Die Ingolstädter Schäffler und ihr Tanz
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.172a vom 04.04.2025
NEUERSCHEINUNG
Ein großer Text-Bild-Band mit Fotos von Gert Schmidbauer, der „Geschichte der Ingolstädter Schäffler“ von Archivarin Martina Pohl sowie Beiträgen von Marion Englhart, Michael Klarner und Gerd Riedel.
Der 176 Seiten umfassende Band wurde im Rahmen der Vorschau auf die nächste Tanzsaison der Schäffler 2026 vom Ersten Vorsitzenden der Schäffler-Gilde, Reinhard Büchl, im Ingolstädter Weißbräuhaus vorgestellt.
Das Buch stellt die Entstehung des Zunfttanzes der Schäffler in Bayern und sein Aufkommen in Ingolstadt dar. Erstmals präsentierten die Schäffler von Ingolstadt 1902 ihren Tanz, nachdem sie die Kostüme von den Neuburger Kollegen übernommen hatten.
Eine Besonderheit des vorgelegten Text-Bild-Bandes ist: von allen Tanzsaisonen seit 1902 bis heute liegen Gruppenfotos der Tänzer und Musiker vor. Hinzu kommen zahlreiche „historische Fotos“ über all die Jahrzehnte hinweg. Aufgenommen wurden auch – und sie machen in besonderer Weise den Charm des Buches aus – die aktuellen Fotos des leider viel zu früh verstorbenen, bekannten Ingolstädter Fotografen Gert Schmidbauer, der die letzte Tanzsaison 2019 mit der Kamera begleitet hat und dem es gelungen ist, viele Aspekte und die Atmosphäre rund um die Auftritte einzufangen. Sie werden in teilweise ganzseitigen Abbildungen gezeigt.
Aber nicht nur die Geschichte des Tanzes wird geschildert. Mit detektivischem Gespür hat die gelernte Archivarin Martina Pohl die Geschichte der Schäffler-Zunft in Ingolstadt nach den Urkunden im Stadtarchiv und nach Sichtung der umfangreichen Literatur aufgearbeitet und sie bis zum ersten namentlich bekannten Schäffler in Ingolstadt, einem gewissen Paltwein, 1358, zurückverfolgt. Hinzu kommen die alten Zunftordnungen, die erste von 1484, in denen festgehalten ist, welche Gegenstände als Gesellenstücke anzufertigen waren, wie der Aufnahmeritus in die Zunft erfolgte – durch ein Bankett für alle Zunftmitglieder –, wie mit Lehrlingen umzugehen war u.v.a.m.
Die Musikwissenschaftlerin Marion Englhart hat sich mit der berühmten Melodie „Aba heit is' koid“, der Entstehung und Struktur des Liedes auseinandergesetzt, sie analysiert und mit zeitgleichen Melodien verglichen.
Der Ingolstädter Pressesprecher Michael Klarner stellt dar, welche Bedeutung der Schäfflertanz heute für die Identität der Stadt besitzt, und warum er bei den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt so gut ankommt und als ein Stück örtlicher Tradition und Beheimatung empfunden wird.
Der Leiter des Stadtmuseums Gerd Riedel stellt dar, welche Spuren die Schäffler von früher und heute im Bestand und im Magazin des Stadtmuseums hinterlassen haben.
Im Anhang des Buches befindet sich schließlich eine alphabetische Übersicht aller seit 1902 bekannten Tänzer und „Kasperln“ sowie der „Mini-Schäffler“, der Fahnenträger, der Reifenschwinger und Fassschläger und natürlich der Vortänzer.
Wenn die Ingolstädter Schäffler nun in ihre neue Tanzsaison starten, können sie stolz behaupten, dass wohl keine andere Schäffler-Gilde in Bayern ein derart farbiges und vollständiges Bilder- und Textbuch und eine derart vollständige Ausleuchtung ihres historischen Hintergrunds zu bieten hat, und das die ganze Lebensfreude zeigt, die von dieser alten Tradition ausgeht und von den heutigen Schäfflern gelebt wird.
Gerd Treffer; Die Ingolstädter Schäffler und ihr Tanz; Hrsgb. vom Zentrum Stadtgeschichte, Stadtarchiv Ingolstadt für die Schäffler-Gilde Ingolstadt; Ingolstadt,2024;
ISBN: 978-3-98-207705-5;
176 Seiten, 25 Euro.
Das Buch ist ab dem Beginn der Tanzsaison im Januar 2026 erhältlich im Buchhandel, an der Kasse des Stadtmuseums im Kavalier Hepp, bei der Schäffler-Gilde Ingolstadt (www.schaefflertanz-in.de) und bei den Auftritten der Ingolstädter Schäffler während der Tanzsaison 2026.
