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Baiuvarii
Archäologischer Beitrag zur Siedlungsgeschichte der Region Ingolstadt von der späten Römerzeit bis ins frühe Mittelalter

Karl Heinz Rieder
Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, 99. Jahrgang, 1990
Ingolstadt 1991, S. 9-76.


Die Gruppe Friedenhain

Abb. 1. Friedenhain in Bayern
1981 hat mir Th. Fischer seinen Aufsatz über die germanischen Funde der römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit aus der Oberpfalz mit der Bitte überreicht, ein besonderes Augenmerk auf die darin abgehandelte Fundgruppe Friedenhain-Prestovice zu legen. (1) Der Wunsch war verständlich, da die Kartierung von Fundstellen dieser Gruppe zeigte (Abb.1), daß die Region Ingolstadt die natürliche Fortsetzung des Verbreitungsgebietes westlich der Oberpfalz darstellt. (2) Die Gruppe Friedenhain, wie sie im folgenden kurz genannt wird, zeichnet sich durch eine in vorgeschichtlicher Manier hergestellte Keramik aus, die sich in ihrem Formen- und Verzierungsspektrum sowie herstellungstechnisch zu erkennen gibt. Die Gruppe wurde mit guten Argumenten mit den Baiu(o)varii in Verbindung gebracht, dem namengebenden Traditionskern der Bayern.

Damals war freilich noch offen, in welcher Weise sich im nördlichen Oberbayern der weitere Fundanfall entwickeln würde. Schon bald aber zeigte es sich, daß gerade bei regulären Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege in konstanter Folge einschlägige Fundkomplexe dokumentiert werden konnten. Die Sammeltätigkeit ehrenamtlicher Mitarbeiter lieferte, bestätigend dazu, einen nicht minder wichtigen Beitrag.

In jüngster Zeit hat Th. Fischer gelegentlich an sein Anliegen erinnert, die inzwischen angefallene Datensammlung für die Region Ingolstadt wenigstens kataloghaft vorzulegen, um sie in die fachliche Diskussion zu bringen. In dieselbe Richtung zielte eine Ermunterung von S. Hofmann, Kulturreferent der Stadt Ingolstadt, Direktor des Stadtarchivs und Leiter des Stadtmuseums. Als ideeller und tatkräftiger Förderer landesgeschichtlicher Forschung hat er in seiner Funktion als 1. Vorsitzender des Historischen Vereins Ingolstadt das Sammelblatt als Forum hierfür angeboten, wofür ihm herzlich gedankt sei.


Die Forschungsgeschichte in der Region Ingolstadt

Der langjährige Heimatpfleger im Altlandkreis Ingolstadt, Vorsitzender des Historischen Vereins und Museumskustos Dr. Josef Reichart, hat im Jahr 1957 in der Reihe der Ingolstädter Sammelblätter einen regionalen Beitrag zur Kenntnis kaiserzeitlicher Germanensiedlungen vorgelegt, wobei er auch kursorisch auf die Siedlungsgeschichte der Region Ingolstadt als solche Bezug nimmt. (3) Reichart sah seinen Beitrag als Ergänzung der Arbeiten Reineckes, dessen verdienstvolle Pioniertätigkeit er lobend herausstellt. (4) Damit war er einer der wenigen Heimatpfleger, die zur genannten Thematik aus eigenem Fundus positive Befunde vorlegen konnten. Seine siedlungskundlichen Ausführungen sind heute aus dem Wissensstand ihrer Zeit zu bewerten und als forschungsgeschichtlich anzusehen.

Die heutige Region Ingolstadt als nördlicher Teil Oberbayerns ist als politisches Gebilde erst durch die Gebietsreform von 1972 entstanden. (5) Der Landkreis Eichstätt als ihr nördlichster Teil war zuvor Bestandteil des Regierungsbezirks Mittelfranken. F. Winkelmann hat hier als Reichslimeskommissar eine intensive Forschungs- und Ausgrabungstätigkeit entfaltet und 1926 seinen bekannten Katalog »Eichstätt« vorgelegt. (6) In seiner Siedlungsgeschichte mußte er sich darin auf die gegebene Quellensituation beschränken, wobei für die bei unserer Betrachtung ins Auge gefaßten Zeitabschnitte verständlicherweise nur allgemeine Aussagen möglich waren. Reinecke konnte sich bei seiner Fundvorlage auf einige Angaben Winkelmanns stützen. (7) Bis zur detaillierten Bearbeitung der germanischen Funde der späten Kaiserzeit und des frühen Mittelalters in Mittelfranken und ihrer Vorlage im Jahre 1962 durch H. Dannheimer hatte sich der Forschungsstand um nur wenige Befunde und Komplexe erweitert. (8)

Der Nordosten der heutigen Region war als ehemaliger Landkreis Beilngries ein Teil der Oberpfalz. 1964 hat W. Torbrügge die »Forschungsregion Beilngries« als Fundlandschaft vorgestellt. (9) Wegen fehlender archäologischer Quellen mußten auch dabei Aussagen zur hier behandelten Thematik, welche über den allgemeinen Kenntnisstand hinausgehen, unterbleiben.

Etwas günstiger gestaltet sich die regionale Quellenlage im heutigen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, welcher, was seinen Neuburger Gebietsanteil betrifft, ehemals dem Regierungsbezirk Schwaben angehörte. Hier liegt, bedingt durch die Entdeckung, Ausgrabung und wissenschaftliche Bearbeitung des spätrömischen Gräberfeldes von Neuburg, die detaillierte Bearbeitung durch E. Keller vor, in der auch das engere und weitere Umfeld einbezogen ist. (10) Die einschlägigen Vorarbeiten sind das Verdienst von M. Eckstein, der über Jahrzehnte hinweg eine umfangreiche archäologische Betreuung des Landkreises sichergestellt hat. (11)

Als letzte »alte« oberbayerische Gebietskörperschaft ist der Landkreis Pfaffenhofen zu nennen. Die für unsere Betrachtung relevanten nördlichen Gemeinden waren bis zur Gebietsreform Bestandteil des Altlandkreises Ingolstadt und wurden von Reichart bereits berücksichtigt.

Daß auch einige Gemeinden bzw. Gemeindeteile der Oberpfalz in den Regierungsbezirk Oberbayern eingegliedert wurden, sei hier nur der Vollständigkeit wegen erwähnt. Sie fallen fundstatistisch nicht ins Gewicht.


Sammelblatt des Historischen Vereins Ingolstadt, 99. Jahrgang, 1990
Karl Heinz Rieder, Ingolstadt 1991. S. 9-11.

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