichzeitig erfolgte die Übergabe von zwölf Schlüsseln: zur Haupttüre, zum Kreuzgang, vom Kreuzgang in die Kirche, vom Schrannenplatz in die Kirche, vom Kreuzgang zum Hochaltar, zur Gruft, zur Sakristei, von der Sakristei zum Chor, zur Chortüre in der 1. Etage, zur Kanzel, zum Tabernakel und zum Turm. Für Reparaturarbeiten wurden insgesamt 99 fl. 33kr. aufgewendet, Zimmermeister Häufl erhielt 27 fl. 37 kr., Schlossermeister Neumeier 41 fl. 14 kr., Glasermeister Schwarz 3 fl. und Glockengießer Pascolini 27 fl. 42 kr.

Am 6. Mai sprach der Kultusminister in einem Schreiben an seinen Kollegen im Kriegsministerium von einem neuerlichen Kostenvoranschlag für Reparaturen in Höhe von 219 fl. 55 kr. und fragte an, wie man dazu stehe, davon doch wenigstens 189 fl. 30 kr. zu übernehmen.
Der Kriegsminister bat daraufhin die Festungsbaudirektion um Mitteilung des momentanen Stands der Restaurierungsarbeiten an der Franziskanerkirche. In ihrer Antwort vom 18. Mai schrieb diese, daß sie Reparaturen am Glockenstuhl und an den Verschlüssen und Fenstern vorgenommen und die Kosten in Höhe von 99 fl. 33 kr. der Kirchenverwaltung in Rechnung gestellt habe.
Die Festungsbaudirektion hatte die Reparatur der Orgel und die Kosten für eine neue Tür übernommen und dafür 189 fl. 30 kr. bezahlt. Sie wies in einem Schreiben an das Kriegsministerium am 24. Mai ausdrücklich darauf hin, nicht weiter belastet werden zu können.
Am 12. Juni bat das Ministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten das Kriegsressort um Überlassung der Franziskanerkirche für die Gesamtdauer der Renovierung der Oberen Pfarr. Dies wurde genehmigt.
Es hat den Anschein, daß die Franziskanerkirche danach bis 1850 von der Oberen Pfarr genutzt wurde.

Im April 1852 erschien jedoch die Pfarrei St. Moritz wieder auf dem Plan und erneuerte ihre Bitte um Überlassung der Kirche für die Dauer einiger Reparaturarbeiten. Ob diesem Gesuch entsprochen wurde, geht aus den Akten leider nicht hervor und kann deshalb nur vermutet werden.
Im September 1853 bat Münsterpfarrer Angermeier die Festungsbaudirektion um Überlassung eines im Kreuzgang der Franziskanerkirche befindlichen, schadhaften hölzernen Kruzifixes. Es war an einigen Stellen beschädigt, aber durchaus noch zu reparieren. Nachdem es am jetzigen Ort keinen bestimmten Zweck mehr erfüllte, stand hinter dem Ersuchen keine andere Absicht, als das Kreuz zu restaurieren „und dem Weihezwecke der Verehrung“ wieder zuzuführen. Der Bitte wurde entsprochen, weil das Kreuz „nicht inventarisiert ist, in einem sehr beschädigten Zustand sich befindet“ und „bei Einrichtung einer dereinstigen Garnisonskirche nicht verwendet werden kann.“
Hier kam nun erstmals die Bezeichnung auf, unter der man die Franziskanerkirche auch heute noch kennt: Garnisonskirche. Bis es aber endgültig soweit war, sollten noch einmal 32 Jahre vergehen, in denen in der leerstehenden Kirche nichts geschah.

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3. Überfällige Renovierung

Erst aus einem Gutachten vom 9. Mai 1885 geht hervor, welche Pläne man mit der Kirche weiter verfolgte:

  • Abbruch der dem südlichen Seitenschiff angefügten drei Kapellen (Lichtenauer-, Loretto- und Montfortkapelle) und der ebendort befindlichen Nische „Geißelung Christi“, sowie Zumauerung der dadurch entstehenden Öffnungen;
  • Entfernung aller sechs Pfeiler und der zwei Seitenaltäre, letztere sollten durch zwei „einfache gotische“ Seitenaltäre ersetzt werden;
  • Restaurierung des Hauptschiffs und der Seitenschiffe, Zumauerung von vier nicht mehr erforderlichen Seitenausgängen (auf der Südseite die neben der Lichtenauerkapelle und über der Franziskanergruft, auf der Nordseite die in den Kreuzgang und in die jetzige Sakristei führenden);
  • Zuwölbung der Franziskanergruft mittels Eisenschienen;
  • Abbruch des jetzigen Hauptaltars im Presbyterium und der über den beiden Ausgängen angebrachten Oratorien;
  • Abbruch sämtlicher Beichtstühle und Zumauerung der entstehenden Nischen.

