Seiteninhalt

Eine Ingolstädter Modelllokomotive im Deutschen Museum - Verkehrszentrum
Eine Fleißarbeit der Lehrlinge des Reichsbahnausbesserungswerkes Ingolstadt
von Gerd Treffer

Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 14 - Ausgabe Nr. 152 vom 15.08.2024

Weit mehr als ein Spielzeug ist ein am alten Eisenbahnerstandort Ingolstadt im Reichsbahnausbesserungswerk entstandenes Lokomotiven-Modell für die „Technikabteilung des Deutschen Museums“, eine „ eine peinlich genaue Nachbildung einer Schubmaschine“, also einer Lokomotive besonders massigen Formats mit der Aufgabe, Güter- oder Personenzüge auf Steilstrecken den Berg hinaufzuschieben. Das Original ist 17,6 Meter lang. Das Ingolstädter Modell ist im Verhältnis 1:10 gebaut, also 1,76 Meter lang. „Es fehlt daran kein Schräubchen und kein Splint“ und besteht aus 50 000 Einzelteilen, berichtet der Donaubote 1939 (a) und fügt an : „Jedenfalls können wir darauf stolz sein, dass dieses Prachtstück handwerklicher Leistung bald von Interessenten aus dem ganzen Reich und aus der ganzen Welt bestaunt werden wird und Zeugnis ablegt von Ingolstädter Tüchtigkeit“.(b) – „ Es ist da ein wahres Meisterwerk aus Lehrlingshand entstanden“.(c)

Einer Anregung der Zeitung folgend wird das Modell im Schaufenster der Firma Gebr. Diehm in der Ludwigsstraße – heute in der Fußgängerzone – ausgestellt. Es lockt, heißt es, „zahlreiche Neugierige… vor allem sind natürlich die Reichsbahnangestellten…die interessiertesten Beschauer. Mit Sachkenntnis geben sie den anderen … die entsprechenden Erklärungen“.(d) Die Lokomotive wird dann in Bamberg ausgestellt und wandert anschließend ins Deutsche Museum in München,(e) kündigt der Donaubote an.
Dort ist sie heute im Verkehrszentrum Am Bavariapark in der Dauerausstellung in Halle 2 (f) zu sehen.(g)


(a)Donaubote, 10. Mai 1939
(b) ebenda
(c) Donaubote, 27. Juni 1939
(d) Donaubote, 26. Juni 1939
(e) ebenda
(f) Deutsches Museum, Verkehrszentrum, Halle 2, Inv.-Nr. 77014
(g) Deutsches Museum, Verkehrszentrum, Am Bavariapark 5, tgl. geöffnet 9 bis 17 Uhr


zum Bild:
Das von den Lehrlingen des Ingolstädter Reichsbahnausbesserungswerk erstellte Modell bildet die damals schwerste deutsche Tenderlokomotive der Baureihe 96 (96.016) ab, die bekannter war unter der bayerischen Bezeichnung Gt 2x 4/4. Das Original stammt von J.A. Maffei, München,1922. „Diese Gelenklokomotive der Bauart Mallet war über 130 Tonnen schwer und wurde von der Deutschen Reichsbahn bevorzugt zum Nachschieben schwerer Güterzüge auf steilen Streckenabschnitten eingesetzt“ (Tafeltext im Verkehrszentrum des Deutschen Museums). Die Leistung betrug 1630 PS, die Höchstgeschwindigkeit 50 km/h.