Geschichte des Ingolstädter Viktualienmarkts

Sandtnermodell

Geschichte

Das Gelände des heutigen Viktualienmarktes gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten der Ingolstädter Altstadt. „Sagenhaft“ ist die Zuordnung eines römischen Weihesteins zu einem Merkurtempel an dieser Stelle. Die Annahme geht bis in die Zeit Peter Apians zurück. Spuren einer römischen Besiedlung fehlen allerdings bislang in der Altstadt. Erst im 8. Jahrhundert ist die Siedlung nachweisbar. Der heutige Viktualienmarkt am ehemaligen Stadtbach Schutter ist auf das Engste mit der Geschichte der Stadt verwoben.

Bei archäologischen Ausgrabungen im Vorfeld der Neugestaltung des Viktualienmarktes 2007 wurden die Reste mehrerer aufeinanderfolgender Steingebäude aufgedeckt (siehe Informationen zur Archäologie im Nebenraum). Die nur sehr begrenzten Einblicke in den Untergrund erlauben zwar noch keine sicheren Aussagen. Wegen der langen Bauabfolge und der Qualität des Mauerwerks ist jedoch davon auszugehen, dass Überreste der Synagoge aufgedeckt worden sind.

Die Marienkirche an der Schutter, die aus den Sandtnermodellen der 1570er Jahre bekannt ist, entstand 1397 aus oder anstelle der Synagoge inmitten des ehemaligen Judenviertels. Seine Bewohner waren bei der Judenverfolgung 1384 vertrieben worden. Das Gotteshaus geht auf eine Stiftung des Ingolstädter Herzogs Stephan dem  Kneißel zurück. Zu der schlichten Kirche gehörten ein Benefiziatenhaus und ein kleiner, ummauerter Friedhof, der aber erst seit 1603 belegt ist.
Das Augustinerkloster bei der Kirche wurde mit Hilfe Herzog Maximilians von Bayern im Jahr 1606 gegründet. Zunächst wurden die Augustinereremiten im Benefiziatenhaus untergebracht. 1665 errichtete man einen neuen Wohntrakt, der weitgehend auf Bauschmuck verzichtete, ganz im Sinne der Ordensregel. Die Erhebung des Klosters zum ordentlichen Konvent erfolgte erst 1683 mit Unterstützung des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel.

In der Schutterkirche erlangte eine spätgotische Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert, die so genannten „Schuttermutter“, besondere Verehrung. Zur Förderung der neuen Wallfahrt und zur Erhöhung der Einnahmen des Klosters diente den Augustiner-Eremiten die nicht zutreffende Geschichte, wonach die Madonna im späten 14. Jahrhundert durch die örtlichen Juden geschändet worden sei. Nachdem man der Figur den Kopf abgeschlagen und die Teile in die Donau geworfen habe, sei die Statue auf wundersame Weise gegen den Strom ans Ufer der Schutter geschwommen.

Der beachtliche Zulauf zur „Schuttermutter“ machte einen größeren Kirchenbau notwendig. Im Jahr 1736 konnte der Grundstein für den Neubau der Kirche neben dem alten Gotteshaus gelegt werden. Sie ist ein Werk des bedeutenden Baumeisters Johann Michael Fischer und zählt zu seinen herausragenden Werken. Die Weihe erfolgte 1740. Von höchster künstlerischer Qualität waren die Grabsteine für den Generalfeldzeugmeister und Statthalter Graf von Preysing und seine Gemahlin von Ignatz  Günther.

Während der Säkularisation wurde das Kloster der Augustinereremiten 1802 aufgehoben. Sie mussten, ebenso wie die Jesuiten, Ingolstadt verlassen. Viele Klosterbauten gingen verloren, besonders bei den ausgedehnten Anlagen der Jesuiten, die auch ihrer Kirche beraubt wurden, und der Frankziskaner. Letztere erhielten die Gebäude der Augustiner als Aussterbekloster zugewiesen. Die Mönche blieben hier bis zum Jahr 1945. Erst vor wenigen Jahren haben sie nach mehr als sieben Jahrhunderten endgültig der Stadt den Rücken gekehrt.

Am 9. April 1945 wurde die Augustinerkirche durch eine Sprengbombe getroffen. Die Explosion zerstörte die Klostergebäude mitsamt dem Chor der Kirche vollständig, das Kirchengewölbe stürzte ein. In der Gruft unter der Kirche, die als Luftschutzkeller diente, fanden 73 Menschen den Tod. Darunter waren Flüchtlinge aus dem deutschen Osten, die gehofft hatten, der Kriegsgefahr entronnen zu sein. So findet das christliche Gotteshaus an diesem Ort, wie das jüdische Jahrhunderte zuvor, ein tragisches Ende.

Mit der Augustinerkirche ging ein ganzes Viertel der Stadt Ingolstadt unter. Die Lücke, die damals entstand, ist bis heute nicht geschlossen. Wie kein anderer Ort wird am Viktualienmarkt die Katastrophe sichtbar, in die die Stadt und das Land gestürzt worden waren.

