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Texte im Stadtmuseum Ingolstadt - Raum 37
Uhrmacher in Ingolstadt

 
Stadtmuseum Ingolstadt. Foto: Kurt Scheuerer
Stadtmuseum Ingolstadt. Foto: Kurt Scheuerer
l: Äquatorial-Taschensonnenuhr von Lorenz Gräßl, Ingolstadt. 18. Jahrhundert.

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Der Beginn der Zeitmessung liegt vollkommen im dunkeln. Man vermutet, dass etwa 3000 v. Chr. in Ägypten aus der Veränderung des Schattens das Verrinnen der Zeit entdeckt wurde und so die ersten Sonnenuhren entstanden. Je präziser dann im Verlauf der Jahrhunderte der Zeitbegriff wurde, desto stärker prägte sich das Verlangen der Menschen nach genaueren Zeitmessern aus.
Doch die antiken Wasseruhren, die chinesischen Feueruhren, die europäischen Öluhren und alle anderen Versuche ließen die Exaktheit der dann im Mittelalter entwickelte mechanischen Uhren vermissen. Seit Beginn des 14. Jahrhunderts fanden sich diese in Städten, Höfen und gelegentlich auch in privaten Haushalten. Hergestellt wurden diese Zeitmesser zunächst von verwandten Berufen wie den verschiedenen Schmiedehandwerkern, Glockengießern oder auch Orgelbauern.

Im 15. Jahrhundert war ein rascher Anstieg des Uhrmacherhandwerks festzustellen, was nicht so sehr auf zwischenzeitlich nun zumeist vorhandene Turmuhren, sondern auf die wachsende Zahl kleinerer Haus-, Tisch- und Halsuhren zurückzuführen ist. Auch für Ingolstadt steht zu dieser Zeit eine Präsenz des Uhrmacherhandwerks zu vermuten.

Mitte des 16. Jahrhunderts konstruierte Philipp Apian in Ingolstadt Sonnenuhren, Himmelsgloben und astronomische Geräte, als erster Handwerker des Genres wird aber erst Hyronimus Wittich bekannt, der 1557 in Ingolstadt das Bürgerrecht erhielt. Wittich erwarb sich rasch hohes Ansehen, er fertigte 1562 die Münsterturmuhr und erhielt Aufträge weit über die Region hinaus (Eichstätt, Großmehring, Vohburg, Freising).

Im 17. Jahrhundert sind die Uhrmacher Christoph Degler, Mathes Messner, Georg Probst Philipp Strobel und Thomas Koch bekannt, über deren Arbeiten ist jedoch nichts überliefert.

Zunächst waren die Uhrmacher mit anderen kleinen Metallgewerben zu einer Zunft zusammengeschlossen, allmählich wollten die zahlreicher und selbstbewusster gewordenen Uhrmacher aber ihre zünftische Selbständigkeit erreichen. Dies konnte im allgemeinen erst im Verlaufe des 17. Jahrhunderts durchgesetzt werden, in Ingolstadt wurden die Klein- und Großuhrmacher von den Schlossern, Sporern und Naglern sogar erst 1730 "separiert". Bedeutendster Ingolstädter Uhrmacher im 18. Jahrhundert war wohl Wolfgang Stadler (Stattler), der in der Harderstraße ein Haus besaß und von 1723 bis 1753 aktenmäßig belegt ist.

Seit dem 18. Jahrhundert beschränkte sich das Tätigkeitsfeld des Uhrmacherhandwerks in Deutschland in zunehmendem Maße auf den Verkauf, die Wartung und Reparatur von Uhren, die zumeist aus England und der Schweiz importiert wurden, wo sich regelrechte Manufakturen gebildet hatten. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts galt, im Vergleich zu anderen von der Industrialisierung bedrohten Handwerkern, die Lage der Uhrmacher als gut, wenngleich auch die industrielle Uhrenproduktion rapide zunahm. So dürfte auch der Ingolstädter Uhrmacher Hans Rink, der 1867 als Hausbesitzer erwähnt ist, seinen Wohlstand eher dem Verkauf und der Reparatur von Uhren verdanken.

Tafeltext im Stadtmuseum Ingolstadt - Fotos: Kurt Scheuerer


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