Am 5. August 1885 wurde ein Bericht über den Befund der Kunstwerke in der Franziskanerkirche erstellt, „welche teilweise zur Veräußerung, teilweise zu anderweitiger Verwendung an Ort und Stelle ausersehen sind.“
An Grabsteinen und Epitaphien werden u.a. aufgeführt:

  • Wolfgang Peisser, 1. Hälfte 16. Jahrhundert, „wäre für das Nationalmuseum zur Erwerbung erwünscht“,
  • Wolfgang Peisser, Zollner, † 1549, „auch dieser Stein wäre für das Nationalmuseum wünschenswert“,
  • Relieftafel „Darstellung der Kreuzabnahme Christi“, Ende 16. Jahrhundert, „die Erwerbung für das Nationalmuseum wäre erwünscht“,
  • Johann von der Leiter, † 19.9.1547, „wäre zur Erwerbung für das Nationalmuseum zu empfehlen“, …

Außerdem:

  • Hochaltar, „üppiges Werk des 18. Jahrhunderts“, von P. Aventin Maisthuber 1755 ausgeführt, ….

Die Freskomalereien waren nur noch sehr fragmentarisch erhalten.
Der Wert der Chorstühle war immerhin bedeutend genug, um „ihre Veräußerung als bedauerlich erscheinen zu lassen.“
Unterschrieben war der Bericht von Dr. Hugo Graf, I. Konservator am Bayerischen Nationalmuseum.
Das Bischöfliche Ordinariat in Eichstätt sollte sich eventuell verbindlich machen, einige Kunstgegenstände zu übernehmen und dafür den Schätzwert zu entrichten.
Nach einem Ortstermin am 11. Juni 1886, an dem auch der städtische Rechtsrat und Vorsitzende des Historischen Vereins, Franz Xaver Ostermair, teilnahm, wurde vier Tage später ein Gutachten erstellt, wonach von der Kircheneinrichtung veräußert werden sollte:

  • das Chorgestühl (Verkaufswert 2500 Mark),
  • die Orgel mit einem Manual und 14 Registern (Verkaufswert 500 Mark; der Wert lag so niedrig, weil das Instrument reparaturbedürftig war),
  • der Hochaltar (Verkaufswert 500 Mark, ohne Altarbild 300 Mark),
  • die Einrichtung der drei schon früher genannten Kapellen usw.

Die Gesamtsumme aller zum Verkauf stehenden Gegenstände wurde mit 6838 Mark angesetzt.
Am 24. Februar berichtete das Kriegsministerium an das Ministerium für Kirchen- und Schulangelegenheiten, „daß beabsichtigt ist, die ehemalige Franziskaner-, nunmehrige Garnisonskirche Ingolstadt mit Rücksicht auf den historischen Kunstwert dieser Baudenkmäler einer einfachen thunlichst stilvollen Restaurierung zu unterziehen.“ Der zu dieser Maßnahme beigezogene Architekt Hasselmann erklärte, die erforderlichen Detailpläne unmöglich bis zum festgelegten Termin fertigstellen zu können, und erhielt Fristverlängerung.

Ende März wurde die Kanzel vom Verkauf ausgenommen und blieb „vorerst“ in der Kirche.
Im April wurden auch die Reliquien des Hl. Clemens und der Hl. Felicitas vom Verkauf ausgenommen und sollten dem Ordinariat in Eichstätt zur freien Verfügung überlassen werden. Das Ordinariat lehnte jedoch die Übernahme von Gegenständen zum Schätzwert ab, weil dafür keine Verwendung bestehe. Mit demselben Argument lehnte auch das Benediktinerkloster Metten die Übernahme des Chorgestühls ab. Die Pfarrkirche St. Moritz wollte dagegen die zehn Sitzbänke in der Montfortkapelle um den Schätzpreis von 70 Mark und zusätzlich eventuell sogar noch einige Chor- und Beichtstühle übernehmen.
Nach der Ablehnung aus Eichstätt wurden die Einrichtungsgegenstände den anderen Ordinariaten im diesseitigen Bayern zum Kauf angeboten.

Am 6. Mai wurde der Detailentwurf für die Renovierung dem Oberbaurat und Dombaumeister Denzinger zur Abgabe eines Gutachtens zugeschickt.
Am 15. Mai eröffnete der Kriegsminister der Garnisonsbauverwaltung Ingolstadt in einem Telegramm, daß er „Montag früh neun Uhr dort eintreffen“ werde, um die „Garnison zu besichtigen. Wagen am Bahnhof besorgen. Keinerlei militärischer Empfang.“ Tatsächlich kam Kriegsminister Generalleutnant Adolph von Heinleth am 17. Mai nach Ingolstadt und nahm die Franziskanerkirche in Augenschein.
Im Mai wurde auch bekannt, daß Domvikar Dengler von Regensburg den Hochaltar mit Altarbild und den Holzschrein mit Reliquien um den Schätzpreis (500 Mark) übernehmen wolle. Vom Eichstätter Ordinariat hatte er bereits die Genehmigung dazu erhalten. Dennoch wurde Ende Mai entschieden, den Hochaltar zumindest für das laufende Jahr noch in der Kirche zu belassen. Somit war Denglers Angebot gegenstandslos geworden.

