Logo Kurt Scheuerer Kurt Scheuerer - Materialsammlung zur Geschichte von Ingolstadt
Münzkabinett im Stadtmuseum
Münzen aus dem keltischen Oppidum bei Manching

 
Die hauptsächliche Münzprägung im großen keltischen Oppidum der Vindeliker bei Manching (an der Donau, südlich von Ingolstadt) fand im späten 2. und frühen 1. Jh. v.Chr. statt.
Geprägt wurde in Gold, Silber und vermutlich auch Kupfer. Dabei gab es vermutlich in jedem Falle ganze und auch Viertelstücke.
In dieser kleinen Sonderschau im Stadtmuseum Ingolstadt (im Januar 2002) sind die wesentlichen Neuerwerbungen des letzten Jahrzehnts zusammen getragen worden.

Die Boier im heutigen Böhmen prägten schon länger nach griechischem Vorbild Goldmünzen. (Siehe: Keltenmünzen.) Dieses ist von den Vindelikern in Manching übernommen worden.
Ausgehend von einer boiischen Münze mit einer Art "Drachenschlange" (Rolltier) als Urbild fertigten die Boier weiterhin Münzen mit lediglich einem Buckel (Muschel).

Foto: Kurt Scheuerer
In Manching wurden die "Rolltier-Statere" zunächst mit anderen Rückseiten nachgeahmt.
Später verschwand der Schlangenkörper, es blieb ein Raubvogelkopf mit einem Kranz.
Durch starke Ausnutzung der Stempel verschwanden diese Münzbilder völlig und es blieben nur glatte Münzen über.
Alle diese Goldmünzen weisen eine starke schüsselförmige Wölbung auf.
Bei den hier gezeigten Stücken handelt es sich um Viertelstatere.
Oft tauchen in Manching auch Münzen auf, die mit einem Kupferkern gefüttert sind und eine Feuervergoldung aufweisen.

 

Das Vorbild des römischen Denars fand im östlichen Mittelgallien starke Nachahmung, allerdings
Foto: Kurt Scheuerer
in halber Größe als Quinar.
Als Münzbild trugen diese gallischen Münzen den Kopf der Roma mit Helm und ein Pferd mit Umschrift.

 

Foto: Kurt Scheuerer
In Manching wurde diese Bildthematik beibehalten.

Die Vorderseite zeigt einen, nun allerdings männlichen Kopf mit wildem Haar- und Bartwuchs. Auf den ältesten Münzen erscheint der Kopf noch einigermaßen natürlich, verwildert jedoch zunehmend.

Auf der Rückseite ist ein Pferd dargestellt.
Foto: Kurt Scheuerer
Das Pferd auf den ältesten Münzen bäumt sich auf und zertritt eine Schlange, die es ins Maul beißen möchte.
Über dem Rücken des Pferdes befinden sich an Stelle des Reiters ein oder mehrere Punkte oder sonstige Zeichen.

 

Foto: Kurt Scheuerer

Nun verwildert der Kopf auf der Vorderseite der Quinare zusehends. Typisch sind die drei Punkte für die Ohren, welche sich meist im Zentrum der erhabenen Münzenvorderseite befinden. Später gibt es nur noch einen Ohrenpunkt.
Das Pferd bäumt sich nicht mehr auf, es trabt eher. Der Reiter wird durch eine Kugel, gelegentlich mit Torques darüber, symbolisiert.

Foto: Kurt Scheuerer
Das Gesicht des stilisierten Kopfes sieht nun wie eine Zange (Beißzange) aus, deren oberer Bogen von der Nase, der untere vom Kinn herrührt. Der Mund selbst ist nur noch ein kleiner Punkt oder ein kleiner Strich dazwischen.
Die Haare sind immer gescheitelt. Im Scheitel befindet sich oft ein Punkt.
Etwa die Hälfte dieser Köpfe zeigt nach links, die andere nach rechts.

Die Form der Münzen ist gewölbt, etwa so wie bei den Goldstateren (Regenbogenschüsselchen). Es treten aber bei diesem Typ C oft auch kleine, fast kugelförmige Münzchen auf, welche jedoch ebenfalls das Gewicht von ca. 1,3 g haben, weil sie entsprechend dicker sind.

 

Foto: Kurt Scheuerer
Foto: Kurt Scheuerer

Später entwickelt sich der Kopf zu einem Wirbel, welcher links oder rechts gedreht sein kann. Gelegentlich gibt es Striche zwischen den Armen des Wirbels.
Der Typ des Pferdes ist nun deutlich anders als bei den vorhergehenden Münzen-Typen. Als Beizeichen treten nun zwei einander zugewendete Torques-Bögen über dem Rücken des Pferdes auf.

 

Foto: Kurt Scheuerer
Zu allen diesen Typen gibt es auch Viertelstücke.
Der Manchinger Typ dieser Viertelquinare zeigt auf der Vorderseite einen stilisierten Kopf mit wild abstehenden Haaren.
Am Hals ist zumeist ein Halsring, der Torques zu sehen.
Der Mund besteht aus zwei Punkten.

Dieser Münzentyp mit Kopf und Pferd kommt auch im boiischen Bereich vor. Wohl griechischen Enfluss zeigt das boiische Münzchen mit dem "Seestern".

Foto: Kurt Scheuerer Die Rückseite des Manchinger Typs (hier leicht vergrößert) zeigt durchwegs ein Pferd, meist mit fünf Punkten über dem Rücken und einem Y-förmigen Beizeichen zwischen den Beinen. Dieses Zeichen wandelt sich und sieht dann wie die in Manching auch gefundenen Sporen der Reiter aus.

 

Foto: Kurt Scheuerer
Der Typ der Kreuzmünzen taucht erstmals in Südgallien, dann im Schwarzwald und in Manching auf.
Im Bild oben der Typ Dühren, unten der Typ Schönaich.
In Manching gefundene Münzenstempel zeigen, dass der Typ Schönaich auch (oder nur) hier geprägt worden ist.

Aus den ursprünglich griechischen Schriftzeichen sind nun Symbole geworden, die nicht näher deutbar sind.

 

 

Foto: Kurt Scheuerer
Die in Manching gefundenen Bronzemünzen stammen fast durchwegs aus Gallien. Sie sind aus einer besonderen, stark zinnhaltigen Legierung gegossen, die man als Potin bezeichnet.
(Einige seltene schwach gegossene Stücke lassen den Verdacht aufkommen, dass auch in Manching Nachgüsse hergestellt worden sind.)

 

Foto: Kurt Scheuerer
Ob es sich bei den kleinen Ringen um Viertel-Bronzen handelt, kann in Erwägung gezogen werden.
Foto: Kurt Scheuerer
Die in Serie gegossenen Ringe sind außen oft stark abgenutzt, innen jedoch nicht.
Viele zeigen innen noch die scharfe Gusskante, können also wohl nicht an Schnüren getragen worden sein.

 

Kurt Scheuerer, Ingolstadt, 2002


siehe auch:


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