Logo Kurt Scheuerer Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Geschichte von Ingolstadt
Anja Ledderose
Merowingerzeit in der Gemarkung Etting

 
Siedlungsstrukturen des frühen Mittelalters können mit Hilfe archäologischer Funde nachgezeichnet und interpretiert werden. Im Ingolstädter Raum zeigt sich, dass hier mit differenzierten Ergebnissen gerechnet werden muß, die oftmals mit hoch- bzw. spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Verhältnissen kaum etwas gemeinsam haben. Die Untersuchung eines modernen Siedlungskomplexes kann eine Vielfalt von Fragen für die Merowingerzeit aufwerfen, die im folgenden anhand der Gemarkung Etting skizziert werden sollen.

Gräber innerhalb von Etting

Im Kern des heutigen Ortes Etting im Norden von Ingolstadt wurden im vorigen Jahrhundert neun merowingerzeitliche Gräber aufgedeckt. Sechs kamen 250 m nordwestlich und drei 70 m nordöstlich der Kirche St. Michael zum Vorschein. Die Gräber nordwestlich der Kirche waren - wohl mit Ausnahme eines bereits 1937 zerstörten Saxgrabes - nur spärlich mit Trachtbestandteilen versehen. Sie dürften dem späteren 7. Jahrhundert angehören.
Eines der Gräber im Nordosten zeigte eine reichere Ausstattung. Es enthielt eine vollständige Waffenausrüstung aus Spatha, Sax, Schild und Lanze, dazu eine vielteilige Saxgarnitur und eine eiserne Stangentrense, die den Bestatteten als Reiter ausweist. Die Beigaben datieren das Grab in die Mitte des 7. Jahrhunderts. Aus einem benachbarten Grab konnten noch die Reste einer Spatha geborgen werden.

Keine präzisen Angaben liegen über die Fundumstände eines Reitergrabes vor, das eine bereits vor Jahrzehnten verschollene Spatha und zwei bronzene Sporen enthielt.
Die Fundstelle wird heute - allerdings mit einer gewissen Unsicherheit - ca. 250 m nördlich der Kirche von Etting lokalisiert. Während über das Aussehen der Spatha nichts Näheres bekannt ist, handelt es sich bei den Sporen offensichtlich um ein Schlaufensporenpaar. Die hohen ungegliederten Bügel, schmale, leicht abgesetzte Schlaufen und ein dreieckiger bzw. dachförmiger Bügelquerschnitt legen seine formale Einordnung ans Ende der Merowingerzeit nahe.

Schon im 17. Jahrhundert wurden in der Kirche St. Michael drei Steinplattengräber entdeckt, deren frühmittelalterliche Zeitstellung sich allerdings nicht absichern lässt. Ähnlich sieht es mit einigen beigabenlosen Bestattungen aus, die angeblich ca. 500 m nordwestlich der Kirche beim Wasserleitungsbau in den 60iger Jahren zerstört worden sein sollen.

Die Verteilung der Gräber im heutigen Ort lässt keine konkreten Schlüsse auf Anzahl und Art der Bestattungsplätze zu. Der Abstand zwischen den Gräbern nördlich bzw. nordöstlich der Kirche und den Arealen im Westen beträgt 300 und mehr Meter, so dass von einem einzigen Gräberfeld im Ort wohl nicht ausgegangen werden kann. Die jeweilige Zugehörigkeit der Gräber zu einem Reihengräberfeld oder einer kleinen Grabgruppe kann jedoch in keinem Fall mit Sicherheit geklärt werden.

Der außerhalb des Ortes gelegene Fundplatz eines Anfang des 20. Jahrhunderts zerstörten Grabes, das eine Spatha enthielt, wird ca. 1000 m östlich der Kirche vermutet. Weitere Gräber sind in der Nähe nicht überliefert. Ein Zusammenhang zwischen dem Grab und einer Ansiedlung ist bisher ebenso wenig zu erschließen wie im Fall der Gräberareale im Ort. Hier sind zusätzlich die Auffindungsmöglichkeiten von Siedlungsresten durch die moderne Überbauung stark eingeschränkt.

