Seiteninhalt

Anmerkungen zur Ingolstädter Astronomie. Georg Schönberger und sein Mondkrater
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.177 vom 15.05.2025

In Johann Heinrich Zeidlers „Grossem Vollständigen Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste“, das zwischen 1731 und 1754 in 64 Bänden in Halle (Saale) und Leipzig erschien, enthält der Band 35 einen Eintrag zu Georg Schonberger (auch Schönberger oder Schomberger genannt). Es heißt dort: Ein Jesuit und guter Mathematicus, war zu Inspruck 1596 geboren und lehrte in seiner Societaet die schönen Wissenschafften, ingleichen die Moral und Mathematic, war auch eine Zeitlang Pro-Rector zu Prag und Rector zu Olmüz, worauf er 1645, den 1. August zu Gradisch in Böhmen zu Tode abging.“
Was in dieser kurzen Vita nicht Erwähnung findet, ist:

Schönberger studierte an der Universität Ingolstadt bei keinem Geringeren als Christoph Scheiner. Er verfasste unter dessen Leitung eine Dissertation über Sonnenuhren, in der er eine geometrische Theorie der Sonnenuhren entwickelt und ihre praktische Herstellung in allen Einzelheiten angibt (wie Rita Haub in ihrem kenntnis- und detailreichen Buch „Sonne, Mond und Sterne. Jesuiten als Entdecker“ schreibt): die „Exegeses fundamentorum gnomonicorum“, die 1615 in Ingolstadt erschien. „Dabei wird ein Instrument beschrieben und durch eine Zeichnung veranschaulicht, mit dem man im Stande ist, sämtliche Kegelschnitte mechanisch zu zeichnen – und es zeigt ebenso wie der Pantograph das Geschick Scheiners, mathematische Gedanken praktisch zu realisieren“.

Und : Schönberger wurde 1621 Scheiners Nachfolger in Freiburg. Scheiner war auf Wunsch Erzherzogs Leopold V. von Tirol-Österreich – des Bruders Kaiser Ferdinands II., der selbst in Ingolstadt studiert hatte – im Herbst 1620 an die Universität Freiburg berufen worden und hatte dort den Lehrstuhl für Mathematik übernommen, war aber schon im Frühjahr 1621 wieder abberufen worden und hatte das Amt seinem früheren Schüler übergeben, der es, neun Jahre lang, versah.
Aus Schönbergers Freiburger Zeit stammen – alle dort verlegt – die „Demonstratio et constructio horologiorum novorum“ (1622), die „Centuria Problematum Opticorum“ (1626) und vor allem „Sol Illustratus“ (1626). Diese Freiburger Thesen, „Sol Illustratus“, widmete Schönberger Erzherzog Leopold. Scheiner, der 1611 von Ingolstadt aus erstmals, von Johann Baptist Cysat assistiert, die Sonnenflecken beobachtet hatte, international nun berühmt war und 1626 mit der Publikation seines Hauptwerkes „Rosa ursina sive sol“ begann, in dem er die Sonnenflecken genauestens beschreibt und in einen erbitterten Prioritätenstreit mit Galilei gerät, ist über Schönbergers „Sol Illustratus“ besorgt und schreibt am 19. Dezember 1626 an den Erzherzog, dass er seinem Lieblingsschüler Schönberger einst in Ingolstadt und Freiburg seine Thesen über die Sonnenflecken und Sonnenphänomene unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitgeteilt habe. Jetzt sei er beunruhigt über die Veröffentlichung der Thesen, denn dadurch setze man seine Arbeit einer Gefahr durch Galilei aus. Er erbittet sich vom Erzherzog, dass er kein Exemplar der Thesen Schönbergers nach Rom schicke.

Dass Scheiner wie auch sein weiterer Ingolstädter Schüler und Kollege ,Johann Baptist Cysat – der selbst zu internationalem Gelehrten- und Astronomen-Ruhm gelangte – mit der Namensgeber-Ehre für einen Mondkrater (Scheiner) und Cysat mit den „Monticuli Cysati“,einem Riesengebirge am Südpol des Mondes, ausgezeichnet wurden, ist zumindest unter Astronomie-affinen Personen einigermaßen bekannt, weniger hingegen, dass es auch einen Mondkrater Schomberger gibt. Das ist ein Einschlagkrater im äußersten Süden der Mondvorderseite, südlich des Kraters Manzinus und südwestlich des Boguslawsky (Position 76,6 Grad S, 24,59 Grad W). Der Durchmesser beträgt 88 Kilometer, die Tiefe 5760 Meter. Der Kraterrand ist mäßig erodiert; das Innere weist konzentrische Strukturen und einen Zentralberg auf. Es gibt zwölf Nebenkrater. Die Benennung erfolgte (im selben Jahr wie die des Scheinerkraters), 1935, durch die IUA.
(Siehe: John Westfall; Atlas of the Lunar Terminator; Cambridge, 2000 – und : Schomberger;https:// planetary names.wr.usgs .gov/Feature 5378 im Gazetteer of Planetary Nomenclature der IAU (WGPSN/USGS).)