Am 22. Juni legte Oberbaurat Denzinger sein umfangreiches Gutachten über die Restaurierung der Kirche vor. Er teilte die Maßnahmen in drei Gruppen ein:

  • Arbeiten zur baulichen Instandsetzung bzw. Rekonstruktion des Kirchengebäudes;
  • Arbeiten zur Adaptierung der Kirche für gottesdienstliche Zwecke und stilistische Restaurierung;
  • Schaffung eines größeren freien Platzes an der Südseite der Kirche. Dazu sollten die Anbauten am Südschiff beseitigt werden.

Das Programm für die Renovierung umfaßte folgende Punkte:

  • Chortürmchen und seine Unterbauten
  • Dachungen
  • Mauerwerk
  • Fenster
  • Innere Restaurierung
  • Seitenaltäre, Beichtstühle, Kommuniongitter
  • Sakristei
  • Denkmäler
  • Schiff und Seitenkapellen
  • Chor.

Für diese Maßnahmen waren 25.000 Mark veranschlagt. Im Falle weiterer Mittel sollten auch die Verlegung des Hochaltars, neue Chorstühle, Oratorien und die Beseitigung der Kanzel in das Programm mit einbezogen werden. Bereits im Mai hatte das Erzbischöfliche Ordinariat München-Freising signalisiert, daß keine Gegenstände aus der Garnisonskirche gebraucht würden, im Juni tat dies auch das Ordinariat Augsburg. Im Juli wollte man die Seitenaltäre entfernen, ebenso die Beichtstühle bis auf zwei. Außerdem wurden nun die Lichtenauer-, die Loretto- und die Montfort-Kapelle nicht mehr abgebrochen. Somit konnten auch die zehn Sitzbänke, für die St. Moritz Bedarf angemeldet hatte, in der Kapelle verbleiben. Das Verzeichnis über die abzugebenden Gegenstände mußte „modifiziert“ werden. Am 8. August wurde schließlich angeordnet, daß die zehn Bänke nur für den Fall abzugeben wären, wenn sie für die Ausstattung der Kapelle nicht unbedingt gebraucht würden.

Ende August schlug man vor, 18 Heiligenbilder, die wegen ihres „defekten Zustandes“ nicht veräußert werden konnten, dem unteren Franziskanerkloster, einem Gesuch des Guardians folgend, unentgeltlich zu überlassen. Die Bilder sollten aber zuvor noch von Kunstkennern oder Interessenten besichtigt werden, was auch geschah. Sie wurden jedoch für wertlos erachtet und deshalb den Franziskanern übergeben. Im September erfolgte in mehreren Zeitungen in Ingolstadt, Augsburg und München eine Ausschreibung über den freihändigen Verkauf von sechs Seitenaltären, fünf Beichtstühlen, vier Fensterbrüstungen mit Holzgittern und einer Christusstatue mit Konsole. Der Ausverkauf der Franziskanerkirche hatte endgültig begonnen. Lediglich für die Statue ging ein Angebot in Höhe von 10 Mark ein.
Im Oktober waren die Seitenaltäre und die Beichtstühle bereits abgebrochen, die Reliquien des Hl. Clemens und der Hl. Felicitas wurden dem Kloster Gnadenthal übergeben. Altäre und Beichtstühle lagerte man im alten Schloß. Das Angebot von 10 Mark für die Statue kam natürlich nicht ernstlich in Betracht, da es weit unter dem Schätzwert lag. Aber die zehn Sitzbänke aus der Montfortkapelle konnten nun doch an St. Moritz abgegeben werden.

Im Oktober 1886 ergab sich folgender Stand der Renovierungsarbeiten:
Erledigt war bereits die Tieferlegung des Kirchenpflasters vor dem Chor, der Abbruch und die Wiederversetzung des davorliegenden Speisegitters, die Entfernung des Schutts aus den beiden Seitenschiffen, die Neueindeckung sämtlicher Dachungen (dabei waren auch die schadhaften Holzteile durch neue ersetzt worden), das Chortürmchen war allerdings noch nicht erneuert worden. Außerdem waren alle Fassaden des Hauptschiffs und der Seitenschiffe heruntergeputzt, lediglich die Westseite war nur getüncht, und mit einem Spritzwurf versehen, die sechs Seitenaltäre und die sechs Beichtstühle abgebrochen, dabei die Altarstöcke und die entstandenen Nischen zugemauert, verputzt und fein abgerieben, das ruinöse Kirchenpflaster ausgebessert und das durch Abbruch der Altäre fehlende durch neues ergänzt, vor dem Chor neue Stufensteine angebracht, im Durchgang zur künftigen Sakristei das Zwischengewölbe abgebrochen, die darin befindliche Franziskanergruft unter Berücksichtigung einer entsprechenden Einsteigöffnung eingewölbt, der Durchgang neu gepflastert, die durch den Abbruch des Gewölbes schadhaft gewordenen Stellen ausgebessert und die Stirn- und Seitenwände getüncht worden.

