Die Anfänge der juristischen Fakultät der Universität Ingolstadt. (2. Fortsetzung)
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.201 vom 01.12.2025
Der erste Rektor der Universität Ingolstadt: Christoph Mendel von Steinfels
Wie in der letzten Ausgabe dargestellt, hatte sich der führende Kopf der Ingolstädter Juristen Wilhelm Kyrmann (den der Herzog als kommissarischen Rektor der Universität bestellt hatte), Hoffnung gemacht, von der Professorenschaft und den Gremien der Universität auch zum ersten Rektor gewählt zu werden. Er war enttäuscht und war wohl auch verbittert, als diese sicherlich besondere Ehre seinem adeligen Fakultätskollegen Christoph Mendel von Steinfels zufiel, der am 25. April 1472 in Anwesenheit den Landesherrn gewählt wurde und bis April 1473 amtierte. (Im Wintersemester 1476/1477 fungiert er nochmals als Rektor und war 1472 bis 1476 auch Kammerer der Universitäten).
Mit Christoph Mendel, dem Ordinarius für Institution in der Gründerzeit, war neben Kyrmann eine durchaus profilierte Juristenpersönlichkeit an der Universität tätig.
Kurz vor der Jahrhundertmitte auf Schloss Steinfels in der Oberpfalz geboren (der Vater hieß Eberhard, die Mutter Magdalena war eine Plankenfels von Hohentreswitz), entstammt Christoph jener Seitenlinie eines Nürnberger Ratsgeschlechtes, die zu den wichtigsten oberpfälzischen Eisenhammerunternehmern gehörte. Vater Eberhard war von Kaiser Friedrich III. in den Ritterstand erhoben wurden. (Reinhard Stauder, im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München).
1463 kommt er an die Universität Leipzig und absolviert zügig seine artistischen Studien – wird 1464 Bakkalaureus und 1466 Magister. Mutmaßlich nimmt er danach das Studium in der juristischen Fakultät auf. Lizenz und Doktorat im Zivilrecht (so Stauber) erwirbt er in Pavia.
Am 31. Mai 1472 wird Mendel „ordinarius in institutionibus“ der Universität Ingolstadt und gehört damit zum Kreis der ersten fünf Professoren der juristischen Fakultät. Mendels Eintrag in die Ingolstädter Matrikel stammt zwar erst von Ende Mai, doch (so Helmut Wolff) „kann vermutet werden, dass auch er… bereits zuvor mit den Problemen der neugegründeten Universität befasst war, … seine Mitwirkung in der Übergangsphase des ersten Jahres wird schon erheblich gewesen sein…“
Jedenfalls wurde ihm die Ehre (und Bürde) übertragen, der erste Rektor der ersten (und lange Zeit einzigen) bayerischen Landesuniversität zu sein.
Sein und des herzoglichen Stifters Bild – beide zu Füssen Mariens mit dem Kind kniend – schmücken die Prunkseite der Matrikel, mit der, beginnend zum 18. März 1472, die Namen, wer an dieser erlauchten Universität unterrichtet, wer dort studiert, wer zur Gemeinschaft der Universität gehört, verzeichnet sind - eine „Widmungsseite“, die sub specie aeternitatis – zumindest aber für kommende Jahrhunderte – Kunde vom „Gründungs-Rektor“ ablegen würde.
Mendels Rektorat währte volle neun Monate und war wohl (wie oben erwähnt) mit dem Amt des Kämmerers verbunden (das er bis 1476 beibehielt – und damit in der Universitätsverwaltung eine herausragende Einflussposition behielt).
Soweit die Seite der Universitätsverwaltung. Daneben steht die Lehre: Von der zivilistischen (Anfangs-) Lektur, die er 1472/1473 versah, stieg er 1473/1474 auf zur Pandekten-Lektur (zweiter zivilistischer Ordinarius), 1473/1474 zur Kodex-Lektur (erster zivilrechtlicher Ordinarius) – Jahr für Jahr eine Beförderung. Seine Besoldung erreicht 125 Gulden jährlich. „Doch scheint er – so Wolff – nicht voll zufrieden gewesen zu sein und durchaus höher fliegende Pläne gehabt zu haben“. Nachdem sich seine Hoffnung auf die gut dotierte Ingolstädter Moritzpfarrei zerschlagen hat, glückt ihm die Erlangung einer Domherrnpfründe im benachbarten Eichstätt.
Zu Beginn 1480 verlässt Mendel die Universität, um in Eichstätter Dienste zu treten. Im folgenden Jahr ist er dort bereits als Generalvikar bezeugt. Daneben ist er Domherr auch in Augsburg, Inhaber zahlreicher Pfründen und als Diplomat den Landshuter Herrn verbunden. Nachdrücklich scheint er zudem den Eichstätter Bischofsstuhl angestrebt zu haben. Seine hartnäckige langjährige Opposition gegen den 1496 gewählten neuen Bischof Gabriel von Eyb führt schließlich zu seiner Amtsenthebung.
Seiner Eichstätter Ämter enthoben geht er nach Salzburg, wo er als Kanzler des Erzbischofs (1499) einen neuen Wirkungsbereich findet und ab 1502 mit dem Bischofssitz von Chiemsee wohl auch die erstrebte Ehrenstellung erlangt. Er starb im Mai 1508 in Salzburg und wurde im dortigen Dom bestattet.
(Fortsetzung folgt)