Gestaltung und Abbildungen: Stadtarchiv und Stadtmuseum Ingolstadt
Luftbild: Schalles
Quellen: Karlheinz Hemmeter, Denkmäler in Bayern, Stadt Ingolstadt, München 2002
Themenauswahl: Wikipedia und Stadtmuseum Ingolstadt

Archäologie

Der helle Flusssand am Boden der Sparkassen-Baugrube und die dunklen, anmoorigen Sedimente an den Baugrubenwänden zeigen, dass an der Stelle des heutigen Viktualienmarktes vor 800 Jahren noch der Stadtbach Schutter floss. Der Platz wurde demnach erst durch aufwändige Landgewinnungsmaßnahmen im späten Mittelalter zu Bauland. Bis zu sieben Metern mächtige Kulturschichten sind unter dem Pflaster erhalten geblieben – ein echtes „Bodenarchiv“ der Stadtgeschichte.

Versorgungsleitungen für den neu zu gestaltenden Viktualienmarkt durchschnitten 2007 auf etwa 50 Metern Länge den Platz. Sie griffen 2,5 bis 3,5 Meter tief in den historischen Untergrund ein. Von März bis Mai dokumentierten Archäologen im Auftrag der Stadt Ingolstadt die verschütteten Ruinen unter dem Pflaster. Dabei kamen Reste der Barockkirche, der Klosterbibliothek, Gräber des 17. und 18. Jahrhunderts, Teile der Schutterkapelle und spätmittelalterlicher Wohnhäuser zutage. Nach Abschluss der Grabungen mussten die Mauerreste den Kanälen weichen.

Die sehr begrenzten Einblicke in den Untergrund, die sich weitestgehend auf die Kanalgräben beschränkten, machen es den Archäologen schwer, gesicherte Aussagen zu treffen. Eine verwirrende Vielzahl von Mauern zeigt, dass auf dem heutigen Viktualienmarkt lange vor der Schutterkapelle qualitätvolle Steingebäude standen. Am Südende des benachbarten Rathausplatzes baute man damals noch Holzhäuser, die ebenfalls bei Ausgrabungen dokumentiert wurden. Es liegt nahe, diese frühen Steinbauten mit dem Judenviertel und seiner Synagoge zu identifizieren.

Bald nach Abschluss der Untersuchungen versuchten die Ausgräber, die ausschnitthaft erfassten Mauerreste zu interpretieren. Blau ist der mögliche Umriss der Schutterkapelle, ohne Chorabschluss, erkennbar. Er überlagert dunkelgrau und schwarz eingefärbte Steinfundamente, die zur Synagoge gehört haben könnten. Eine Nische in der „schwarzen“ Wand, die nach Osten ausgerichtet ist und später zugemauert wurde, könnte ein Hinweis auf den Thoraschrein sein. Belegen lässt sich diese Vermutung jedoch beim derzeitigen Kenntnisstand nicht.

Gestaltung und Abbildungen: Stadtarchiv und Stadtmuseum Ingolstadt Pläne: Firma KANT Archäologie, Ingolstadt

Baustelle am Viktualienmarkt

Bei archäologischen Ausgrabungen im Vorfeld der Neugestaltung des Viktualienmarktes 2007 wurden die Reste mehrerer aufeinanderfolgender Steingebäude aufgedeckt. Die nur sehr begrenzten Einblicke in den Untergrund erlauben zwar noch keine sicheren Aussagen. Wegen der langen Bauabfolge und der Qualität des Mauerwerks ist jedoch davon auszugehen, dass Uberreste der Synagoge aufgedeckt worden sind.

Sandtnermodell

Die Marienkirche an der Schutter, die aus den Sandtnermodellen der 1570er Jahre bekannt ist, entstand 1397 aus oder anstelle der Synagoge inmitten des ehemaligen Judenviertels. Seine Bewohner waren bei der Judenverfolgung 1384 vertrieben worden. Das Gotteshaus geht auf eine Stiftung des lngolstädter Herzogs Stephan dem Kneißel zurück. Zu der schlichten Kirche gehörten ein Benefiziatenhaus und ein kleiner, ummauerter Friedhof, der aber erst seit 1603 belegt ist.

Bild des Augustinerklosters

Das Augustinerkloster bei der Kirche wurde mit Hilfe Herzog Maximilians von Bayern im Jahr 1606 gegründet. Zunächst wurden die Augustinereremiten im Benefiziatenhaus untergebracht. 1665 errichtete man einen neuen Wohntrakt, der weitgehend auf Bauschmuck verzichtete, ganz im Sinne der Ordensregel. Die Erhebung des Klosters zum ordentlichen Konvent erfolgte erst 1683 mit Unterstützung des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel.

Schuttermutter

In der Schutterkirche erlangte eine spätgotische Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert, die so genannte „Schuttermutter“, besondere Verehrung. Zur Förderung der neuen Wallfahrt und zur Erhöhung der Einnahmen des Klosters diente den Augustiner-Eremiten die nicht zutreffende Geschichte, wonach die Madonna im späten 14. Jahrhundert durch die örtlichen Juden geschändet worden sei. Nachdem man der Figur den Kopf abgeschlagen und die Teile in die Donau geworfen habe, sei die Statue auf wundersame Weise gegen den Strom ans Ufer der Schutter geschwommen.

