Der erste Theologie-Professor der Universität Ingolstadt. Johann Ludovici.
Rat des Landshuter Herzogs und Bischof von Regensburg
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.171 vom 15.03.2025
Dies ist der Bericht über den ersten Theologieprofessor der Universität Ingolstadt (Helmut Zedelmaier, Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität).
Als man 1472 die Universität Ingolstadt gründete, war es offenbar nicht einfach, die Lehrstühle zu besetzen und den Unterricht in Gang zu bringen. Das gilt auch (und soll hier beleuchtet werden) für die Theologische Fakultät. Zwei Wiener Professoren waren dafür in Aussicht genommen worden; beide Berufungen scheiterten. Es konnte nicht ausbleiben, dass der Landesherr, der Stifter der Universität, Ludwig der Reiche, Herzog von Niederbayern und in seiner Hauptstadt Landshut residierend, an seinen als Rat amtierenden Bischof Heinrich von Absberg mit der Forderung herantrat, einen geeigneten Kandidaten zu benennen. Mutmaßlich schlug der Regensburger Bischof seinen Weihbischof Johann Ludovici vor, einen Mann aus dem Augustinereremitenorden, der am 3.Juli 1472 an der Universität immatrikuliert wurde. Er war zunächst der einzige Theologe an der Universität in statu nascendi und damit unausweichlich auch Dekan der Fakultät. Und er hatte die Aufgabe am Halse, eine funktionsfähige Institution aufzubauen. Sieht man genauer hin, war er eigentlich kein Hoch-Schul-Lehrer, sondern ein gewiefter Verwalter, der wusste, wie man Verwaltungsstrukturen schafft. Tatsächlich ist der neue Dekan nun wirklich kein unbeschriebenes Blatt beim bayerischen Klerus. Er hat es immerhin zum Weihbischof geschafft.
Man weiß, dass er in Würzburg zur Welt kam,(nicht überliefert ist aber wann).Man darf getrost annehmen, dass er einer wirtschaftlich wohlgestellten und gesellschaftliche gehobenen Familie angehörte, zumindest legt dies sein durchaus prestige-zeigender akademischer Lebensweg nahe, auch die Tatsache, dass er dem Augustinerorden beitrat, zu Windsheim. Der Ort liegt in Mittelfranken (im heutigen Landkreis Neustadt-an-der-Aisch-Bad Windsheim, westlich Nürnbergs) und war 1248 zur Reichsstadt erhoben worden.1291 war ein Kloster errichtet, 1393 eine Lateinschule gegründet worden (,in die, von den Lebensdaten her, Ludovici hätte gehen können).
Die ersten Augustiner-Eremiten waren 1262 unter Leitung von Guido Salvanus, dem ersten Provinzial der neu errichteten deutschen Augustinerprovinz nach Würzburg gekommen und hatten dort eine Niederlassung errichtet. Das Windsheimer Augustinerkloster wurde 1291 von Albrecht Gailling zu Illesheim-Röllinghausen gestiftet und zu Ludovicis Lebzeiten aktiv. (1523 dann waren ihm nur noch der Prior und zwei Mönche verblieben, die sich der Reformation ihres Ordensbruders Martin Luther zuwandten.1526 löste man das Kloster auf).
1452 promovierte Ludovici in Florenz zum Doktor der Theologie. (Also an einer der „höheren Fakultäten“; legt man die üblichen Studienzeiträume zu Grunde – drei Jahre zum Magister der Philosophischen Fakultät und damit Zulassung zum Studium an einer drei höheren Fakultäten von oft vier Jahren bis zur Promotion – und stellt den zeitlichen Verzug durch das „Auslandsstudium“ in Rechnung, käme man auf ein Geburtsjahr um 1425: bei seinem Wirken in Ingolstadt wäre Ludovici mithin zwischen 45 und 50 Jahren alt gewesen).
1454 bis 1456 war er Lektor und Prior des Würzburger Konvents seines Ordens und Mitglied der Windsheimer Gemeinschaft, zwischenzeitlich aber Studienpräfekt an der Universität Wien.
1461 und danach war Ludovici wiederholt Provinzial des Augustinereremitenordens in Bayern. 1468 wurde er Weihbischof in Regensburg und Titularbischof von Hierapolis.
Dass Regensburg einer der bedeutendsten Bischofssitze seiner Zeit und darüber hinaus war, war zweifellos allen bedeutenden und einflussreichen Personen im Reich bekannt (,etwas weniger vielleicht die Tatsache, dass ein Bastard-Sohn Herzog Stephans des Kneißls - mithin ein Halbbruder der Königin von Frankreich, der aus Ingolstadt stammenden Isabeau de Bavière, und des Ingolstädter Herzogs Ludwig des Gebarteten , Souverän von Bayern-Ingolstadt – Bischof von Regensburg geworden war. Mit dem Tod Ludwigs des Gebarteten war die Ingolstädter Herzogslinie erloschen. Die „Reichen Landshuter Herzöge“ hatten sich das Ingolstädter Bayern-Herzogtum angeeignet und Ingolstadt für den Verlust der Eigenschaft als Landeshauptstadt mit der Rolle als Universitätsstadt entschädigt. - Aber die ist nun „eine andere Geschichte“).
Da es offenbar nicht einfach war, einen Gründungs-Professor und Gründungsdekan für die theologische Fakultät der Universität zu finden, der dieser Aufgabe gewachsen wäre, war Ludovici aus Sicht der herzoglichen Verwaltung der Mann der Stunde: als Akademiker ausgewiesen, als Kirchenmann fest verankert, als Verwalter einer Behörde erprobt .
Die Universität war am 26.Juni 1472 in Anwesenheit des Landesherrn, Herzog Ludwig des Reichen, festlich eröffnet worden. Die Rede hielt der herzogliche Rat Martin Mair, einer der ersten Humanisten. Nur wenige Tage später, am 3.Juli 1472, trug sich Ludovici in die Matrikel der Universität ein. Er kooptierte zwei Doctores der Theologie, Johann Heberer und Lukas Braun (Praun). Dieses Dreiergremium schuf die ersten Fakultätsstatuten und promovierte den ersten Doktor der Theologie an der Universität Johann Permeter von Adorf., um sich gleich danach wieder aufzulösen. So arbeiten gewiefte Verwalter: Johann Heberer verließ Ingolstadt unverzüglich 1473. Der Augsburger Dominikaner Braun war ohnehin nur zu diesen Zwecken, einen Doktor Permeter zu kreieren, nach Ingolstadt gereist, hatte sich immatrikuliertund reiste nach Konstituierung der Fakultät gleich wieder nach Augsburg zurück..
Ludovicis Aufgabe war es gewesen, die Theologische Fakultät zu gründen. Die Stauten zur Regelung der Promotionen waren geschaffen, der erste Doktor der Theologie am 9.Februar 1473 promoviert worden. Bereits am 10. Februar trat Johann Permeter von Adorf die Nachfolge des Gründungsdekans Ludovici an. Noch im Februar verlässt Ludovici Ingolstadt.
Am 8. September 1473 wird er, wohl in Anerkennung seiner Verdienste und Fähigkeiten und angesichts der raschen Erledigung seiner Aufgabe zum herzoglichen Rat berufen.