Gräber außerhalb von Etting

Den genannten Altfunden in der Gemarkung Etting stehen zwei in jüngster Zeit archäologisch untersuchte Bestattungsplätze der Merowingerzeit gegenüber. Sie liegen beide in einiger Entfernung des heutigen Ortes. Auf sie soll im folgenden etwas ausführlicher eingegangen werden.

Ziegelsaumäcker

Von 1996 bis 2001 konnten auf der Flur Ziegelsaumäcker im nordöstlichen Bereich des Audi-Geländes südlich von Etting insgesamt 74 Gräber eines Reihengräberfelds dokumentiert werden. Der Bestattungsplatz liegt ca. 1200 m von der Ortskirche entfernt am Nordhang eines Höhenrückens zwischen dem Retzgraben im Norden und dem Augraben im Süden.
Das Gräberfeld ist nicht vollständig erfasst. Im Bereich der Straße im Norden und des Parkplatzes bei der östlich an die Grabungsfläche anschließenden Audi-Werkhalle ist die Situation unklar. Wie viele Gräber fehlen, kann nur geschätzt werden, wobei wohl mit einem Verlust von ca. einem Drittel der Gesamtgräberanzahl gerechnet werden muß.
Der starke Beraubungsgrad der Nekropole erschwert die chronologische Einordnung, so daß definitive Aussagen über Beginn und Ende der Belegung derzeit noch nicht möglich sind. Der Belegungsschwerpunkt dürfte in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 7. Jhds. liegen. In diese Zeit lassen sich einige besser ausgestattete Männergräber mit verschiedenen Waffenkombinationen aus Spatha, Sax, Lanze und Schild datieren.
Zu ihnen gehört auch das Inventar des Grabes 7 mit Breitsax und vielteiliger Gürtelgarnitur aus dem 3. Viertel oder 2. Drittel des 7. Jahrhunderts.
Zwei Gräber mit Langsax, einfachen eisernen Gürtelschnallen und Klappmessern belegen, dass auf dem Gräberfeld Ziegelsaumäcker bis in die Zeit um 700 bestattet wurde. Einen Hinweis auf die Anwesenheit einer sozial höher gestellten Bevölkerungsschicht auf dem Friedhof liefern neben den reicher ausgestatteten Waffengräbern auch die in Grab 83 nachgewiesenen Goldbrokatreste der Kleidung eines Kindes oder Jugendlichen.

Nekropole Sandfeld

1996 wurden im Osten von Etting auf der Flur Sandfeld Ausgrabungen im Bereich der Ortsumgehungsstraße und der ICE-Trasse durchgeführt, die Funde verschiedener Zeitstellungen erbrachten. Vollständig erfasst und dokumentiert werden konnte ein kleiner Bestattungsplatz der Zeit um 700 und der ersten Hälfte des 8. Jhds.
Das Gräberfeld liegt in leichter Hanglage knapp an der Gemarkungsgrenze Etting-Oberhaunstadt und ziemlich genau in der Mitte zwischen Wettstetten im Norden, Etting im Westen und Lenting im Osten. Die heutige Landkreisgrenze verläuft direkt nördlich der Fundstelle. Die einleitend angesprochene Schwierigkeit der Übertragbarkeit neuzeitlicher Struktur- und Siedlungsverhältnisse auf das Frühmittelalter zeigt sich hier besonders deutlich.