Kircheninnenraum

Der beachtliche Zulauf zur „Schuttermutter“ machte einen größeren Kirchenbau notwendig. lm Jahr 1736 konnte der Grundstein für den Neubau der Kirche neben dem alten Gotteshaus gelegt werden. Sie ist ein Werk des bedeutenden Baumeisters Johann Michael Fischer und zählt zu seinen herausragenden Werken. Die Weihe erfolgte 1740. Von höchster künstlerischer Qualität waren die Grabsteine für den Generalfeldzeugmeister und Statthalter Graf von Preysing und seine Gemahlin von lgnatz Günther.

Augustinerkloster

Während der Säkularisation wurde das Kloster der Augustinereremiten 1802 aufgehoben. Sie mussten, ebenso wie die Jesuiten, lngolstadt verlassen. Viele Klosterbauten gingen verloren, besonders bei den ausgedehnten Anlagen der Jesuiten, die auch ihrer Kirche beraubt wurden, und der Frankziskaner. Letztere erhielten die Gebäude der Augustiner als Aussterbekloster zugewiesen. Die Mönche blieben hier bis zum Jahr 1945. Erst vor wenigen Jahren haben sie nach mehr als sieben Jahrhunderten endgültig der Stadt den Rücken gekehrt.

zerstörtes Augustinerkloster

Am 9. April 1945 wurde die Augustinerkirche durch eine Sprengbombe getroffen. Die Explosion zerstörte die Klostergebäude mitsamt dem Chor der Kirche vollständig, das Kirchengewölbe stürzte ein. In der Gruft unter der Kirche, die als Luftschutzkeller diente, fanden 73 Menschen den Tod. Darunter waren Flüchtlinge aus dem deutschen Osten, die gehofft hatten, der Kriegsgefahr entronnen zu sein. So findet das christliche Gotteshaus an diesem Ort, wie das jüdische Jahrhunderte zuvor, ein tragisches Ende.

Kriegszerstörungen

Mit der Augustinerkirche ging ein ganzes Viertel der Stadt Ingolstadt unter. Die Lücke, die damals entstand, ist bis heute nicht geschlossen. Wie kein anderer Ort wird am Viktualienmarkt die Katastrophe sichtbar, in die die Stadt und das Land gestürzt worden waren.

Baugrube Viktualienmarkt

Der helle Flusssand am Boden der Sparkassen-Baugrube und die dunklen, anmoorigen Sedimente an den Baugrubenwänden zeigen, dass an der Stelle des heutigen Viktualienmarktes vor 800 Jahren noch der Stadtbach Schutter floss. Der Platz wurde demnach erst durch aufwändige Landgewinnungsmaßnahmen im späten Mittelalter zu Bauland. Bis zu sieben Metern mächtige Kulturschichten sind unter dem Pflaster erhalten geblieben - ein echtes „Bodenarchiv“ der Stadtgeschichte.

Baustelle Viktualienmarkt

Versorgungsleitungen für den neu zu gestaltenden Viktualienmarkt durchschnitten 2007 auf etwa 50 Meter Länge den Platz. Sie griffen 2,5 bis 3‚5 Meter tief in den historischen Untergrund ein. Von März bis Mai dokumentierten Archäologen im Auftrag der Stadt Ingolstadt die verschütteten Ruinen unter dem Pflaster. Dabei kamen Reste der Barockkirche, der Klosterbibliothek, Gräber des 17. und 18. Jahrhunderts, Teile der Schutterkapelle und spätmittelalterlicher Wohnhäuser zutage. Nach Abschluss der Grabungen mussten die Mauerreste den Kanälen weichen.

Zeichnung Stadtplan

Die sehr begrenzten Einblicke in den Untergrund, die sich weitestgehend auf die Kanalgräben beschränkten, machen es den Archäologen schwer, gesicherte Aussagen zu treffen. Eine verwirrende Vielzahl von Mauern zeigt, dass auf dem heutigen Viktualienmarkt lange vor der Schutterkapelle qualitätvolle Steingebäude standen. Am Südende des benachbarten Rathausplatzes baute man damals noch Holzhäuser, die ebenfalls bei Ausgrabungen dokumentiert wurden. Es liegt nahe, diese frühen Steinbauten mit dem Judenviertel und seiner Svnaooge zu identifizieren.

Umriss Schutterkapelle

Bald nach Abschluss der Untersuchungen versuchten die Ausgräber, die ausschnitthaft erfassten Mauerreste zu interpretieren. Blau ist der mögliche Umriss der Schutterkapelle, ohne Chorabschluss, erkennbar. Er überlagert dunkelgrau und schwarz eingefärbte Steinfundamente, die zur Synagoge gehört haben könnten. Eine Nische in der „schwarzen“ Wand, die nach Osten ausgerichtet ist und später zugemauert wurde, könnte ein Hinweis auf den Thoraschrein sein. Belegen lässt sich diese Vermutung iedoch beim derzeitigen Kenntnisstand nicht.