Der Astronom, der Ingolstadts Polhöhe bestimmte. Caesar Ammann
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.167 vom 01.02.2025
Dass Ingolstadt mit Scheiner, Cysat und Kollegen in der Astronomie eine herausragende Rolle spielte und Premium-Technik vom Feinsten in die Welt setzte, ist (über die einschlägigen Fachkreise hinaus) nicht hinreichend bekannt. Das sollte geändert werden.( Die junge Ingolstädter Initiative „Kluge Köpfe“ findet darin ein Betätigungsfeld und sollte auch von Seiten der Stadt und all jener, die sich für das Stadtimage zuständig und berufen fühlen, entsprechend nicht nur mit Worten sondern auch mit angemessener finanzieller Hilfe unterstützt werden).
Aber auch in späteren Universitätszeiten war „Astronomie in Ingolstadt“ präsent, ein Zentrum der Forschung und mit an der Spitze des Wissens. Sie verfügte im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, dank der Weitsicht und Bildung des im Konvikt lebenden Jesuitenoberen ( der zuvor schon Führer der Jesuitenprovinz gewesen war und es bald wieder sein würde, über eine hervorragend gerüstete Sternwarte. Vor diesem Hintergrund bestimmte 1767 der aus Innsbruck gebürtige Jesuit Caesar Ammann (1727 bis 1792) (siehe: Cornelia Jahn, Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität), 1765 als Lehrender für Mathematik und Hebraistik an die Universität Ingolstadt berufen, wo er - wie zuvor schon in Dillingen - die Betreuung der Sternwarte übernahm, zusammen mit seinem Schüler Ignaz Balthasar Pickel die Polhöhe Ingolstadts.
Unter Polhöhe versteht man den Höhenwinkel des Himmelsnordpols über dem mathematischen Horizont am Beobachtungsstandpunkt. Sie bezeichnet den senkrechten Winkelabstand zwischen Horizont und Himmelsnordpol und ist annähernd identisch mit dessen geographischer Breite. Der Himmelsnordpol liegt nahe dem Polarstern und ist der Durchstoßpunkt der verlängert gedachten Erdachse mit der Himmelskugel. Die Polhöhe ist ein wichtiger Wert zur korrekten Einnordung der äquatorialen Montierung eines astronomischen Teleskops zur genauen Bestimmung mittels Polaris-Azimut ( de.m.wikipedia.org).
Ammann konnte dabei, schreibt Cornelia Jahn, „auf die hervorragende Ausstattung der Ingolstädter Sternwarte zurückgreifen, die Ignaz Rhomberg, besagter Ordensproncial, aufbauen hatte lassen.Als „Hilfsmittel diente Ammann ein dreifüßiger Quadrant, den der bekannte Augsburger Feinmechaniker Georg Friedrich Brander konstruiert hatte“.
Seine Beobachtungen veröffentlichte Ammann umgehend: „De altitudine poli obervatorii astronomici Ingolstadiensis“(Ingolstadt, 1767).
Unter Berufung auf seine wissenschaftliche Tätigkeit, die zu zahlreichen Abhandlungen führte (darunter das Werk „ Quadrans astronomicus novus descriptus et examinatus in specula uranica Ingolstadiensis “ (Augsburg, 1770) lehnte Ammann eine Wahl zum Dekan ab.
Schon über seinen Lebensweg vor seiner Ingolstädter Lehrtätigkeit ist wenig bekannt. 1744 war er dem Jesuitenorden beigetreten, hatte Grammatik in Hall und Ellwangen, dann Philosophie in Trient unterrichtet. 1762 bis 1764 hatte er Mathematik und Hebräisch in Dillingen ( und Freiburg) gelehrt und zu Dillingen, wie oben erwähnt, nicht nur dieselben Fächer wie dann in Ingolstadt vertreten, sondern auch die Sternwarte betreut.
1770 scheidet er wegen Krankheit aus dem Ingolstädter Lehramt aus, womit auch die (universitäre) Überlieferung über seinen weiteren Lebensweg endet. Welche Krankheit auch immer ihn gezwungen haben mag, das Lehramt aufzugeben, es bleiben ihm noch zweiundzwanzig Lebensjahre. Nach vergleichbaren Lebensläufen steht zu vermuten, dass er sich in der Seelsorge betätigte, mutmaßlich in der Region seiner Herkunft. Im September 1792 stirbt er in Hall, in Tirol.