Plan von ProArch

Die Nekropole Sandfeld besteht aus 31 Gräbern mit 37 Individuen. Dazu kommt die Bestattung eines Hundes in Grab 35. Die Gräber sind größtenteils unberaubt, 25 von ihnen enthielten Beigaben. Der im Westen der Nekropole gelegene Kreisgraben umschließt die Bestattungen dreier Männer.
Foto: Gutzeit
Die beiden Männer der südlichen Doppelgrablege waren jeweils mit einem Langsax ausgestattet und trugen Gewänder, die im Hals- und Brustbereich mit Goldfäden geschmückt waren. Bei beiden ist zudem jeweils ein Sporenpaar nachgewiesen. Auch der Mann im ausnahmsweise stark beraubten nördlichen Einzelgrab besaß zumindest einen Sporn, der ihn ebenfalls als Reiter ausweist.
Das bronzene Sporenpaar, das dem nördlich gelegenen Mann der Doppelbestattung mitgegeben wurde, zeichnet sich durch eine hohe Qualität aus. Die mit Buckeln verzierten Sporenbügel und Riemendurchzüge weisen bereits in frühkarolingische Zeit. Als Vergleiche sind ein spätmerowingisches Sporenpaar aus Pfahlheim und ein Sporn aus Westendorf bei Kaufbeuren anzuführen. Die Bügel sind ebenfalls mit Buckeln verziert. Der Sporn aus Westendorf besitzt zudem eine Tierornamentik, die sehr wahrscheinlich ganz ans Ende des 7. oder bereits ins 8. Jahrhundert gesetzt werden kann.
Foto: LAfD
Dem Mann wurde außerdem ein Trinkhorn mitgegeben. Die silbernen und silbervergoldeten Bestandteile der Aufhängung (Zwinge, Schnalle und Riemenzunge) und der silbervergoldete Mündungsbeschlag, dessen Tierornamentik auf eine Herkunft aus dem insularen Raum hinweist, verdeutlichen die Exklusivität dieses besonderen Gegenstandes.

Die Nekropole erbrachte darüber hinaus einige weitere Gräber, die in einem ähnlichen sozialen Rahmen gesehen werden dürfen wie Grab 3.
Im Doppelgrab 18 wurden zwei junge Männer bestattet, von denen der eine ein Eisensporenpaar trug, der andere einen Bronzesporn mit Garnitur am rechten Fuß.
Der Mann im Grab 19 besaß einen Sax und ein Eisensporenpaar mit perlrandverzierten Dornen. Als Reiter mit einem Eisensporenpaar lässt sich auch der ganz im Osten der Nekropole in Grab 27 bestattete Mann identifizieren.

Foto: LAfD
Zu den wertvollen Frauenbeigaben gehört eine vergoldete bronzene Pressblechscheibenfibel aus dem Doppelgrab 10. Eine nahezu exakte Parallele stammt aus dem Reihengräberfeld von München-Giesing.
Zu sehen ist jeweils im Vordergrund ein Brautpaar - der Mann rechts kniend, die Frau auf der linken Seite stehend - und im Hintergrund eine segnende Christusfigur. Der Darstellung liegen mediterrane Vorbilder des 7. Jahrhunderts zugrunde.

Die anthropologischen Untersuchungen für den Bestattungsplatz Etting-Sandfeld ergaben eine ausgeglichene Verteilung von Männern, Frauen und Kindern. Die Sterblichkeitsrate erwies sich für alle Altersgruppen als relativ gering. Morphologische Untersuchungen und chemische Analysen sprechen dafür, daß der Bestattungsplatz einer wohlhabenden Bevölkerungsschicht zuzuordnen ist. Ergebnisse, die zu einer weiteren gesellschaftlichen Untergliederung der Gemeinschaft beitragen könnten, ergaben sich von anthropologischer Seite bisher nicht. Für einen Teil der Skelette sind DNA-Analysen geplant, die vielleicht in einigen Fällen über soziale Beziehungen einzelner Individuen zu einander Auskunft geben können.

Im Osten der Nekropole Sandfeld wurden in etwa 50 m Entfernung zwei weitere Gräber aufgedeckt. Ihr Verhältnis zum Bestattungsplatz ist unklar. Nach der anthropologischen Bestimmung handelt es sich um zwei Frauen. Eine der beiden trug eine Perlenkette, deren chronologische Einordnung im Rahmen der Zeitstellung des Gräberfelds liegt.
Der Befund erinnert vielleicht an eine Situation in Friedberg bei Augsburg, wo drei beigabenlose Gräber nördlich einer kleinen Separatnekropole des 7. Jahrhunderts aufgefunden wurden. Die beiden Ettinger Gräber liegen allerdings hart an der nordöstlichen Grabungsgrenze, so dass über eventuelle weitere Gräber in diesem Bereich bisher keine Aussagen getroffen werden können.

