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Dem hochberühmten Mediziner Peter Burckhard – Luthers Professoren-Kollegen – zum 5oo. Todestag
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.225 vom 01.06.2026

„Decessit in Sancto pavascenes“. Er starb am Karfreitag des Jahres 1526, verkündet eines der schönsten Marmorepitaphe des Ingolstädter Münsters vom östlichen Nordportale her. Und rühmt den Mann, Peter Burckhard, „Doktor und öffentlicher Professor der Medizin…“, der also vor genau 500 Jahren verstorben ist. „Seine Seele möge in Gott leben“, wünscht seine Tochter Margarete, die ihm und „seiner keuschen Gattin Ursula Unertl“ dieses Grabmal setzen ließ.
Wie alt der Mediziner wurde, erschließt sich daraus nicht. (Der Eichstätter Professor Rainer A. Müller nimmt im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität als Geburtszeit ca. 1465 an, was ein Sterbealter von rund 60 Jahren bedeuten würde.) Aus anderen Quellen ist bekannt, dass er ein gebürtiger Ingolstädter war, „was ihm gegenüber einem zweiten Bewerber den Vorzug gab, als man an der Hohen Schule eine Vakanz besetzte“ („Ingolstadts Grabstein erzählen…“).

Zunächst aber hatte er selbst zu studieren. 1497 nahm er an der Universität seiner Heimatstadt seine Studien auf, erwarb den Magistergrad und wurde 1484 in das Gremium der Lesenden Magister aufgenommen. 1497 folgte die Promotion zum Doktor der Medizin, die er als Schüler des bekannten Ingolstädter Professors Wolfgang Peisser gelernt hatte. Ein Jahr danach bereits erhielt er eine medizinische Lektur. 1500 bis 1503 war er Kämmerer, dann verlies er die Universität, nicht aber die Region. Bis 1506 war er Leibarzt des Eichstätter Bischofs.
Rudolf Koller schreibt (in „Ingolstadts Grabsteine erzählen…“), Burckhard habe bereits 1504 einen Ruf nach Wittenberg erhalten. Der Münchener Hofbibliothekar Andreas Felix von Oefele (1706-1780) schreibt in seinem „Elenchus quorundam Bavariae Medicorum“, Burckard habe 1512 Wittenberg verlassen, in Regensburg als Arzt praktiziert und sei 1514 wieder nach Wittenberg zurückgekehrt.
Sicher ist: 1518 – ein Jahr nach Luthers Anschlag seiner 95 Thesen – erhält Burckhard eine Medizinprofessur an der Universität Wittenberg (Matrikeleintrag vom 29. September dieses Jahres). Burckhard ist jedenfalls der erste Professor seines Fachbereiches, der an der jungen Universität eine Promotion durchführt. 1519 publiziert er ebenfalls in Wittenberg sein Werk „Parva Hippocratis Tabula“, zu dem Philipp Melanchton ein Vorwort verfasst, in dem er „für die Erneuerung der durch den Arabismus verderbten griechischen Medizin eintrat“ (R. A. Müller).

Die Universität Wittenberg, 1502 gegründet, war gerade erst entstanden.1508 schrieb sich dort ein gewisser Martin Luther ein. Vier Jahre später wurde er Professor für Theologie.
Melanchton war 1518 als Professor für Griechisch an die Universität gekommen und lehrte an der Artistenfakultät. 1519 wird er zum Baccalaureus biblicus graduiert und erhält die Lehrbefähigung auch für die Theologische Fakultät.

Die Leipziger Disputation vom 27. Juni bis 15. Juli 1519 – das Rededuell zwischen Martin Luther und Professor Johannes Eck aus Ingolstadt – bei der der Ingolstädter Theologe mit überlegener Argumentation Luther in die Enge und in den Satz, auch Konzile könnten irren, treibt, gilt als wesentlicher Schritt zum Durchbruch der Reformation. Eck war der erste, der erkannte, dass es Luther nicht um den Ablassmissbrauch – um eine kirchliche Reform – ging, sondern um einen Angriff auf die überlieferte Struktur der Kirche. Seine erste große systematische Abhandlung widmete Eck der Verteidigung des päpstlichen Primats („De primatu Petri adversus Lutherum“), die 1520 in Ingolstadt und 1521 in Paris erschien. Im Frühjahr 1520 reiste Eck nach Rom und war maßgeblich an der Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“ (vom 15. Juni11520) beteiligt, die er über die Alpen zurück mitbrachte und in einer Ingolstädter Offizin in Druck gab.

1520 wird Peter Burckhard Rektor der Universität Wittenberg. Dabei gerät er wegen seiner Verbindungen mit Professor Eck und zu Ingolstadt in eine schwierige Position.
1521 – in einem Jahr, in dem in Ingolstadt die Pest wütet und fast alle Professoren und viele Studenten die Stadt verlassen haben, kehrt Burckhard nach Ingolstadt zurück. Spekuliert wird, ob dies in Zusammenhang steht mit der Glaubensspaltung und Burckhard an eine Universität „heimkehrt“, die den Ruf eines Zentrum und Hortes des allein selig-machenden Glaubens genießt und er damit „dem alten Glauben treu bleiben wollte“ („Ingolstadts Grabsteine erzählen…“) Oder: ob Burckhard zurückkam, der bedrängten Bevölkerung der Stadt mit seinen medizinischen Fähigkeiten zu helfen.
Nachdem 1522 der Ingolstädter Lehrbetrieb wieder aufgenommen wurde, war Burckhard mehrfach Dekan der medizinischen Fakultät.
Er starb am 30. März 1526.

Sein eingangs angesprochenes Epitaph im Münster zeigt im oberen Teil den Verstorbenen mit seinem Sohn, vor dem Gekreuzigten knieend, und – auf der anderen Seite des Kreuzes – die Gattin mit vier Töchtern, von denen zwei in Nonnentracht gekleidet sind, während die Wappen zu Füssen der beiden anderen anzeigen, dass sie verheiratet waren, eine in frühbarockem Rahmen ausgewogen komponierte Szene. Die darunter angebrachte Inschrift, in Latein verfasst und in gotischen Lettern graviert, ist graphisch hervorragend gestaltet und zeugt von künstlerischem Können des Urhebers.