Am 3. November stellte man fest, daß „gerade die hauptsächlichsten der … angeordneten Instandsetzungsarbeiten, nämlich jene für Sicherstellung der Tragkonstruktion des Chortürmchens, die Auswechslung schadhaften Mauerwerks und der Ersatz von Gesimsquadern wie von Chorfenstern noch nicht in Angriff genommen sind, während solche Arbeiten, welche erst nach Vollzug der beiden ersterwähnten Instandsetzungen vorzunehmen waren, jetzt schon zur Ausführung gebracht wurden. Die Tieferlegung des Kirchenpflasters und die Anbringung neuer Stufensteine vor dem Chor waren unter den genehmigten Arbeiten gar nicht inbegriffen.“

Für die sechs Seitenaltäre und für vier Beichtstühle waren insgesamt nur 120 Mark geboten, für einen Altar mit Tabernakel, der überhaupt nicht zum Verkauf stand, 30 Mark, und für zwei weitere Beichtstühle je 6 Mark.
Am 7. Dezember wurde endlich die Schenkung der 18 Heiligenbilder an das Franziskanerkloster genehmigt. Die Bitte des Guardians, P. Capistran Ullrich, war bereits am 17. Juli 1883 vorgetragen worden. Mit diesem vergleichsweise unbedeutenden Vorgang hatten sich nicht weniger als drei Ministerien, das für Krieg, das für Finanzen und das für Kirchen- und Schulangelegenheiten, auseinanderzusetzen. Dieses Hin und Her dauerte beinahe dreieinhalb Jahre.
Wegen verschiedener Gegenstände wurde auch Rechtsrat Ostermair öfter um sein Gutachten gebeten. Ihm ist es in erster Linie zu verdanken, daß die Christusstatue, für die nur ein viel zu niedriges Gebot von 10 Mark vorlag, zumindest vorläufig von der Veräußerung ausgenommen wurde.

Wie buchstäblich um jede Mark beim Verkauf von Gegenständen der Kircheneinrichtung gefeilscht wurde, soll folgendes Beispiel zeigen: Sechs Holzkästen in Nischenform sollten verkauft werden. Nachdem ein Interessent aus München sein Gebot wegen Zahlungsunfähigkeit wieder zurückzog, erklärte sich der hiesige Schreinermeister Schrödl bereit, dafür 40 Mark zu bezahlen. Da die Kästen von Rechtsrat Ostermair jedoch auf 52 Mark geschätzt worden waren, wandte man sich an den Schreinermeister Liegl, der ebenfalls Interesse daran gezeigt hatte. Er war schließlich sogar bereit, 60 Mark zu entrichten. Aber auch dazu sollte es nicht kommen. Man gelangte plötzlich zur Einsicht, daß die Kästen doch nicht nutzlos seien, sondern „integrierende Bestandteile des Chorgestühls bilden“, und beließ sie in der Kirche.
Obwohl 1887 Angebote mehrerer Privatleute für verschiedene Gegenstände vorlagen, Oberst von Stengel hatte z.B. für die Beichtstühle und Major Steinmetz für einen Altar Gebote abgegeben, die sich jedoch weit unter dem eigentlichen Wert befanden, entschloß man sich seitens des Kriegsministeriums nicht, die Gegenstände zu veräußern. Am 16. November 1887 wurde sogar der bekannte Architekt Gabriel von Seidel zur Besichtigung von Einrichtungsgegenständen der Kirche nach Ingolstadt eingeladen. Er kam und unterbreitete tatsächlich einige Angebote, für die Balustraden 200 Mark, also 30 Mark über dem Schätzwert, und für die Beichtstühle 60 Mark. Der Verkauf wurde schließlich genehmigt. Zwei Beichtstühle blieben in der Kirche, ein dritter wurde wegen eventueller Reparaturen an den beiden anderen zurückbehalten und fünf gelangten zum Verkauf.
Die Endabrechnung über die Renovierung erfolgte im Februar 1888. Danach beliefen sich die Gesamtausgaben auf 21.511,69 Mark. Der Kostenvoranschlag wurde somit um 299,69 Mark überschritten.
Eine Versteigerung der übriggebliebenen Gegenstände unterblieb aus „Schicklichkeitsrücksichten“. Statt dessen wurde ein Einzelverkauf angestrebt, der aber später ebenfalls verworfen wurde. Schließlich nahm man mit den entbehrlichen Seitenaltären, 1892 waren sechs Altäre der Kirche nicht mehr im Gebrauch, Reparaturen an den in der Kirche verbliebenen Altären vor. Im April 1893 endlich wurden diese Gegenstände dem Ordinariat in Eichstätt kostenlos zur Verfügung gestellt und bis zu einer etwaigen Verwendung „vorläufig im Franziskanerkloster zu Ingolstadt aufbewahrt.“

1895 erfolgte auf Ansuchen des Eichstätter Ordinariats die unentgeltliche Abgabe einer Glocke für die Missionsstation Heilsbronn bei Ansbach. Die Glocke mit einem Gewicht von 147 kg und einem Metallwert von 176,40 Mark war früher im Dachreiter aufgehängt gewesen und beim Umbau der Kirche entbehrlich geworden.
1896 entfernte man schließlich auch die Kirchenbänke mit Ausnahme derer, die rechts und links vom Hochaltar standen. Danach wurde es wieder still um die Garnisonskirche.