Die Gräberfelder Etting-Ziegelsaumäcker und Etting-Sandfeld repräsentieren zwei unterschiedliche Formen von Bestattungsplätzen. Während es sich bei Ziegelsaumäcker um ein Reihengräberfeld handelt, liegt mit Sandfeld der kleine Begräbnisplatz einer gesellschaftlichen Oberschicht vor.

Siedlungen

In der Nähe beider Bestattungsplätze sind Siedlungsspuren bekannt.

Ca. 500 m südwestlich des Gräberfelds Etting-Ziegelsaumäcker wurden Pfostenstellungen und frühmittelalterliches Siedlungsmaterial nachgewiesen. Möglicherweise ist hiermit ein Ausschnitt der zum Gräberfeld gehörenden Siedlung erfasst.
Weiter südlich im Bereich des Güterverkehrszentrums deuten Keramikfunde auf eine Neu- oder Weiterbesiedlung in der Karolingerzeit hin.

Auf der Flur Sandfeld sind Siedlungsspuren großflächiger ergraben. Etwa 100 m südlich des kleinen Bestattungsplatzes wurden am Ufer des Zell-Augrabens im Bereich einer Villa rustica zahlreiche Pfostengruben von Hausgrundrissen freigelegt.
Innerhalb der Siedlung fand sich eine kleine Hofgrablege mit vier nicht genauer datierbaren Bestattungen. Die Siedlungskeramik spricht für die Gleichzeitigkeit von Wohnplatz und Gräberfeld.

Betrachtet man sich die vorgestellten Fundorte der Merowingerzeit in der Gemarkung Etting, so zeigt sich, dass innerhalb eines Siedlungskomplexes mit mehreren Bestattungsplatzformen gerechnet werden muß, die zumindest zum Teil zeitgleich neben einander bestanden. So dürfte die Nekropole Etting-Sandfeld ungefähr gleichzeitig mit den spätesten Gräbern des Reihengräberfelds Etting-Ziegelsaumäcker und mit einigen Gräbern im heutigen Ort angelegt worden sein. Vermutlich ist auch die kleine Hofgrablege in der Siedlung von Etting-Sandfeld nicht wesentlich später einzuordnen.

Ausblick

Der für die Gemarkung Etting konstatierte Befund stellt keine Ausnahme im Ingolstädter Raum dar. Eine entsprechende Kartierung nach spätmerowingischen Reihengräbern auf der einen und Einzelgräbern bzw. kleineren Grabgruppen und Bestattungsplätzen auf der anderen Seite zeigt vielmehr, dass auch an anderen Orten mit vergleichbaren Entwicklungen gerechnet werden kann. Eine der jüngeren Grabungen bestätigte dies u.a. für Großmehring im Landkreis Eichstätt.

Großmehring

Großmehring liegt Donau abwärts ca. 8 km östlich von Ingolstadt. In der Flur Strassgwender im Osten des Ortes kamen auf einer etwas mehr als einen Quadratkilometer umfassenden Grabungsfläche Funde unterschiedlichster Zeitstellung zutage.
Einen großen Bereich decken Siedlungsspuren ab, unter denen sich - ähnlich wie in Etting-Sandfeld bei einer römischen Villa gelegen - frühmittelalterliche Pfostenstellungen und Grubenhäuser des 7. und 8. Jahrhunderts befanden. Innerhalb des östlichen und nordöstlichen Areals wurden an mehreren Stellen Einzelgräber und kleine Grabgruppen aufdeckt, die zum Teil mit reichen Beigaben des 7. Jhds. ausgestattet waren. Hierzu gehört z.B. das Frauengrab 87 aus dem späten 7. Jahrhundert.
Bei diesen Gräbern handelt es sich offensichtlich um Hofgrablegen, deren Zuordnung zu einzelnen Höfen wegen der starken Befundüberlagerungen allerdings im Augenblick nicht möglich ist. Einzelgräber finden sich außerdem im Westen der Grabungsfläche. Einige von ihnen enthielten ebenfalls Beigaben, die sich noch ins 7. Jahrhundert datieren lassen.
An der nördlichen Grenze der Grabungsfläche wurden ca. 40 Gräber freigelegt. Bis auf einen wohl relativ kleinen Bereich ganz oben im Norden dürfte die Nekropole vollständig erfasst sein. Manche Gräber waren besonders reich ausgestattet. Zu ihnen gehört das durch einen Kreisgraben markierte Männergrab 55, dessen Erscheinungsbild trotz starker Beraubung an der hohen sozialen Stellung des hier Bestatteten keinen Zweifel zuläßt.
Ähnlich wie in Etting-Sandfeld könnte es sich bei dem Gräberfeld um den separaten Bestattungsplatz einer wohlhabenden Bevölkerungsschicht handeln. Zeitlich setzt er etwas früher ein, wohl um die Mitte des 7. Jahrhunderts und reicht bis ins frühe 8. Jahrhundert hinein.

