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Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt
Ausstellung im Stadtmuseum Ingolstadt

 

Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt (1368/1413-1447)

Ludwig der Bärtige. Foto: Kurt Scheuerer Ludwig der Bärtige

Bild über dem Eingang

zum Südwestturm
im Liebfrauenmünster
in Ingolstadt.

Foto: Kurt Scheuerer

Herzog Ludwig gilt als der bedeutendste, aber auch als der schillerndste Fürst der Ingolstädter Linie. Er selbst nannte sich der "eltist und wirdigst fürst von Bayrn".
Seine Zeitgenossen schildern ihn als einen "herlichen, fraisheimen Fürst", mächtig und reich, wie kein anderer Landesherr. (Burkhard Zink)
Diese eindrucksvolle Herrscherpersönlichkeit der bayerischen Geschichte kennzeichnet ein sehr konträrer Charakter: höfische Gewandtheit, Weltläufigkeit auf der einen, Unzugänglichkeit, unerbittlicher, zynischer Spott auf der anderen Seite. Wie kein anderer verkörperte er das Ideal ritterlicher Ehre verbunden mit dem Prinzip fürstlicher Souveränität.
Sohn Herzog Stephans III., des Kneißels, hatte er bereits früh Anteil am Regierungsgeschäft seines Vaters, zunehmend auch im Gegensatz zu ihm.

Prägend für Ludwig war sein Aufenthalt am französischen Königshof in den Jahren 1391-1393 bzw. 1402-1415. Nicht nur äußerlich glich er sich französischer Art und Sitte an: Er nannte sich Loys und Graf zu Mortain und führte die Devise der "Chevaliers du Soleil d´Or". Folgerichtig betitelten ihn seine Zeitgenossen auch als Herzog von Frankreich.
Ludwig kümmerte sich in erster Linie um die französische Innenpolitik, weniger um sein Herzogtum Bayern, wenngleich er Neuburg als Nebenherrschaft im väterlichen Territorium ausgebaut hatte.
Ludwigs Schwester Elisabeth, besser bekannt als Isabeau, heiratete 1386 den späteren französischen König Karl. Durch die Krankheit seines Schwagers rückte er in das Zentrum der Macht. Als "frère de la Reine" amtierte er neben den Herzögen von Berry, Burgund und Bourbon im Vormundschaftsrat seit 1392, als königlicher Rat seit 1405/1406.
Seine anfänglich neutrale Haltung in der Auseinandersetzung zwischen Burgund und Orléans um die Vorherrschaft veränderte sich zusehends gegen die Burgunder. Auch als Ludwigs Vater, Stephan III., starb und sein Landshuter Vetter Heinrich begann, die Ingolstädter Lande einzukreisen, blieb er in Frankreich.

Erst 1415 kehrte er zurück: zunächst als Leiter der französischen Konzilsgesandtschaft in Konstanz.
Herzog Ludwig hatte in Frankreich zweimal geheiratet, jeweils aus vornehmen Familien am Hofe des Königs: 1402 Anna, die Witwe des Johann von Berry, Graf von Montpensier. Sie gebar ihm seinen einzigen legitimen Sohn, Ludwig VIII.; 1413 Katharina von Alençon, Witwe Peters von Navarra, Grafen von Mortain. Nach ihren Ländereien nannte Ludwig sich auch Graf von Mortain.
Ludwigs leidenschaftlicher Kampf gegen die Burgunder ließ ihn bis zum Jahr 1420 an eine Rückkehr nach Frankreich hoffen. Erst als seine Schwester auf die Seite der Burgunder überwechselte, war dies unmöglich geworden.
Reduziert auf sein kleines Ingolstädter Territorium, ließ Herzog Ludwig keine Gelegenheit aus, gegen die ungeliebte Teilung von 1392 zu opponieren, auch um den Preis kriegerischer Auseinandersetzung mit seinen Münchener und Landshuter Vettern. Er forcierte die Ausgleichsansprüche gegen Herzog Heinrich d. Reichen von Landshut vor allem um das böhmische Erbe in der Oberpfalz (Nordgau).
Ein weiteres wichtiges Ziel war Italien. Als Bundesgenosse des vertriebenen Visconti Giangaleazzo von Mailand, half er der oberitalienischen Liga auch mit seinen französischen Beziehungen.

Erfolgreicher war Herzog Ludwig in seiner "Innenpolitik": Vor allem die Verwaltung profitierte von seinen Erfahrungen aus Frankreich. Ein Denkmal setzte sich der alte Herzog aber mit seinen Bauten wie das Münster, die Pfarrkirche Zur Schönen Unserer Lieben Frau, das Neue Schloß und das Pfründnerhaus, die spätere Universität.
Marieluise Fleißer beschreibt die Gründe für den Münsterbau in ihrem Roman "Die mehlreisende Frieda Geier": "Die Kirche wurde von Ludwig den Gebarteten ... zur Buße für seine Sünden erbaut. Die junge Schwester hatte er stützen sollen am französischen Hof, wo sie mit dem wahnsinnigen König verheiratet war. ... Dem Bruder gab sie Schätze mit, ein Goldenes Rössl darunter. Einmal in Bayern, gab der stolze Bruder die Schätze nicht mehr her...."

Die finale Auseinandersetzung mit seinem Sohn Ludwig den Höckrigen und mit seinem Vetter Heinrich von Landshut stürzte sein Land und ihn selbst ins Unglück. Und dieses trug nicht nur politische Züge.
Heinrich hatte die Abwesenheit des Ingolstädter Herzogs genutzt, ihn diplomatisch zu isolieren. Die Konstanzer Liga von 1415 war ein großer Defensivbund gegen Ludwig den Bärtigen, auf Lebenszeit geschlossen und reichte von Innerösterreich bis in die Kurpfalz. Eine bedrohliche Machtkonstellation braute sich über dem Herzog zusammen, faktisch war er im ganzen Reich isoliert. Dafür sorgten Markgraf Friedrich von Brandenburg und Ludwig von der Pfalz.
1417 eskalierte Herzog Ludwigs Rivalität zu Heinrich in seinem Mordanschlag zu Konstanz und wurde zur unüberwindlichen Feindschaft. 1420 brach zwischen den wittelsbachischen Herzögen der offene Bruderkrieg aus. Der sog. Bayerische Krieg (1420-22) wurde ungemein grausam geführt und endete mit der Niederlage Ludwigs in der Schlacht bei Alling.

Konzilsbann, Verfemung und Reichsacht hätten Ludwig um sein Erbe gebracht, wenn seine Unterwerfung unter Kaiser Sigismund nicht vollständig gewesen wäre. Der Vater-Sohn Konflikt stellt den tragischen Aspekt seines Lebens dar. Hatte Ludwig bereits ein schlechtes Verhältnis zu seinem Vater Stephan, setzte sich dies bei seinem einzigen legitimen Sohn fort. Die systematische Zurücksetzung Ludwigs VIII. zugunsten des illegitimen Sohnes Wieland von Freyberg trieb diesen buchstäblich in das Lager der väterlichen Gegner. Sie mündete in die Erhebung des Sohnes gegen den Vater 1439 und in die Gefangennahme des alten Herzogs 1443.
Ludwig starb 1447 in der Gefangenschaft zu Burghausen.


Text: Dr. Beatrix Schönewald, 1997 - Seitengestaltung: Kurt Scheuerer, 2006
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