Nach Oben

4. Erneute Renovierungsmaßnahmen

Erst mit seiner umfangreichen Denkschrift über die „Renovation der katholischen Garnisonskirche Ingolstadt“ an die Garnisonsverwaltung brachte der hiesige Militärpfarrer Balthasar Meier am 11. Oktober 1904 wieder den Stein ins Rollen. Pfarrer Meier blieb auch weiterhin die treibende Kraft bei der bald darauf beginnenden umfassenden Renovierung, so daß es unumgänglich scheint, zunächst einen Blick auf sein Leben zu werfen.

Balthasar Meier wurde am 28. Juni 1867 in Dietfurt a.d.Altmühl geboren und am 3. April 1892 in Eichstätt zum Priester geweiht. Zunächst wirkte er als Kooperator in Velburg, ehe er am 4. April 1893 I. Kooperator in Neumarkt und am 27. Mai 1894 II. Dompfarrkooperator in Eichstätt wurde. Am 1. Juni 1894 übernahm er das Amt des Militärkuraten in Ingolstadt, am 31. Oktober 1899 erfolgte seine Ernennung zum Militärpfarrer. Durch Erlaß des Ordinariats Eichstätt vom 2. Februar 1907 wurde er aus dem Pfarrverband der Münsterpfarrei herausgelöst und „mit voller Selbständigkeit und Unabhängigkeit ausgestattet“. (StadtA IN, A V/217..) Bei Kriegsbeginn erhielt er seine Berufung zum Divisionspfarrer der 5. bayerischen Reservedivision und wurde noch 1914 mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse, 1915 mit dem bayerischen Militärverdienstorden IV. Klasse mit Schwertern und 1918 mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Am 1. Februar 1920 berief man ihn zum Divisionspfarrer der 7. (bayer.) Infanteriedivision nach München, 1925 erhielt er den Titel „Erzbischöflich Geistlicher Rat“. Balthasar Meier starb am 14. Februar 1951 in München kurz vor Vollendung seines 84. Lebensjahres.
(Die biographischen Angaben zu Pfarrer Balthasar Meier erhielt ich freundlicherweise von Herrn Diözesanarchivar Brun Appel, Eichstätt. Ihm sei an dieser Stelle herzlich gedankt.)

In seiner Denkschrift ging Pfarrer Meier zunächst auf die Vorgeschichte ein. Dabei streifte er auch den Besuch des Kriegsministers von Heinleth und des Dombaumeisters Denzinger in Ingolstadt und die sich anschließenden Renovierungsmaßnahmen. Meier beklagte besonders, daß damals die Reparatur der Fenster des Mittelschiffs unterblieben war, so daß weiterhin „der Regen längs der Innenwände herabträufelte und seine schwarzen Streifen zog, welche die frischgetünchten Wandflächen alsbald wieder entstellten.“ Seitdem waren volle 17 Jahre ins Land gezogen, ohne daß irgendetwas geschehen war. Er kam zu dem Schluss, „daß die Garnisonskirche der Beachtung wohl wert ist und daß die Würde des Gotteshauses und nicht zuletzt auch kunstgeschichtliche Erwägungen ihrer Renovierung das Wort reden, um ihr einerseits ein ihrer erhabenen, vom religiösen wie patriotischen Standpunkte aus bedeutungsvollen Bestimmung entsprechendes, würdiges Gewand zu verleihen, andererseits die kunstgeschichtlich merkwürdigen Gegenstände vor dem gänzlichen Verfalle zu bewahren.“ Nach Erwägung aller gebotenen Umstände und besonders im Hinblick auf die entstehenden Kosten „gestatte ich mir“, so fuhr Pfarrer Meier fort, „ohne aber irgendwie vorgreifen zu wollen, eine Renovierung mit möglichster Belassung des Vorhandenen ergebenst zu beantragen.“

Er unterteilte die erforderlichen Maßnahmen in folgende Einzelpunkte:

Im Chor, d.i. in dem hinter dem Hochaltare befindlichen Raume:

  • Beschaffung einer neuen Orgel an Stelle der gegenwärtigen leider gänzlich unbrauchbaren….
  • Kunstgerechte Renovierung der … Chorstühle mit möglichster Ergänzung der fehlenden Teile.
  • Neuer Bodenbelag.

Im Innenraum der eigentlichen Kirche:
Im Presbyterium:

  • Neufassung des Hochaltares, insbesonders des Tabernakelbaues, mit Ergänzung der fehlenden Schnitzereien;
  • Neupflasterung ….

Im Schiff der Kirche:

  • Tünchen der ganzen Kirche, wobei auf die Entfeuchtung der Umfassungsmauern besonders Bedacht genommen werden soll, …
  • Neufassung der beiden Seitenaltäre und Einsetzung passender Altarbilder;
  • Reinigung des kunstvollen Gewold-Epitaphs, …
  • Reparatur des wertvollen, aber sehr ruinösen Oelgemäldes “der Kreuztragende Heiland„ von Amort und teilweise Renovierung der Kreuzwegstationen.

