Francois Mossu. Ein Schweizer Ingolstadt-Jesuit und Provinzial. Zum 350. Geburtstag
von Gerd Treffer
Historische Blätter Ingolstadt - Jahrgang 16 - Ausgabe Nr.234 vom 01.09.2026
Geboren wurde er im September 1676 in Charmey, einer Gemeinde im Greyerbezirk des Kantons Fribourg. Der deutsche Name Gamlis wird heute noch in der engeren deutschsprachigen Nachbarschaft (Jaun) werwendet. Franz Mossu besuchte das Gymnasium in Fribourg und wurde bereits mit 15 Jahren zum Landsberger Jesuitennoviziat zugelassen (1691).
Den dreijährigen philosophischen Kurs hörte er
1694 – 1697
an der Universität Ingolstadt. Sein Magisterium leistete er in Porrentruy (1697 – 1700) und München (1700 – 1702) ab. Zum Studium der Theologie kehrte er
1702 – 1706
nach Ingolstadt zurück. Nach dem Tertiatsjahr (1706/1707) in Altötting und einem Jahr als Logikprofessor am Eichstätter Kolleg las er den philosophischen Dreijahreskurs
1709 – 1712
in Ingolstadt. Zum Doktor der Theologie promoviert, dozierte er 1712 – 1715 Kirchenrecht und scholastische Theologie in Dillingen, dann Scholastik
1715 – 1718
in Ingolstadt und anschließend bis 1723 in Innsbruck.
Dann beginnt seine Zeit in leitenden Funktionen im Orden. Er ist Rektor 1723 – 1725 in Innsbruck, bis 1725 in Dillingen, bis 1731 in Landsberg , wo er zugleich als Novizenmeister wirkt, schließlich
1731 – 1734
In Ingolstadt.
Franz Retz, der 15.General der Societas Jesu (1673 – 1750), beabsichtigt, Mossu als Hofbeichtvater nach Dresden zum Sächsischen Kurfürsten und König von Polen zu entsenden, scheitert damit aber an den Einwänden des sächsischen Hofadels, Mossu ( mit seinen 58 Jahren) sei für dieses Amt zu alt.
Statt dessen erfolgt am 25. November 1734 Mossus Berufung an die Spitze der Oberdeutschen Ordensprovinz, ein Provinzialat, das er bis Mai 1738 ausfüllt. Ihm folgt eine weitere Folge von Rektoraten , (1738 – 1744) in München , dann
1744 -1749
erneut in Ingolstadt, anschließend bis 1752 in Regensburg und abschließend bis 1756 in Landshut.
Die letzten Jahre seines Lebens ( bis November 1760) verbringt Mossu in der Münchener Zentrale.
Aus seiner langen universitären Tätigkeit sind – so Karl Faußner und Robert Larsson-Folger im Biographischen Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität – keine Schriften überliefert. Vermutet wird, er sei der Verfasser einer Antithese poetica („Idyllicon, sive antithesis poetica ad parallela M Lomeri Diaconi Augustani“, die schon 1700 in München erschien, eine „poetische Bearbeitung einer kontroverstheologischen Problematik“ (Faußer, Larsson-Folger), die mithin in seiner Zeit als Hörer des philosophischen Kurses oder des anschließenden Magisteriums entstand, zu werten als ein impulsives Frühwerk gegen den Augsburger Diakon, an dem sich zu reiben ein junger Theologe aus Ingolstadt herausgefordert gefühlt haben mochte. (Besagter Gottfried Lomer (1666 – 1728) war ein evangelischer Theologe , Diakon und Pfarrer in Augsburg).
Lesehinweis: die freigestellten Zahlen bezeichnen die Jahre des Aufenthalts von Mossu in Ingolstadt .
