Demenoux S.J. – ein Wanderprofessor
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.209 vom 15.01.2026
Für Jakob Demenoux aus Salins les Bains, einen Ingolstädter Philosophieprofessor steht 2024 der 400. Geburtstag an. Er kam dort am 26. April 1624 zur Welt – einer uralten Stadt der Salzgewinnung (in der einige Forscher das von Caesar beschriebene „oppidum Alesia“ sehen wollen, in dem die gallischen Truppen von den Römern vernichtend geschlagen wurden – dies nur für Freunde der Asterix-und-Obelix-Tradition).
Im frühen 17. Jahrhundert, als Demenoux heranwuchs, hatte Salins dank der Salzquellen eine bedeutende Stellung errungen, Burgen waren zum Schutz der Saline errichtet worden. Die Stadt war Mittelpunkt der Franche-Comté und übertraf an Einwohnern die damalige Hauptstadt Dôle. Mönche ließen sich nieder, gründeten Klöster und Hospitäler.
Da bot sich für einen jungen Mann Gelegenheit zum Aufstieg in die Gelehrsamkeit, in den Klerus. 1642 trat Demenoux dem Jesuitenorden bei. Er verbrachte das Noviziat in Landsberg. Nach vier Jahren des Magisteriums kam er 1651 aus Freiburg im Breisgau nach Ingolstadt und legte (möglicherweise in Eichstätt) die drei höheren Weihen ab. Er lehrte 1656 an der Universität Innsbruck, 1657-1660 an der Universität Dillingen und 1660-1663 an der Hohen Schule zu Ingolstadt. Aus dieser Zeit stammt die Disputatio philosophica de indivisibilbius quantitatis (Ingolstadt, 1663).
Er wechselt dann nach München auf eine Professur für Moraltheologie. Seine nächste Etappe ist Luzern, wo er ab 1665 scholastische Theologie vermittelt, ehe er mit dem selben Fach 1668-1671 an der Universität von Freiburg im Breisgau tätig wird, deren theologischer Fakultät er ab dem Sommersemester 1969 drei hintereinanderliegende Semester als Dekan vorsteht. 1673 wechselt er auf die Professur für „Spekulative Theologie“ nach Innsbruck (und bekleidet zugleich im Jesuitenkolleg die Stellung eines Präfekten der Höheren Studien).
Spekulative Philosophie ist ein Denkansatz, zu Erkenntnis zu gelangen, indem man über die herkömmliche praktische, empirische Lehre hinausgeht und sich auf das Wesen der Dinge und ihre ersten Prinzipien besinnt. Der griechische Begriff „theoria“ (Betrachtung) wurde in das lateinische „speculatio“ übersetzt, bedeutet aber zugleich „contemplatio“.
Demenoux steht hier in der Tradition des Augustinus, muss sich mit dem diskursiven Denken, den Transzendentalien und dem Sylogismus der Scholastik, mit Wilhelm von Ockham befassen, wie sich seine Gedanken niederschlagen und vielleicht wegbereitend waren für Kant, Hegel und Ludwig von Feuerbach. Es folgten Charles Sanders Peirce, Alfred Northwhitehead.
Auch heute wird umgangssprachlich Spekulation in dem Sinn verwendet, dass Behauptungen aufgestellt werden, denen eine rationale Grundlage fehlt. Andererseits wird „Spekulation“ in der Alltagssprache gebraucht, wenn es um Aussagen geht, die sich erst in der Zukunft als falsch oder richtig erweisen werden. Karl Popper verteidigt „spekulatives Denken“ als einen Weg, zu Theorien zu gelangen – damit sie als „wissenschaftlich akzeptiert“ werden, müssen sie jedoch kritisch überprüft werden.
All dies zeigt: Die „spekulative Theologie“, die Demenoux zum Lehrstuhl-Thema erhob, ist ein Denkansatz, um über die Methode des Denkens nachzudenken – und dies mit einer Tiefe der Reflexion, die die hellsten Köpfe der Zeit bis heute beschäftigt.
1678 geht Demenoux nach Freiburg und 1681 kehrt er nach Luzern zurück.
Das literarische Werk Demenoux‘ ist beschränkt. Bekannt sind einige philosophische-theologische Disputationen – etwa die Disputatio logica de distirictionabius et praecisionibus logicis aus seiner Zeit in Dillingen und dort 1658 verlegt, wie auch die Disputatio philosophica de conditionibus et motivis von 1660.
Auf das oben genannte Ingolstädter Werk von 1663 folgt die 1676 in Innsbruck verlegte Disputatio Theologica in prima secundae de Gratia quam in catholica et Caesareo – archiducali universitate omnipontana preside P. Jacobo Demenov societatis Jesu S.S. Theologie professore oridinaris et nunc Decano…
Im November 1682 stirbt Demenoux dort an Podagra, nachdem er bereits einige Zeit gelähmt gewesen war.