In den Seitenkapellen:

  • Einfache Ausmalung der gänzlich verwahrlosten Seitenkapellen;
  • Deren Neupflasterung;
  • Neufassung der Altäre und Einsetzung eines passenden Altarbildes in der Montfort-Kapelle;
  • Abschluß der Lichtenauer- und der Montfort-Kapelle in der Richtung gegen die Kirche durch je ein stilgemäßes, eisernes Gitter.

Schließlich sprach sich Meier dafür aus, die Renovierungsarbeiten so bald wie möglich zu beginnen, „daß bis zum Jubeljahre der Garnisonskirche, dem Jahre 1908“, die Maßnahmen abgeschlossen seien. 1908 sollten es fünfzig Jahre werden, daß man dieses Gotteshaus zur Garnisonskirche umfunktioniert hatte.

Zu diesen vorgeschlagenen Arbeiten nahm im Dezember 1904 das hiesige Garnisonsbauamt Stellung:

„zu I.1) Die Orgel ist an die Rückseite (Chorseite) des Hochaltares angebaut und befindet sich in einem so schadhaften Zustand, daß eine Instandsetzung unverhältnismäßig hohe Kosten erfordern würde. Es wäre daher eine neue Orgel zu beschaffen.
zu I.2) Über jedem Chorstuhl war früher eine Holzschnitzerei (Engelskopf mit Festen) angebracht. Bei 14 Chorstühlen fehlt jetzt diese Zier. Die noch vorhandenen Engelsköpfe sind samt Festens vom Holzwurm ergriffen, welcher noch tätig ist, … 2 Engelsköpfe weisen auch noch insoferne einen Schaden auf, als jedem derselben die Nasenspitze fehlt, was auf mutwillige Beschädigung zurückzuführen ist…. Der Holzwurm in den Schnitzereien über den Chorstühlen wäre durch geeigneten Anstrich zu vertilgen. Die 2 beschädigten Engelsköpfe wären durch Ergänzung der fehlenden Teile wieder instandzusetzen. Von den 14 fehlenden Engelsköpfen wären wenigstens 9 neu herzustellen. Bei 5 Chorstühlen würde dann noch die fragliche Zier fehlen; jedoch würde sich dies nicht auffallend bemerkbar machen, da diese 5 Chorstühle abseits von den übrigen … stehen.
zu I.3) Der Fußbodenbelag im Chor besteht aus fichtenen, stumpfgefugten Brettern. Derselbe erfüllt noch seinen Zweck. Herstellung eines buchenen oder eichenen Bodens nur im Interesse des besseren Aussehens wünschenswert.
zu II.1a) Der Hochaltar befindet sich, was das Holzwerk betrifft, bis auf einige unwesentliche Mängel im hölzernen Schnitzwerk noch in gutem Zustand; dagegen sind die Oelfarben, mit welchen er bemalt ist, schon anfänglich unschön zusammengestimmt gewesen und nunmehr auch nachgedunkelt, weswegen eine Neufassung des Altares wünschenswert ist. Vorher wäre das fehlende Schnitzwerk zu ergänzen.
zu II.1b) Das Presbyterium besitzt ein teilweise schadhaftes Solnhofer Pflaster. Ausbesserung dieses Pflasters dürfte genügen.
zu II.2a) Sowohl die Umfassungswände der Kirche als auch diejenigen der 3 Kapellen zeigen in ihrem unteren Teile vielfach feuchte Stellen, welche in geringem Grade durch aufsteigende Bodenfeuchtigkeit verursacht sind. In der Hauptsache wird aber die Mauerfeuchtigkeit dadurch herbeigeführt, daß sowohl beim Dach des Mittelschiffs als auch bei den Dächern der Seitenschiffe und Kapellen Dachrinnen und Abfallrohre fehlen. Infolge dessen fällt das Regenwasser vom Dach des Mittelschiffes auf die Dächer der Seitenschiffe. Von letzteren und von den Dächern der Kapellen trifft daher bei einem heftigen Regen und zur Zeit der Schneeschmelze Wasser in erheblicher Menge auf das Traufpflaster, von welchem es zum Teil an den Fuß der Wände der Kirche und Kapellen spritzt. Zur Behebung dieses Uebelstandes ist es notwendig, die Dächer der Kirche und der Kapellen mit Dachrinnen und Abfallrohren zu versehen. Durch diese Maßnahme wird die Ursache der Mauerfeuchtigkeit zum großen Teil beseitigt werden. Um die feuchten Flecken im inneren Wandverputz zu entfernen, wäre von dem in der Sakristei bereits angewendeten Verfahren Gebrauch zu machen.“ Darauf hatte auch Pfarrer Meier bereits hingewiesen. Vor zwei Jahren war in der Sakristei eine Entfeuchtung der Mauern mit großem Erfolg durchgeführt worden.
„zu II.2b) Zustand der Seitenaltäre gleich demjenigen des Hauptaltares, Holzwerk jedoch unversehrt. Die in den Seitenaltären vorhandenen Bilder passen für dieselben nur insofern nicht, als sie die von der Architektur der Altäre umrahmten Flächen nicht völlig ausfüllen. Neufassung der Altäre und Anbringung neuer Altarbilder wünschenswert.
zu II.2c) Das in Erz gegossene und vergoldete Gewold-Epitaph ist noch gut erhalten und bedarf nur der Reinigung. Dagegen ist die Steinarchitektur, von welcher das Epitaph eingefaßt ist, reparaturbedürftig.
zu II.2d) Das Oelgemälde “Der kreuztragende Heiland„ ist über dem Hauptportal angebracht. Über diesem Oelgemälde befindet sich ein Kirchenfenster, von dessen Fensterbank das Schwitzwasser an der Mauer herabläuft, wodurch das fragliche Oelgemälde Schaden gelitten hat. Dasselbe wäre baldigst von der Mauer wegzunehmen und bis zu seiner Renovierung in einem trockenen … Raum aufzubewahren. Die inneren Fensterbänke der Kirchenfenster wären mit Vorrichtung zur Ableitung des Schwitzwassers zu versehen. Die Oelgemälde, welche die Kreuzwegstationen darstellen, sind teils nachgedunkelt, teils verblaßt und befinden sich in sehr unschönen Rahmen. Es wären daher diese Bilder zu restaurieren und mit neuen Rahmen zu versehen.
zu III.1.u.2) … Das Pflaster in den 3 Kapellen besteht zum kleinen Teil aus einem liegenden, noch gut erhaltenen Backsteinpflaster, im übrigen aus einem nur wenig beschädigten Solnhoferplattenpflaster. Es genügt die Ausbesserung des letzteren und der Ersatz des Backsteinpflasters durch Solnhofer Plattenpflaster.
zu III.3) Beschaffenheit der Altäre wie diejenige der Seitenaltäre. Neufassung der Altäre und Anbringung eines neuen Bildes im Altar der Montfort-Kapelle erwünscht.
zu III.4) Z. Zt. ist die Montfort- und Lichtenauer Kapelle gegen die Kirche je durch eine ca. 0,90 m hohe mit Türchen versehene, hölzerne Balustrade abgeschlossen. Dieser Abschluß dürfte auch künftig genügen. Von Anbringung eines stilgemäßen eisernen Gitters dürfte abzusehen sein, da ein solches Gitter zu der sonstigen dürftigen Einrichtung der Kapellen selbst nicht passen würde.“ Von der Orgelbaufirma Steinmayer in Öttingen und von der Firma Barth & Cie. in München wurden Kostenvoranschläge eingeholt.
In einem Schreiben der Intendantur des II. Armee-Korps, das am 14. Februar 1906 dem Kriegsministerium vorgelegt wurde, setzte man sich mit den Kosten der Renovierung auseinander, die auf insgesamt 64.700 Mark veranschlagt worden waren. Darin wurde festgestellt, daß man bei den Kosten für das Gerüst möglicherweise Einsparungen vornehmen könnte.
Statt dessen und bei einer eventuellen Verfügbarkeit weiterer Mittel sollten noch folgende Maßnahmen in Angriff genommen werden:

