Die Mangold-Brüder: Ein fast symbiotisch zu nennender Lebensgleichklang
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 15 - Ausgabe Nr.202 vom 01.12.2025
Geschwister, zwei Jesuiten, zwei Ingolstädter Professoren – die Mangold Brüder. Der große Bruder – Joseph, 1716 geboren, also 2016 seinen 300. Geburtstag begehend; der jüngere, Maximus, 1722 zur Welt gekommen. Beide mit Geburtsort Rehling, einer Gemeinde im schwäbischen (heutigen Landkreis) Aichach-Friedberg. Der Vater Johann Jakob war Bauer. Beide mit Sterbeort Augsburg, 1787 der ältere, 1797 der jüngere. Beide die Auflösung des Ordens 1773 erleidend.
Beide gingen zunächst (wohl) auf das Jesuiten-Gymnasium in Ellwangen. Joseph trat 1733 in den Jesuitenorden ein, Maximus 1739 – genau im Abstand ihres Alters. Beide waren im Landsberger Noviziat und absolvierten dann die ordenstypische Ausbildung.
Joseph wurde (parallel dazu bzw. anschließend) 1747/48 am Amberger Lyzeum als Professor für Physik eingesetzt.
Maximus lernte an der Universität Ingolstadt und wurde 1753 in Eichstätt zum Priester geweiht. 1755–1758 unterrichtete er in München.
Joseph Mangold gehörte 1748–1756 der philosophischen Fakultät der Universität Ingolstadt an. Er unterrichtete zunächst Logik, dann Physik. 1756 wechselte Joseph in die theologische Fakultät und übernahm die Dogmatikprofessur. 1757 folgte ihm sein kleiner Bruder Maximus auf der Physikprofessur. In diese Zeit seiner Ingolstädter Lehrtätigkeit fällt für Joseph die Entstehung seiner Hauptwerke „Systema luminis et colorum“ sowie „Philosophia rationalis et experimentalis“, mit denen sich Mangold als außerordentlich vielseitiger Kenner der seinerzeit modernen naturwissenschaftlichen Kenntnisse auswies. Teils lehnte er diese unter Berufung auf die Hl. Schrift ab – so das mit kirchlichem Verbot belegte kopernikanische System – in weiten Teilen seines Werkes befand er sich jedoch in bemerkenswerter, ihm innerhalb seines Ordens eine Sonderstellung sichernder Weise auf der Höhe der Zeit, urteilt Wienfried Müller (im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München; Berlin, 1998) und verweist: „Neben den Ausführungen zum Blutkreislauf und zur Pflanzenphysiologie traf dies vor allem auf die Ausführungen zur Licht- und Farbenlehre zu, in denen sich Mangold kritisch mit der Emissionstheorie Newtons befasste, statt dessen die Undulationstheorie Eulers übernahm und nur wenige Jahre nach ihrer Entstehung an der Universität Ingolstadt einführte“.
Maximus versah in der Nachfolge des großen Bruders 1757–1759 die Physikprofessur bei den Artisten, stand aber (meint Müller) dem Bruder „ungeachtet einiger wissenschaftlicher Veröffentlichungen in wissenschaftlicher Bedeutung nach“. Er „erarbeitete das am Vorbild seines Bruders orientierte Lehrbuch „Philosphia recentior praefectionibus publicis accomodata“ (und….) erwies sich hierbei als guter Kenner der modernen Naturwissenschaften“. Wie sein Bruder lehnte er das kopernikanische System „obwohl es ihm einleuchtend schien“ (W. Müller) als unvereinbar mit der Heiligen Schrift ab.
1763 beendete Joseph Mangold seine Lehrtätigkeit in Ingolstadt und verließ die Theologische Fakultät. Maximus wechselte zeitgleich von den Philosophen zu den Theologen und versah dort das vorher vom Bruder vertretene Fach Dogmatik. 1766 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert.
Nach Beendigung seiner Lehrtätigkeit in Ingolstadt ging Joseph Mangold als Professor für Theologie nach Dillingen. 1766 – 1769 versah er dort das Rektorat des Jesuitenkollegs und der Universität. Maximus seinerseits stand 1767 – 1768 dem Ingolstädter Jesuitenkolleg als Rektor vor. Ende 1770 wurde er Provinzial der Germania Superior.
Ende 1770 stand Joseph dem Augsburger Jesuitenkolleg (H. Salvator) vor und behielt die Funktion auch nach der Aufhebung des Ordens 1773, die in Augsburg erst 1776 vollzogen wurde. Das Kolleg wurde in ein Weltpriesterkolleg umgewandelt, dem Joseph Mangold bis zu seinem Tod 1787 als Bischöflicher Direktor vorstand.
Maximus dagegen versah das Amt des Ordensoberen in der Oberdeutschen Ordensprovinz bis zur Aufhebung des Ordens 1773. Anschließend zog er sich in das Augsburger Kolleg zurück, das unter der Leitung seines Bruders stand. Nach dem Tod des Bruders trat er dessen Nachfolge als Bischöflicher Direktor an. Er starb 1797.