Westlich des Bestattungsplatzes wurden einige Gräber eines weiteren, ursprünglich umfangreichen Gräberfelds freigelegt. Die meisten Gräber sind beigabenlos. Die nur gelegentlich beigegebenen Messer und Gürtelschnallen sind für eine genauere chronologische Einordnung kaum brauchbar.

Wandel der Bestattungsplätze

Zwischen Großmehring-Stassgwender und Etting-Sandfeld bestehen auffällige Gemeinsamkeiten. Hier wie dort ließen sich Angehörige einer sozialen Oberschicht in der Nähe einer zeitgleich bestehenden Siedlung auf einem kleinen Friedhof beisetzen. Innerhalb dieser Siedlung wurden jeweils andere Bewohner etwa zur gleichen Zeit bei ihren Höfen bestattet. Es ist fraglich, ob hinter diesen Erscheinungen jeweils ausschließlich soziale Aspekte im Sinne einer gesellschaftlichen Trennung stehen können. Diese würden sich dann durch die Anlage verschiedener Friedhöfe für bestimmte Bevölkerungsgruppen ausdrücken. Die Ausstattung der Gräber der Separatnekropole und der Hofgrablegen in Großmehring-Straßgwender allerdings läßt eben gerade nicht von vorne herein Schlüsse auf eine gesellschaftliche Gebundenheit an einen bestimmten Bestattungsplatz zu.

Es stellt sich demnach nicht nur die Frage nach den Beziehungen der Bestatteten innerhalb einer Friedhofsgemeinschaft. Ebenso ist zu überlegen, welche wie auch immer gearteten Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zwischen den zur gleichen Zeit auf den verschiedenen Bestattungsplätzen beigesetzten Personen bestanden haben könnten.

Nach meinen bisherigen Untersuchungen der Spät- und Endmerowingerzeit im Ingolstädter Raum ist es offensichtlich, dass der Wandel der Bestattungsplätze am Ende der Merowingerzeit differenzierter betrachtet werden muß als dies in der Forschung bisher vielfach geschieht. Nicht nur die Separierungstendenzen eines sogenannten Adels sind von Bedeutung. Das Nebeneinander der verschiedenen Bestattungsplatzformen in spätmerowingischer Zeit lässt erkennen, dass offensichtlich auch andere Bevölkerungsteile ihre Bestattungsgewohnheiten änderten, die nicht zwangläufig der Oberschicht zugeordnet werden können. Über die möglichen Gründe hierfür lässt sich derzeit nur spekulieren. Jedoch scheinen mir im Rahmen meiner Dissertation gute Voraussetzungen gegeben, in dieser Hinsicht für den Ingolstädter Raum zu neuen Ergebnissen zu gelangen - nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit der Anthropologie, deren Aussagen zu Lebensgewohnheiten und sozialer Stellung eines Individuums sich gerade dann als besonders wertvoll erweisen, wenn die Möglichkeiten des Archäologen durch die Beigabenlosigkeit eingeschränkt sind.

Anja Ledderose, 2003


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