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Texte im Stadtmuseum Ingolstadt - Raum 37
Kupferschmiede

 
Stadtmuseum Ingolstadt. Foto: Kurt Scheuerer

Schätzungen zufolge sollen Kenntnisse des Metalls Kupfer etwa 9000 Jahre zurückreichen, in Mitteleuropa immerhin noch bis etwa 2200 vor Christus. Nachteile seiner geringen Härte versuchte man durch Legieren (mit Zinn zu Bronze, mit Zinkspat zu Messing) zu verbessern, was gleichzeitig auch eine Vielzahl an Verarbeitungstechniken wie Produktformen schuf.

Im Spätmittelalter zeigte sich dies in den vielfältigen Kupfer verarbeitenden Berufen: Rot- und Gelbgießer, Rot-, Draht- und Blechschmiede, Beckenschläger, Gürtler, Zirkelschmiede, Waagenmacher und anderes mehr. Während diese aber eher gehobenen Bedürfnissen dienten, stellten Kupferschmiede mehr das tägliche Gebrauchsgeschirr her. Von deren häufigstem Produkt stammt auch der Name Kesselschmied oder aufgrund ihrer hauptsächlichsten Arbeitstechniken die Bezeichnung Kaltschmied.

Eines der größten Markt- und Verarbeitungszentren war Nürnberg, dessen Versorgung durch die Hütten an der Pegnitz bis nach Thüringen und Böhmen gewährleistet war. Ein weiterer überregionaler Kupferhandelsplatz war Augsburg. Man darf für das einschlägige Ingolstädter Handwerk starken Einfluss von diesen Zentren annehmen.

Die Produktionspalette der Kupferschmiede umfasste Haushaltsgeschirr wie Töpfe, Pfannen, Becher, Flaschen, Backformen, Herdschiffe, Gießkannen, Siebe, Waschbecken, Bettwärmer aber auch höherwertige Gerätschaften wie Samoware, Leuchter oder Lampen.
Die Bearbeitungstechniken reichten vom Dengeln, Treiben oder Kaltschlagen bis zum Löten, Falzen und Nieten. Verschönert wurde das Gerät durch Polieren, zuweile auch mittels Punzen verziert.

Das Kupferschmiedhandwerk ist eher dem zahlenmäßig kleineren zuzurechnen, in kleineren und mittleren Städten genügten ein bis zwei Meisterbetriebe, die allein oder mit höchstens einem Gesellen oder Lehrling arbeiteten. Sie waren ohne weiteres im Stande, den lokalen wie den Bedarf des ländlichen Umfeldes abzudecken.

Das herzogliche Urbar von 1417 nennt für Ingolstadt drei Kupferschmiede, die zu Fuhrleistungen oder Hofstättenzins verpflichtet waren.

Die Gewerbeordnung von ca. 1580 erwähnte Kupferschmiede, um 1636 wird dann häufiger von einem "erbaren Handwerk der Kupferschmiede" gehandelt und 1835 sind im Gewerbekataster immerhin noch zwei Kupferschmiede (Joseph Zoetl und Ander Remold) verzeichnet.

Tafeltext im Stadtmuseum Ingolstadt - Foto: Kurt Scheuerer


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