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Siegfried Hofmann:
Jesuiten und Wissenschaft
Ein Beitrag zur Ausstellung: Die Jesuiten in Ingolstadt

 
Das wissenschaftliche Engagement des Ordens war von Ignatius gewollt und in den Satzungen grundgelegt. Doch war die wissenschaftliche Erkenntnis nicht Selbstzweck:
»Weil es das Ziel ist, dem die Gesellschaft geraden Wegs zustrebt, den Seelen der Ihrigen und denen der Mitmenschen zu helfen, damit sie ihre letzte Bestimmung erreichen, für die sie geschaffen wurden, und weil dafür neben vorbildlichem Leben auch Lehre und Art und Weise ihrer Darlegung vonnöten sind, wird man dem Sichtbarwerden des notwendigen Fundamentes der Selbstverleugnung und des geforderten Fortschritts in den Tugenden für den Aufbau in den Wissenschaften und die Form ihrer Anwendung zu sorgen haben, als Hilfe dazu hin, Gott Unseren Schöpfer und Herrn mehr zu erkennen und ihm mehr zu dienen.«

Vor diesem Hintergrund ist die jesuitische Wissenschafts- und Bildungskonzeption zu sehen. Sie bot eine umfassende Weltsicht, deren letztes Ziel es statutengemäß war, auf Gott, den Schöpfer und Herrn, hinzuführen.

In diesem Wissenschaftsgebäude waren alle Disziplinen integriert, die Philosophie unter Einschluß der naturwissenschaftlichen Fächer ebenso wie die Theologie als oberste aller Wissenschaften.

Ein Thesenblatt von 1669, zeigt in einem Tempietto die Sapientia (Kat.Nr. 193), die Aufschrift lautet: »SAPIENTIA AEDIFICAVIT SIBI DOMVM«, auf der Kuppel prangt das jesuitische Monogramm »IHS«, vor ihm stehen die beiden Patrone der Fakultät der Artisten Katharina von Alexandrien und Franz Xaver (zweiter Patron ab 1622).

In einem anderen etwa gleichzeitigen Blatt (Kat.Nr. 92) beschließt den »Cursus Physicus« ein Schiff mit dem hl. Augustinus, der das Kreuz umfängt, mit dem bezeichnenden Schriftband "MEA PHILOSOPHIA SVBLIMIS". Auch die Philosophie führt zum Kreuz als zu ihrer Vollendung.

Trotz dieser letzten Sinnhaftigkeit bejahten die Jesuiten einen gewissen Eigenstand der Disziplinen gerade in der Philosophischen Fakultät in Methode und Erkenntnisstand, wehrten sich aber gegen eine Reduktion der Fächer der Fakultät auf instrumentale Fertigkeiten für das spätere Studium etwa von Medizin und Jurisprudenz.

Maßgebend für ihre Lehre war einerseits die gestellte Anforderung der Universität, andererseits aber - und das gab im Konfliktfall den Ausschlag - der Gehorsam gegenüber dem Orden.

Daß im Orden andererseits eine gewisse Offenheit möglich war, zeigen Beispiele wie das Eindringen des Cartesianismus bei Anton Kleinbrodt oder die Christian Wolff-Rezeption bei Benedikt Stattler, jedoch war selbstverständlich eine gewisse Gefährdung der geforderten universitären Freiheit nicht auszuschließen.

Die Besetzung der Professuren wurde von den Jesuiten mit der Souveränität einer weltweiten strategischen Planung des Ordens wahrgenommen, die gerade im Bereich der Fakultät der Artisten einen raschen Wechsel vorsah, die Universität hatte keinerlei Einfluß darauf.
Das jesuitische Verständnis wissenschaftlichen Wirkens, das Selbstverleugnung des Einzelnen im Gehorsam gegenüber dem Orden einschloß, stand im krassen Widerspruch zum Selbstverständnis einer autonom gewordenen Wissenschaftlichkeit. Der Konflikt war gerade im Bereich der philosophischen Fächer und damit im Grundstudium für alle Studienrichtungen, also auch für Jurisprudenz und Medizin ausgebrochen, gerade die Juristen standen vielfach im Lager der Gegner.

Eine freie Universität - wenn auch mit dem bayerischen Herzog als Herrn und dem Eichstätter Bischof als Kanzler - konnte und wollte sich nicht damit abfinden, daß Lehre und Berufungs- bzw. Besetzungsrecht in der Fakultät der Artisten völlig in die Hände der Gesellschaft Jesu gegeben waren.
Zwei Welten stießen aufeinander, bei totalem Anspruch war der Konflikt auf Dauer unvermeidlich, ein Miteinander war nur durch Verzicht auf beiden Seiten möglich.

Dr. Siegfried Hofmann. Die Jesuiten in Ingolstadt. 1991.
Bearbeitet von Kurt Scheuerer.


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