  • Ersetzung der neun fehlenden Engelsköpfe am Chorgestühl durch solche aus echtem Holz (Kosten 738 Mark)
  • Instandsetzung der Uhr (Kosten 500 Mark),
  • Beschaffung von Figuren für den Tabernakel am rechten Seitenaltar (Kosten 250 Mark) und
  • Reparatur des Tabernakels in der Ölbergkapelle (Kosten 180 Mark).

Aus dem Schreiben geht weiter hervor, daß zur Besichtigung der Kirche und insbesondere der Orgel sowie zur Prüfung des Angebots der Firma Steinmayer der Orgelsachverständige Professor Oechsler aus Erlangen für die Abgabe eines Gutachtens 35,60 Mark als Vorschuß verlangte.

1907 konnte man endlich mit den Arbeiten in der Kirche beginnen.

1908 wurde der Antrag des Militärpfarrers Meier, der sich neben der Garnisonskirche einen eigenen Pfarrhof errichten lassen wollte, abgelehnt. Gleichzeitig konnten jedoch in der Kirche die ersten Arbeiten fertiggestellt werden:

  • Ausbesserung der schadhaften Fensterverglasung,
  • Anbringung von Fenstersimsabdeckungen und Fenstergittern,
  • Trockenlegung der Außenmauern des Mittelschiffs und der Seitenschiffe,
  • Restaurierung der Epitaphien.


1909 folgten die Neutünchung aller Wände, Decken und Pfeiler, die Errichtung der Orgelempore über dem Haupteingang und die Restaurierung der Kanzel und der Beichtstühle, sowie die Polierung der restaurierten Epitaphien, 1910 dann der Aufbau der Orgel durch die Firma Steinmayer & Cie. und die Anfertigung eines neuen Gehäuses. Das alte Orgelgehäuse blieb hinter dem Hochaltar.

Die für 1911 geplante Verlegung des Hochaltars, der in den Chorabschluß verschoben werden sollte, kam dank einer Initiative von Pfarrer Meier und des Historischen Vereins nicht zustande. Der Historische Verein hatte bereits am 31. Oktober 1909 eine Eingabe an das Kriegsministerium gemacht, um diese umstrittene Maßnahme zu verhindern.

1911 erfolgte aber die Neutünchung und die Bemalung des Chores, die Reparatur des Hochaltars und der beiden Oratorien, die Instandsetzung des Chorgestühls mit Ausnahme der neu zu schnitzenden Engelsköpfchen, außerdem wurden die Reliquien des Tabernakelbaues neu gefaßt, die Reliquienschreine neu verglast und der Tabernakel neu ausgekleidet. Diese letztgenannten Arbeiten erfolgten im Auftrag des Militärpfarrers.

1912 wurde nach der Fertigstellung der Hochaltar-Rückwand im Chor ein neuer Riemenboden verlegt, 1913 die Ölbergkapelle, die zugehörigen Kirchenstühle und zwei Wandschränkchen restauriert.

1914 lag man noch mit folgenden Arbeiten im Rückstand:

  • Anbringung eines Gitters beim Haupteingang,
  • Instandsetzung der Loretokapelle und der Wandschränke,
  • Reparatur der Kirchenbänke und Trockenlegung und neuer Verputz im Aufgang zum Mönchschor.

Diese Maßnahmen waren für 1915 geplant, wurden aber nach Ausbruch des 1. Weltkriegs nicht mehr als vordringlich erachtet und deshalb zurückgestellt. Die Restaurierung hatte bisher insgesamt 85.200 Mark verschlungen.

Nun aber noch einmal zurück zum Hochaltar. Wegen seiner Rückversetzung in den Chorabschluß und der Restaurierung des Mönchschores hatte es einen regen Schriftwechsel zwischen den beteiligten Personen und Dienststellen gegeben. Den eigentlichen Anstoß zur Versetzung des Altars hatte am 10. November 1907 Pfarrer Meier selbst gegeben, am 10. Dezember hatte auch der Intendantur- und Baurat Feder in einem Gutachten diese Maßnahme befürwortet. Dagegen hatte sich schon von Beginn an der Historische Verein und der Geheime Baurat Kargus aus Nürnberg ausgesprochen. Das Generalkonservatorium der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns, das sich anfänglich der Argumentation der Partei Meier-Feder angeschlossen hatte, schlug sich letztlich doch auf die Seite der Gegenpartei Historischer Verein-Kargus und konnte auch noch Pfarrer Meier überzeugen. Deshalb erreichte man die Belassung des Hochaltars an seinem bisherigen Platz und die Rettung des Mönchschores, eine Lösung, bei der „sowohl die Interessen der Denkmalpflege gewahrt sind als auch die historische, kunstgeschichtliche und künstlerische Seite pietätsvolle Berücksichtigung findet.“

Pfarrer Meier hatte sich in seinem anfänglichen Bemühen sogar an den Bischof von Eichstätt um Schützenhilfe gewandt. Bischof Leo von Mergel hatte daraufhin ein schriftliches Ersuchen an den Chef des Generalkommandos, General Freiherrn von der Tann-Rathsamhausen, gerichtet und ihn um die Rückverlegung des Hochaltars gebeten. Er erhielt zur Antwort, daß „eine Erfüllung dieses Wunsches nicht in Aussicht gestellt werden könne“, da die Entscheidung hierüber beim Kriegsministerium liege.

Wie gesagt, ruhten nach Ausbruch des 1. Weltkrieges die Arbeiten in der Garnisonskirche. Erst 1917 schien es, als sollten sie wieder ihren Fortgang nehmen können. In einem Schreiben der Intendantur des III. Armee-Korps an das Kriegsministerium vom 29. September heißt es, daß sich die Fassaden der Garnisonskirche in Ingolstadt in einem „äußerst ruinösen und unwürdigen Zustand“ befänden. Ihre Instandsetzung war als Fortgang der bis 1914 durchgeführten Baumaßnahmen zwar geplant gewesen, doch wegen des Krieges immer wieder zurückgestellt worden. Die Reparatur aller Fassaden sollte aber mit Eintritt der warmen Witterung im Frühjahr 1918 in Angriff genommen werden, da das Aussehen der Kirche auf einem der schönsten Plätze der Stadt „ein unwürdiges“ sei. Die erforderlichen Mittel wurden auf ca. 11.000 Mark beziffert, die das Kriegsministerium bestreiten sollte. Tatsächlich war der Beginn der Arbeiten für März 1918 geplant. Am 27. November 1917 wurde jedoch entschieden, daß wegen der Not an Baustoffen aller Art und des Mangels an Bauarbeitern von der Instandsetzung der Kirche abgesehen werden müsse. Die Garnisonsverwaltung hatte lediglich dafür zu sorgen, daß „lockerer Bewurf“ beseitigt wurde.

Am 4. November 1918 findet sich schließlich als letzte Eintragung in den Akten des Kriegsarchivs der Vermerk: „Ob unter den nunmehrigen Verhältnissen nach dem Krieg noch Mittel für die weitere Instandsetzung der Kirche aufgewendet werden können, erscheint fraglich.“ Tatsächlich sah man sich nach dem Krieg in den nun anbrechenden schweren Zeiten mit politischen Wirren und steigender Inflation außerstande, die Renovierungsmaßnahmen fortzusetzen. (BayHStA, Abt. IV, M Kr 8310, 8417 u. 8418)

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Text: Edmund Hausfelder